Buchkritik: Literarische Cartoons

Was schenkt man einem Menschen, über den man nicht mehr weiß, als dass er ein Bücherregal besitzen dürfte? Was der Klassenlehrerin zum Ende der gemeinsamen Schulzeit, was dem Tutor nach dem ersten Proseminar? „Literarische Cartoons“ vielleicht? Gehen wir mal davon aus.

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Die dort gesammelten Arbeiten der 43 Zeichner*innen sind durch Personen, Gegenstände und Situationen, die irgendetwas mit der Er- und Beschaffung bzw. dem Verkauf und Konsum von Druckerzeugnissen zu tun haben, lose miteinander verbunden.
Literatur spielt darin nicht die größte Rolle. Dennoch wird ein mit diesem Buch beschenkter Mensch nicht mäkeln, dass eine Buchhandlung noch keine Literatur sei, dafür ist es zu schmeichelhaft, als belesen und humorvoll zu gelten. Er wird sich also artig bedanken und bald darüber Auskunft geben können, wie ihm der Band zugesagt hat, gut 100 Seiten mit Cartoons sind rasch gelesen.

Manche von ihnen ziehen ihren vermeintlichen Witz aus dem Vorkommen bekannter Personen, einige sind eher plumpe Karikaturen und stellen in unangenehmer „die da oben“-Manier arme Künstler und zigarrenrauchende Verleger dar, andere appellieren an selbstgefälligen Kulturpessimismus. Weitere verlassen sich auf Klischees (Der „Schinken“ aus der Apotheke als Einschlafhilfe) oder ergehen sich in Kalauern („Ins Grass gebissen“, ein literarischer Hund, der, na, wie bellt? Genau. „Böll! Böll! Böll!“). Vermutlich gilt auch in Wien , wo sich der herausgebende Holzbaum Verlag befindet, etwas dann als lustig, wenn es Gemeinplätze bedient und irgendetwas, Zitat Klappentext, „gnadenlos durch den sprichwörtlichen Kakao“ zieht. Auf dass sich alle ihrer eigenen Scharfsinnigkeit, ja Bildung versichert sein mögen.

Deshalb taugt die Sammlung auch für Menschen, von denen die ebenfalls im Klappentext erwähnten „großen Werken der Weltliteratur“ nie in die Hand genommen werden. Sie werden sich darin gut zurecht finden, auf Werke selbst spielt nur ein Drittel der Cartoons an. Wer lachen will, braucht kaum etwas gelesen zu haben und begegnet den oberflächlich eh vertrauten Shakespeare, Schiller, Hemmingway oder Goehte, siehe „Goehtes letzte Worte politically correct“ laut dem Zeichner Burkh, die da lauten: „Mehr Energiesparlicht!“.

Leider kann sich „Literarische Cartoons“ nicht zwischen diesem witzlosen Humor und der komischen Klasse eines Leonard Riegel, Hannes Richert, Nicolas Mahler oder einer Katharina Greve entscheiden. Es ist ein durchwachsenes Durcheinander, aus dem einige Arbeiten herausragen; der Band wirkt, als sei er zusammengestellt worden, weil es ausreichend Material gab und ein Verlag eben Bücher macht. Das Fehlen der Literatur selbst in Form eines Vor- oder Nachworts und einer Gliederung lassen „Literarische Cartoons“ wie ein liebloses Gelegenheitswerk für Verlegenheitskäufe in Bahnhofsbuchhandlungen wirken. So manchem dürfte damit geholfen sein.

Clemens Ettenauer, Johanna Bergmayr (Hg.): Literarische Cartoons
Holzbaum Verlag, 2016
96 Seiten, Hardcover
Mit Bildern von BECK, Dorthe Landschulz, Greser & Lenz, Miriam Wurster, Nicolas Mahler, Oliver Ottitsch, Rudi Hurzlmeier, Schilling & Blum, Til Mette u.v.m.

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