Über Frauke und das Wort „völkisch“

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AfD - Alternative für Deutschland

Frauke Petry will den Begriff „völkisch“ neu besetzen. Doch weiß Petry tatsächlich was Völkisch heißt?! Wir schlagen mal im Duden nach:

„1. (nationalsozialistisch) (in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus) ein Volk als vermeintliche Rasse betreffend; zum Volk als vermeintliche Rasse gehörend

2. (veraltet) national“

Selbst ein verkürztes Nachforschen zeigt, dass der Begriff belastet ist. Auch in der Wikipedia wird schnell auf die nationalsozialistische Konnotation hingewiesen:

„Völkisch transportiert in seiner modernen Variante einen rassistischen Volksbegriff und ist stark antisemitisch konnotiert. Es wurde im deutschsprachigen Raum als Selbstbezeichnung von der Völkischen Bewegung angeeignet und zu einem Schlüsselbegriff des völkischen Nationalismus.“

Kein Wunder, dass allerlei Medien den Erklärbär geben und Petry ein wenig Geschichtsnachhilfe bekommt. So schreibt die Welt in ihrem Artikel mit der Überschrift „Frauke Petry weiß nicht, was ‚völkisch‘ bedeutet“:

„Wer ‚völkisch‘ denkt, lehnt liberale und kosmopolitische Werte ab. Untrennbar gehört zum ‚völkischen Denken‘ der Rassismus. Puschner schreibt im Standardwerk ‚Handbuch des Antisemitismus‘ prägnant: ‚Das Fundament der völkischen Weltanschauung bildet die völkische Rassenideologie.‘ Demnach gebe es Völker höheren und niedrigeren Wertes; eine Segregation, also Trennung verschiedener Völker sei notwendig. Stets wird das eigene Volk als überlegen wahrgenommen, andere Ethnien dagegen als minderwertig.“

Auch der Spiegel klärt auf „warum die AfD-Chefin falsch liegt“:

„Bis heute ist die völkische Strömung in der rechten und rechtsradikalen Szene von großer Bedeutung. Die Neue Rechte argumentiert auch häufig mit dem Ethnopluralismus, wonach jedes Volk ’seinen Platz‘, also zum Beispiel sein Land, habe. Anstelle biologischer ‚Rassen‘ wird hier mit unveränderlichen Kulturen und dem Recht der Völker auf den Schutz ihrer Identität argumentiert. Ethnopluralisten weisen es deshalb häufig von sich, Rassisten zu sein.“

Und in der ZEIT heißt es, „‚völkisch‘ sei nicht irgendein Adjektiv“ und verweist uuf den „Völkischen Beobachter“, das das publizistische Parteiorgan der NSDAP, welches nicht von ungefähr so hieß:

„Der Völkische Beobachter war die auflagenstärkste nationalsozialistische Tageszeitung, es war das ‚Kampfblatt‘ der Nationalsozialisten, wie es sich selbst nannte.“

Aneignung und Neupositionierung von Begriffen mit einer semantischen Verschiebung ist nichts neues und durchaus ein machtvolles Mittel. Das Negative ins Positive zu kehren hat einen hohen Impact. Petry scheint diese Strategie abgeschaut zu haben aber eines der denkbar schlechtesten Wörter dafür zu wählen. Und es bleibt festzustellen, dass die AfD in sich schon als „völkische“ Bewegung zu bezeichnen ist. Was als negativ konnotierte Bezeichnung bezüglich der AfD gedacht ist soll positiv werden. Denn eine völkische Bewegung im aktuellen, negativen Wortsinn ist die AfD bereits, die taz schrieb bereits im Februar diesen Jahres:

„Sie sind nationalsozialistischen Gesellschaftsvorstellungen näher als demokratischen, die immer auf Diversität setzen, nicht auf das, was sie ethnisch homogen fantasieren.“

Statt sich davon zu distanzieren und pluralistisch und weltoffen zu zeigen ist es halt einfacher eine neue Interpretation zu etablieren. Doof nur, dass die Leute die die Neubesetzung des Begriffs fordern denen die ihn damals etablierten so ähnlich sind. Oder um es mit Dem Bild zu sagen, das diesen Post illustriert:

„Braune Kacke blau anmalen? – Kannste schon so machen, aber dann isses halt immer noch Kacke.“

Ein besseres Beispiel für „Braunes blau anmalen“ konnte die AfD kaum liefern. q.e.d.

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