Die Cliquenedition von Bum Khun Cha Youth – „Vinyl ist stark, der Rest peinlich.“

Bum Khun Cha Youth veröffentlichten mit Ihrer Cliquenedition eine eigene Art des Singles-Clubs. Vierteljährlich erschienen ab 2011 fünf 7inches. Immer mit Bum Khun Cha Youth und einer weiteren Band. Linus Volkmann dazu im Interview.

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Lieber Linus, wie kam es damals 2011 zu Eurer Cliquenedition?

Die Arbeitsweise unserer Band ist, dass der Musikverantwortliche Uli für das erste Album circa 12 Jahre brauchte. Ich dachte, man könne das Intervall etwas aufbohren, indem immer ein Song alle Vierteljahr erscheint, Die Vinyl-Single schien mir ein günstiges Medium dafür. Boy, what was I wrong!

Wieso, was ging schief?

Das Presswerk war gebucht, aber der Künstler konnte seinen jeweiligen neuen Song stets nicht loslassen. Ich drohte, er litt. Dieses Projekt brachte die Band näher an den Abgrund als Angel Dust.

Und wie kommen da die anderen Bands ins Spiel? Ihr hättet ja auch einfach jedes halbe Jahr eine 7inch mit zwei Songs machen können. Oder wolltest Du den Druck auf Uli noch weiter erhöhen? Was ist das für 1 Bandgefüge?
„Ja hey, von mir aus könnten wir noch warten. Aber Donkey Princess machen Druck. Die haben schon vor Wochen abgeliefert. Jetzt müssen wir auch!“

So war es tatsächlich. Ich habe Uli die anderen Bands vorgehalten und hoffte, dieses Regime aus diversen Beteiligten bringt ihn zum Vollzug. Nebenbei ging es natürlich auch darum, die eigenen Zusammenhänge zu powern. Zu zeigen, dass wir ein besseres Angebot als der Rest haben – inhaltlich, ästhetisch. Wir sind eine Bewegung. Darum auch der Name fürs Projekt „Clique“. Aber Hauptantrieb war der besagte Krieg innerhalb der Band.

Was waren denn die Beweggründe Bands auszuwählen? Jens Friebe ist ja nahezu offensichtlich, er war ja sogar mal bei Bum Khun Cha Youth. Abbau West haben bisher – soviel ich weiß – nur die Single mit Euch gemacht. Aus Donkey Princess wurden Zucker, oder? Und Amen 81 sind ja weiterhin aktiv.

Die Beweggründe liegen doch auf der Hand wie bei allen DIY-Ereignissen. Man presst Musik von geilen Leuten und Freunden auf Platten, weil’s sonst keiner macht. Musikalisch war es uns dabei auch noch wichtig, einen impliziten roten Faden zu spinnen. Die Musik reicht ja von Elektro über Wave-Rock zu Hardcore und Gitarren-Chanson. Dennoch passt alles zusammen.

Ich dachte bei Splits denkt eine Band immer: „Hey, die sind viel bekannter als ich, das wird jetzt endlich mein Durchbruch“?

Die Verkaufszahlen belegen, jede der Bands hat an Fame durch das Projekt eingebüßt.

Dabei habt Ihr ein Konglomerat an Labels beteiligt. Tumbleweed, Ritchie Records und und und…
War das Projekt von Anfang auf fünf Platten ausgelegt oder war das eher so, dass sich ein Abschluss anbot?

Jede Single kostete mich 700 Euro, mehr als fünf wollte ich daher nun wirklich nicht machen.
Aber viel Geld kam natürlich durchs Verschenken wieder rein.

Bis auf eine 12inch und ein Album habt Ihr mit BKCY nur 7inches rausgebracht. Ich vermute, dass da die bereits von Dir erwähnte Arbeitsweise der Band eine Rolle spielt als eine romantische Vernarrtheit in dieses Format. Oder ist es doch beides?

Wenn man als Band sich nicht wirklich total reinsteigert in fiktionale Erfolgsmärchen, kommt man einfach zu dem Schluss, dass es eigentlich nur um guten Style geht. CDs sind hässlich, Downloads minderbemittelt. Vinyl besitzt dagegen endlos viel Würde. Das sage ich, obwohl ich den Record Store Day nicht gerade schätze und diesen ganzen bürgerlichen Plattenspielerbiedermeier zum Kotzen finde. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen: Vinyl ist stark, der Rest peinlich.

Die 7inches der Cliquenedition kannst Du über den Schinken-Omi-Shop beziehen.

Alle weiteren Posts der 7inch-Themenwoche inkl. weiterer Singles-Club-Vorstellungen findest Du hier.

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