Über Politicial Correctness und Gendern mit Doppelpunkt

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Zwei bemerkenswerte Lesestücke, die ich Euch nicht vorenthalten will. Der Bildblog hat eine neue Kolumne. Johannes Kram verteidigt in dieser Political Correctness und Gutmenschen. Den ersten Teil fand ich lesenswert. Aus diesem:

„PC bedeutet eben nicht Denkverbote, sondern das Gegenteil. Es geht darum, genauer nachzudenken. Es geht nicht darum, Worte zu verbieten, sondern darum, ein Bewusstsein für deren Wirkung und Kontexte zu erreichen. Jeder ‚darf‘ sagen, was er will. Aber dank Political Correctness kann sich keiner mehr damit herausreden, dass er nicht weiß, was er da tut.“

Bin gespannt auf die weiteren Teile seiner Kolumne. Bei Kleiner Drei geht es um das Gendern mit Doppelpunkt. Ich gender mit Sternchen und bin mir der Kritik daran durchaus bewusst. Ich denke die selbe Kritik lässt sich am Doppelpunkt anbringen. So ganz sicher bin ich mir da noch nicht. Lesenswert finde ich das Ganze dennoch und vor allem: Beide Artikel zeigen, das eine kleine Umstellung viel aussagt. Über Dich, über Deine Ziele und über andere. Ich werde wohl nie verstehen, warum Leute sich vehement weigern und weiter das N-Wort nutzen wollen obwohl sich manche dadurch verletzt fühlen. Ich bin früher viel unachtsamer mit Sprache umgegangen und die Umstellung ist so easy-peasy. Und Sternchen sehen auch noch schön aus…

    6 Kommentare:

  • Schwarzes_Einhorn schreibt am 1. Oktober 2016 um 15:57

    Ich habe ja sehr lange sehr regelmäßig mitgelesen, inzwischen schaue ich aber kaum noch vorbei. Die geschlechtsneutrale Schreiberei mit Sternchen finde ich persönlich textzerstörend und ermüdend. Irgendwann werden Texte deswegen nur noch unverständlich sein. Aber viele sind ja schon heute nicht mehr imstande, einen Text zu lesen und zu verstehen, von daher…

  • Sirko schreibt am 2. Oktober 2016 um 01:32

    „Jeder ‚darf‘ sagen, was er will. Aber dank Political Correctness kann sich keiner mehr damit herausreden, dass er nicht weiß, was er da tut.“

    Im zweiten Satz ist eine versteckte Abwertung. Einfach nur manipulativ.

    Klar, jeder kann sagen, was er will.
    Und wenn ich weiter „die Frau Doktor“ schreibe, und mir jemand das ankreidet, dann ist das schlichtweg Intoleranz. Egal, ob ich das mache, weil ich faul bin, oder weil mir der Genderkram schlichtweg egal ist.

    Intoleranz bedeutet, das man kognitive Dissonanz nicht ertraegt.
    Und wenn jemand nicht mag, dass ich „die Frau Doktor“ sage oder schreibe, dann hat dieser jemand ein Problem. In – seinem – Kopf.
    Klar kann er losrennen und versuchen, die kognitive Dissonanz aufzuloesen, indem er sich Bestaetigung fuer seine eigenen Vorstellungen von anderen holt. Oder er kann mit mir diskutieren, oder gar versuchen, mir mit einer Mehrheit seinen Willen aufzuzwingen.
    Es bleibt Intoleranz.

    Das Problem ist, dass man einfach ganz genau unterscheiden muss, ist jemand tatsaechlich beeintraechtigt oder nicht. Wenn sich die Beeintraechtigung lediglich daraus ergibt, dass die Vorstellungen einer Seite nicht erfuellt sind, dann kann auch nur diese Seite das Problem in ihrem Kopf loesen. Durch Akzeptanz.

    Ansonsten duerfte heute keine Frau einen Bikini tragen.

    Ich mein das voellig ernst.
    Es ist voellig richtig, irgendwann muessen wir das mal aendern. Aber das ist eine freiwillige Sache. Wir leben doch eigentlich lieber frei. Und wenn ich das nicht mitmachen will, dann ist das auch in Ordnung. Da kann ich aus meinem Gerechtigkeitsempfinden heraus Akzeptanz erwarten.

    Und wenn die Mehrzahl der Leute irgendwann in jedem Satz korrekt gendert, man in der Zukunft vielleicht noch ganz andere Moralvorstellungen in Sprache giesst, werde bestimmt auch ich nach und nach mitmachen. Egal was. Weil ich mich dann daran gewoehnt habe. Ich bin bequem. Der Sprachscheiss nervt mich einfach nur.

    Zum Glueck kann mir das egal sein. Das bedeutet naemlich Freiheit, dass ich Dinge tun darf, durch die sich andere gestoert fuehlen, wenn es sie nicht beeintraechtigt. Das haben wir uns jahrhunderlang erkaempft, darum steht die auch im Grundgesetz und keine Moral, Ideologie oder religioese Regeln. Die Freiheit.

    Auf Moralvorstellungen muss niemand Ruecksicht nehmen. Moral, Ideologie, religioese Dogmen sind Vorstellungen, persoenliche Werte. *Jeder hat andere.* Sie werden immer mit denen von irgendjemandem in Konflikt stehen.

    Nach Werten zu handeln ist ok, sie anderen aufzuzwingen nicht.

    So. Ich kann nicht gendern soviel ich will. Und ich muss mich nicht herausreden. Wenn es jemandem nicht passt, dass ich dafuer einfach zu faul bin, hat derjenige ein Problem, dass auch nur er loesen kann. In seinem Kopf.

    Kaempft weiter fuer eure gegenderte Sprache, ja, vielleicht ist es ja wirklich besser, aber ich lass mir Zeit mit Veraenderungen. Rennt schon mal vor, schafft weiter euer „Bewusstsein“, wofuer auch immer. Irgendwann werdet auch ihr euch wundern, dass ihr plotzlich gegen irgendjemandes Vorstellungen verstosst. Und die werden euch sehr seltsam vorkommen.
    Und die werden ein riesen Gewese darum machen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 2. Oktober 2016 um 12:28

    @Sirko Ich glaube nicht, dass die Kolumne beim Bildblog explizit das Gendern mit einschließt. Beides zusammengepackt habe ich in diesem Post wegen eines sehr losen Zusammenhangs mit dem Thema „Sprache“ und ich beide Posts lesenswert fand.
    D.h. aber nicht, dass Johannes Kram den „Genderkram“ damit meint. Denn dieser kommt in seiner Kolumne nicht vor. Er bezieht sich eher auf Homophobie und rassistisches Vokabular. Da wäre ich vorsichtig seine Inhalte mit den Inhalten dieses Posts oder den bei Kleiner Drei zu kombinieren.

  • Sirko schreibt am 2. Oktober 2016 um 14:34

    Also in Krams Gutmenschen-Kolumne wird ziemlich deutlich, was ich meine.

    Sobald irgendjemand mit der Moral angerannt kommt, beansprucht er fuer sich, dass sein Frame, also seine Blickrichtung, aus der heraus er die Dinge interpretiert, auch fuer andere gilt. Die gilt aber nie fuer andere. Niemals, egal um welches Thema es geht.
    Die Kolumne ist uebrigens voll von Wertungen, er benutzt Worte wie „widerlich“ und manipuliert mit hypnotischen Sprachmustern.

    Das worueber ich hier rede, ist komplett unabhaengig davon, ob es um Schwulen-Diskriminierung, Gendern oder was weiss ich geht.
    Es geht darum, dass ich grundsaetzlich auf niemanden Ruecksicht nehmen muss, will und auch gar nicht kann, der meint, wegen seiner Interpretation meines Handelns oder meiner Wortwahl irgendwie zu leiden.
    Und finde ich voellig in Ordnung. Da jeder von uns einen anderen Frame und andere Werte hat, ist der Dauer-Zustand inmitten vieler Konflikte unausweichlich. Moral ist auch Modestroemungen unterworfen, Menschen manipulieren mit Moral, Moral ist Identifikationsmerkmal homogener Gruppen, die es heute so nicht mehr gibt, Menschen profilieren sich mit Moral. Sehr her, wie PC ich bin. Ich bin unangreifbar.

    Was ich nicht in Ordnung finde, ist emotionale Erpressung, genauer Ausgrenzung und Abwertung von denen, die bei diesem Geschacher nicht schnell genug mitmachen.
    Die Methoden.

  • rex schreibt am 25. November 2016 um 01:31

    Danke Kotzihorn, ich mag dich und d1 Artikel und Gendern und Umsichtig-mit1ander-sein–> ist nämlich voll zucka!

    Und ich find das so zucka, dass ich sogar auch ma bereit bin, m1 eigenen Privilegien zu reflektieren und mir auch üba Sprache Gaydanken mache, die vielleicht nicht mich persönlich angreift, aba andere Leute.

    Ich selbst bevorzuge zum Gendern das Gender Gap, aber * iss auch voll okay und haste auch wieda Recht, dass *** 1fach schön aussehen, von daher auch wieda zucka!

    Wenn ich als Gutmensch beschimpft werde, finde ich das dann nur insofern schlimm, als dass ich dann doch lieber 1 1horn wäre. Aba ok, Identität kann mensch sich halt leida nich so richtig aussuchen oda?) und ich bin ja schon Trans*, das ist schön gaynug, muss ich sagen <3

    Na egal, jedenfalls liebe Grüße!

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