Mindestlohn reduziert Depressionen und Ängste

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Take the money and run!

Ich finde es erstaunlich, dass es enorm wenig darüber zu lesen gibt inwiefern Beruf und Depressionen (oder Burn Outs) zusammenhängen. Zuletzt wurde das beim German-Wings-Absturz ansatzweise thematisiert, allerdings in eine andere Richtung als ich mir gewünscht hätte. Die Rede war von einem Berufsverbot für Depressive.

Ich hatte hier mal einen Post verlinkt über Hackerethik als Ursache für Depressionen auch zum Thema Kapitalismus als Neurose hatte ich bereits was geposted. Vielleicht habt Ihr ja einige Leseempfehlungen zu dem Thema?

Der Oxforder Forscher Aaron Reeves hat nun eine Studie vorgestellt. In Introduction of a National Minimum Wage Reduced Depressive Symptoms in Low-Wage Workers: A Quasi-Natural Experiment in the UK geht sein Team und er der Frage nach ob höhere Einkommen die Gesundheit verbessern. Sein Ergebnis:

„In der Gruppe derjenigen, die der Mindestlohn auf eine höheres Einkommensniveau gehoben hat, verbesserte sich der Gesundheitszustand. Besonders Ängste und Depressionen gingen merklich zurück. In einer Kontrollgruppe, die gerade so viel verdiente, dass sich ihr Einkommen durch den Mindestlohn nicht änderte, blieb der durchschnittliche Gesundheitszustand dagegen unverändert. Nach Ansicht der Forscher unterstreicht ihre Untersuchung, wie wichtig ein ausreichendes Einkommen für die psychische Gesundheit ist.“

Jetzt bitte noch die selbe Studie in den Gegenden wo es ein BGE gibt.

Update von 22:22:

Die Studie zum BGE gibt es, danke Aloa5 für den Hinweis! Die Volkswirtschaftlerin Evelyn Forget hat zum kanadischen Mincome-Projekt in den 70ern gleich mehrere Untersuchungen durchgeführt:
The Town with No Poverty: The Health Effects of a Canadian Guaranteed Annual Income Field Experiment
Gesamte Untersuchung von Evelyn Forget als PDF

(via boeckler)

    4 Kommentare:

  • aloa5 schreibt am 14. Juni 2016 um 09:24

    Ich halte die Schlussfolgerung für anzuzweifeln. Gerade weil es in der Kontrollgruppe welche „gerade so viel“ verdiente das der ML nicht notwendig war ist die Korrelation mit dem Mindestlohn als Höhe nicht erheblich. Ob jemand 8,45 EUR/h oder 8,51 EUR/h verdient ist für das Nettoeinkommen de facto unerheblich.

    Es geht m.E. psychisch um den Akt das ein Gefühl dafür aufkommt das einem geholfen wurde und das man nicht „vergessen“ wird.

    Für mich ein gutes Beispiel dafür wie man mit den gleichen Daten auf ganz verschiedene Schlussfolgerungen kommen kann.

    Grüße

  • aloa5 schreibt am 14. Juni 2016 um 09:42

    Nachtrag: solch eine Studie für BGE gibt es m.E. bereits.

  • hele schreibt am 14. Juni 2016 um 10:46

    Vielleicht war der Gesundheitszustand der knapp an der Mindestlohngrenze Arbeitenden ja schon eh wesentlich besser als bei der Gruppe, die real nur auf einen Stundenlohn von 3€ kommen (wie z.B. bei manchen Postzustellern). Dass sich der Gesundheitszustand dann nicht verbessert bei 5 Ct. Unterschied ist klar. Bei einer Anhebung von 3€ auf 8,50€ macht es durchaus einen großen Gewinn an Lebensqualität und so der Gesundheit aus.

  • aloa5 schreibt am 14. Juni 2016 um 14:17

    Hier ist das gleiche Phänomen:
    http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/armut-als-risiko-monatliches-taschengeld-hilft-psychisch-kranken-13877964.html

    @Hele: Jemand der 3 Euro verdient, der hat mehr als 3 Euro – zumindest bei uns. Da muss man immer sehen wer untersucht wurde und wo. Wie sieht es mit dem sozialen Netz aus etc..

    Was ich sagen wollte: Die Feststellung das sich die Gesundheit bessert wenn man mehr Geld erhält ist zuerst einmal eine Korrelation. Hinterher muss man untersuchen was maßgeblich dafür verantwortlich ist. Das kann im Falle der Arbeit die Anerkennung sein. Das kann im Falle des Mindestlohnes das „kümmern“ sein. Es kann im Falle von Schulden/Armut etc. auch tatsächlich der monetäre Wert sein.

    Armut wird meines Erachtens durchaus krank machen. Es stellt ein Stressfaktor dar und der drückt auf die Psyche und über das Cannbinoid-System auch auf das Immunsystem (m.E. sind das die CB2 Rezeptoren welche u.a. im Hirn ausgebildet werden und u.a. das Immunsystem beeinflussen).

    Mindestlöhne sind jedoch kein geeignetes Mittel um Armut zu bekämpfen — und das Gefühl das sich um einen gekümmert wird kann psychisch mehr ausmachen,

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