Mobbing auf Wikipedia – Über die Diskussionskultur des Schwarms

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Wikipedia

Debatten um die Wikipedia und die Diskussionskultur dort gibt es schon lange. Exemplarisch eine Geschichte von Daniel Jacob in seinem Theorieblog 2010. Auch die FAZ schrieb damals bereits:

„In der Gemeinschaft wächst der Ärger über das selbstherrliche Bearbeiten und Löschen der Texte durch arrivierte Mitglieder, wie der Blogeintrag einer einstmals sehr engagierten und dem Projekt inzwischen distanziert gegenüberstehenden Wikipedia-Mitarbeiterin mit dem Pseudonym Elian deutlich macht: ‚Die Gesundheit eines Projekts zeigt sich am Umgang mit seinen Kritikern und Unangepassten. Und da kann man der Wikipedia nur ein zunehmend schlechter werdendes Zeugnis ausstellen. Wer nicht pariert, wird ausgegrenzt und so lange gereizt und beleidigt, bis er den passenden Sperrgrund liefert.'“

All dies wurde u.a. als Grund dafür gesehen, dass die Wikipedia vor allem männlich dominierte ist. Ungefähr 90% der Editierer sind Männer. Untermauert wurde das u.a. durch die Ablehnung geschlechtergerechter Sprache. Helga fasste die Frauen in der Wikipedia-Debatte 2012 bei der Mädchenmannschaft zusammen.

Grade deswegen macht sich die Wikimedia Stiftung Sorgen um ihre Community. Sarah Stierch führte 2012 das Teahouse in Wikipedia ein um Einstiegshürden zu senken.

Ich selbst habe das Thema die letzte Zeit dann eher aus den Augen verloren, stolperte nun aber bei Golem über einen Artikel der ein krasses Bild zeichnet:

„Auf Wikipedia geht es mitunter äußerst unfreundlich und sogar feindselig zu. Nutzer sperren sich gegenseitig und verfolgen fieberhaft die Edits des anderen, um sie wieder rückgängig zu machen. Es wird gemobbt, frauenfeindlich, rassistisch, antisemitisch oder homophob gepöbelt und sogar mit physischer Gewalt gedroht.“

2015 gab es dazu eine weltweite, nicht repräsentative Studie mit 3845 Teilnehmer*innen:

„38 Prozent der Teilnehmer gaben in der Umfrage an, schon einmal selbst Belästigung auf Wikimedia-Projekten erlebt zu haben. […] Von allen Belästigungsarten waren Frauen deutlich stärker betroffen als Männer.“

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