Ernst Heinrichsohn – Wie ein NS-Verbrecher CSU-Bürgermeister wurde

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Nach 45 waren alle Opfer, Verführern erlegen und natürlich haben alle von nichts gewusst. Aber sie waren noch da, die Täter und Mitläufer!

Heinrichsohn

Zu großen Teilen in wichtigen Positionen. Prominentestes Beispiel dürfte da Hans Globke, unter Adenauer Staatssekretär des Bundeskanzleramts, beteiligt an der Ausarbeitung der Nürnberger Rassegesetze sein. Heutzutage wird schneller über die Vergangenheit gestolpert eine weitere Geschichte beweist, dass das „Mal-gut-sein-lassen“ und „Nicht-immer-auf-12-dunkle-Jahre-reduzieren“ früh begann und mancherorts gnadenlos durchgezogen wurde.

Als ich letztens eine Dokumentation über das Ehepaar Klarsfeld sah, blieb mir die Geschichte von Ernst Heinrichsohn besonders im Gedächtnis.

Heinrichsohn wirkte als SS-Mitglied an der Deportation der Juden nach Auschwitz mit. Am 7. März 1956 wurde er in Frankreich in Abwesenheit zum Tode verurteilt. In Deutschland konnte er allerdings weiter sein Leben führen und machte sogar politische Karriere. Bereits 1952 wurde er für die CSU Bürgermeister für den kleinen Ort Bürgstadt am Main. Auch als Abgeordneter im Kreistag Miltenberg agierte er. 1976 wurden durch Serge Klarsfeld seine Taten im zweiten Weltkrieg bekannt. Er gab eine Ehrenerklärung ab, dass er nicht mit einem in Frankreich gesuchten Gestapo-Agenten namens „Heinrichson“ identisch sei.

Dies reichte für CSU wie die Bürgerschaft und er wurde 1978 als Bürgermeister wieder gewählt. Hinter ihn stellten sich Edmund Stoiber, der „nicht mit Vorverurteilungen in ein schwebendes Ermittlungsverfahren eingreifen wollte“ und der CSU-Kreisvorsitzende Henning Kaul versicherte dem Parteifreund die „Solidarität des Kreisverbandes“. Auch Franz Josef Strauß reagierte auf Vorwürfe nicht und hielt noch zu seinem Bürgermeister, als dieser dann doch im Kölner Lischka-Prozeß wegen Beihilfe zum Mord angeklagt wurde. Vor Gericht wollte Heinrichsohn dann von alledem was damals geschah schlicht nichts gewusst haben. Das habe er alles erst nach dem Krieg erfahren. Es half nichts. Im Verlauf des Prozesses belasteten zwei Zeuginnen Heinrichsohn schwer. Die beiden Frauen Odette Daltroff-Baticle und Marie Husson identifizierten ihn auf Fotos und schilderten, wie er gar Kinder und auch Kranke in die Züge gezwungen habe. Am 11. Februar 1980 wurde Heinrichsohn vom Kölner Schwurgericht zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Doch sein Bürgstadt stand hinter ihm und sammelte für ihren Bürgermeister Geld für die Kaution von 200.000 DM. Eine Bürgstädterin sagte damals „Die Dinge müssen mal ein Ende haben.“

Heinrichsohn war nicht der einzige der trotz seiner Vergangenheit Karriere machte. Oft wurden beide Augen zugedrückt.

Weiterführende Links zu Ernst Heinrichsohn:

Der Spiegel 1977 über „Das Deutschland der Heinrichsohns“

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