Post-Truth

Die Wahrheit und das Netz im postfaktischen Zeitalter

Postfaktisch – bzw. post-truth – ist das internationale Wort des Jahres. Was hat das Ganze mit Wahlen, Wahrheit und dem Netz zu tun?

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Der Oxford-Dictionary erklärte „post-truth“ zu seinem internationalen Wort des Jahres. Das Wort des Jahres soll das vergangene Jahr repräsentieren. Laut Dictionary-Redaktion nahm die Nutzung des Wortes gegenüber dem Vorjahr um 2000% zu.

Post-Truth beschreibt dabei die Umstände in denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die öffentliche Meinung haben als Emotionen oder persönliche Überzeugungen.

Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass dies so weit geht, dass Wahlen wie Brexit und/oder der US-amerikanische Wahlkampf davon beeinflusst wurden. So gab es im US-Wahlkampf ein Newswebseiten-Netzwerk, welches falsche Berichte gegen Clinton verbreitete und so nicht nur Einfluss nahm, sondern damit auch viel Geld verdiente. Sowohl Facebook als auch Google reagierten auf diesen Umstand und kündigten an die Geldhähne für solche Seiten zuzudrehen. Ein Fake-Autor ist gar davon überzeugt, dass ER es war, der Trump zum Sieg verhalf. Die Washington Post hat Paul Horner interviewt.

Bereits im Juli gab es hier beim Kotzende Einhorn eine kleine Anleitung, wie Du Fakten schnell und relativ unaufwändig gegenchecken kannst.

Auch Student*innen der Princeton University machen sich Gedanken, wie ein Fake-Nachrichtenfluss zu unterbinden ist. Ergebnis war eine Google-Chrome-Extension bei der erfundene Inhalte im Netz gekennzeichnet werden, so dass man beim Surfen bereits erkennt wie vertrauenswürdig die Quelle ist.
„FiB“ ist auf als Open-Source-Projekt auf Github zu finden.

All das wird wahrscheinlich wenig helfen, läuft der Faktencheck mittlerweile doch eher wie in folgender Grafik ab:

Postfaktischer Faktencheck

Neben dem Inhalt spielt vor allem die Verbreitung eine wesentliche Rolle. Im Auftrag von ZDFzoom Simon Hegelich, Professor für politische Datenwissenschaft an der TU München, 30 Millionen Facebook-Aktivitäten und fünf Millionen Twitter-Nachrichten untersucht. Interessant dabei war, dass Hegelich dabei Bot-Aktivitäten entdeckte, einer dieser Bots aber durchaus eine reale Person war. Vornehmlich werden dort rechtspopulistische Inhalte geteilt. So verwundert es nicht, dass die AfD erst Social Bots im Wahlkampf einsetzen wollte und dann wieder den Einsatz ablehnte.

Auch im US-Wahlkampf scheinen Bots eine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Medium schreibt:

„Bei den Präsidentschaftsdebatten zwischen Clinton und Trump stammten ein Drittel der Pro-Trump-Tweets und rund ein Fünftel der Pro-Clinton-Tweets von Bots.“

Und Adrian Lobe fragt bei Spektrum.de ob nicht Hillary Clintons Algorithmus einfach falsch war…

Wie sehr sich das bei der Bundestagswahl 2017 auswirken wird ist im Gegensatz zur Frage „Ob?“ unklar.

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