AfD in Mecklenburg-Vorpommern – Wieso, weshalb, warum?

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AfD - Alternative für Deutschland

Ich war gestern in einer kleinen Eckkneipe und konnte mithören was am Tresen zur AfD gesagt wurde:

„Damals 78, 79 als die Grünen das erste Mal wo gewählt wurden. Da wollte auch keiner mit denen reden.“

Gut, die Grünen wurden erst nach 79 gegründet, aber darum geht es nicht. Viel interessanter ist, dass die alleinige Ablehnung – egal ob welcher Gründe – einer Partei vollkommen auszureichen scheint um einen solch kühnen Vergleich aufzustellen. Da ist es nicht verwunderlich, dass nicht wenige die Alternative für Deutschland einzig aus Protest und nicht wegen ihres Wahlprogramms wählen.

Obwohl die AfD immer wieder Stimmen bei Arbeitslosen gut macht, ist sie keineswegs sozial. Die SZ schreibt in ihrem Artikel „Die AfD führt einen Kulturkampf – keinen Klassenkampf“, dass es keineswegs um Arbeitslosigkeit, sozialen Abstieg und ähnlichen Schwerpunkten bei der Partei ginge:

„Das Thema, mit dem sich die AfD profilieren konnte, ist dementsprechend nicht die Sozialpolitik, sondern es ist die Flüchtlingspolitik. Die Anhänger der AfD wollen schlicht nicht, dass Flüchtlinge ins Land kommen. Sie wollen ein Deutschland wie vor 50 Jahren als Männer noch Männer, Frauen noch Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund noch Gastarbeiter waren. AfD-Wähler fühlen sich nicht unbedingt wirtschaftlich abgehängt – sondern kulturell.“

Doch welche Strategien helfen gegen die Partei, die sich schon Regierungsbeteiligungen herbeiträumt?!

Im Lower Class Magazin wird dazu Jakob von der radikalen linken | berlin interviewt:

„Dass wir die soziale Frage bei der Auseinandersetzung mit der AfD ins Zentrum rücken wollen, ist auch Resultat der Erkenntnis, dass wir als radikale Linke aufhören müssen, uns auf Szenepolitik zu beschränken. Wir müssen uns eingestehen, dass viele Linke den Draht zu den Menschen ganz unten verloren haben. Die meisten unserer Selbstverständlichkeiten sind für viele Menschen völlig unbekannt. Wenn wir etwas gewinnen wollen, müssen wir uns auch mit denjenigen auseinandersetzen, die viele Linke allzu gerne verteufeln oder über die sie sich lustig machen. Ein moralisches »Wir sind besser als ihr« aus unserem kleinen Szene-Elfenbeinturm wird uns da keinen Schritt weiterbringen.“

Ein erster Schritt ist eine Wandzeitung der radikalen linken | berlin. Bleibt abzuwarten, wie hoch das Ergebnis sein wird was die AfD in Berlin erzielt… Und die Fragen wieso, weshalb, warum kann ich für mich auch nur unzureichend beantworten. Ja, es geht um Protest und ja, es geht um soziale Ängste, nur werden diese auf Flüchtlinge projiziert. Ist das das einzige Geheimnis des Erfolgs?!

Vielleicht ist die AfD am Ende doch europäischer als sie es selbst sein will. Die präsente Partei rechts außen, die es mit Front National, FPÖ und Co. anderorts schon gibt. Sie ist nun auch in Deutschland angekommen und versucht sich zu etablieren. Dass aufgrund der Wahlerfolge der Alternative für Deutschland die NPD aus allerlei Landtagen flog sollte nicht gefeiert werden, es sollte zeigen für welche Wähler*innen die AfD eine Alternative ist.

    Ein Kommentar:

  • classless Kulla schreibt am 6. September 2016 um 09:38

    Die Frage ist weniger, ob und inwieweit es bei der AfD um Klassenkampf geht (und um den welcher Klasse), sondern ob es bei linken, sozialistischen, revolutionären Kräften endlich wieder zuallererst um Klassenkampf geht.

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