Saalschutz fotografiert von Rolf Fassbind

Saalschutz – Das Interview zum Abschied

Saalschutz hören auf und gehen auf eine letzte Tour. Grund genug sie für das Einhorn zu interviewen.

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16 Jahre Saalschutz und jetzt soll Schluss sein? Wollt Ihr nicht wenigstens ein letztes Album, eine Abschiedssingle veröffentlichen?

Nein, das war ja nicht von langer Hand geplant. Saalschutz ist aus einer Laune heraus entstanden. Und ziemlich ähnlich beendet worden. Wir haben die Sache erst am Montag vor unserem „15 Jahre Saalschutz“-Konzert besprochen.

Was mich bei Euch neben der Musik beeindruckt sind Eure Alben-Artworks, die sind meist sehr spartanisch und in Graustufen gehalten. Die Gestaltung übernahm stets Jonas Voegli. Welche Idee steckte dahinter?

Jonas lernten wir nach einer durchzechten Nacht in einer Zürcher WG-kennen. Er war damals ein aufstrebender Grafikdesigner in Ausbildung. mittlerweile ist er ja so eine richtig große mit Preisen überhäufte Nummer in seinem Bereich mit eigenem Grafikbüro, internationalen Lehraufträgen und Dozent für Editorial Design an der Zürcher Hochschule der Künste. Die Cover landeten dann auch entsprechend immer wieder in irgendwelchen Kunstpublikationen.
Die Idee war keine knalligen Electroclash- oder Nu-Rave-Cover zu machen, die kurz nach unserer Bandgründung Mode waren, sondern etwas, was für sich alleine steht, eine weitere Ebene aufmacht und teilweise der früheren Zappeligkeit und Trashigkeit der Musik entgegengesetzt ist. Auch diese Zusammenarbeit basiert auf einem glücklichen Zufall.

Weit buntere Cover hatten stets Eure Split-Veröffentlichungen. Den Beginn machten Knarf Rellöm und DJ Pattex, dann folgten Releases mit Räuberhöhle, Egotronic und The Dance Inc. Gibt es etwas, was Ihr am Split-Format besonders schätzt?

Dass man für einen ganzen Tonträger nur halb so viel Arbeit hat. Und dass man mit befreundeten Bands einen solchen teilt.

Rolf, Du hast 2015 mit „Dust“ eine Solo-Single rausgehauen. Ist das etwas wo noch mehr kommen wird? Hardau ist ja auch Dein eigenes Label.

Die EP mit den Remixen erschien im Juni 2016. Ich hab zwischen Ende 2015 und jetzt mehrere Livesets erarbeitet, mit denen ich da und dort auftrete. Zwischen Downtempo und House. Letztes Jahr hatte ich eine kleine Deutschland Tour. Ich bin mehr ein Live-Musiker, aber ich bin an diversen Baustellen am arbeiten und es kommt bestimmt mal wieder was raus. Aber der Schwerpunkt liegt schon auf den Live Sets. Ende Juni / Anfang Juli bin ich auch wieder kurz in Deutschland.

Bruno, was wirst Du nach dem Ende von Saalschutz so machen?

Derzeit freue ich mich, dass im Mai 2017 die erste Platte meines Projektes „Erneuerbare Energien“ rauskommt. Auch dies ist aus einer spontanen Laune heraus entstanden. Dabei musiziere ich zusammen mit Joachim Franz Büchner von Bürgermeister der Nacht und mit Pascal Fuhlbrügge, der ehemals Kolossale Jugend und Sand 11 gemacht hat. Sand 11 war ja für uns stets ein Vorbild und Inspiration, als wir mit Saalschutz angefangen haben. Umso schöner also, wie sich auch hier wieder Kreise schließen. Musikalisch ist es elektronische Musik, die im großen Spannungsfeld zwischen Ambient und Punk Energien über Grenzen fliessen lässt. Wir freuen uns sehr auf die kommenden Konzerte – unter anderem auch in Deutschland.
Daneben bastle ich an einem elektronischen Projekt namens „Amphibientunnel“. Hier versuche ich eine Art „New Age Disco“-Musik zu machen. Man kann sich das am besten als eine zerrüttete Ehe zwischen Klaus Schulze und Donna Summer vorstellen.

2010 hieß es „Ravepunk für eine bessere Welt“, 2017 ist – nunja – 2017. Braucht die Welt nicht weiterhin Ravepunk und damit Saalschutz?

Ob es das braucht sollen andere entscheiden. Und wenn wir eine besonders große Lücke hinterlassen sollten, findet sich bestimmt jemand der/die sie füllt.

Saalschutz auf Abschiedstour 2017:

27.04. – Leipzig, IFZ
28.04. – Berlin, Monarch (ausverkauft)
29.04. – Hamburg, Hafenklang
30.04. – Nürnberg, Club Stereo

(Foto von Rolf Fassbind mit freundlicher Genehmigung von Audiolith)

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