Hack - Mettigel

Hack regiert die Welt, zumindest in den 80ern im Kölner Agnesviertel… (Schleckermäulchen 4)

Heute wird weniger gekotzt, aber dafür schmeiße ich mit Kindheitserinnerungen und Erbsen um mich. Dies ist eine Lobeshymne auf alle Mamis, Papis und Omis. Es geht um Kindheitserinnerungen bzw. um Lieblingsgerichte aus der Kindheit. Der Klassiker: Kalter Arsch mit Birne oder Kalte Küche, heißt im Klartext: Tür und Fenster auf. Beides Gerichte bzw. Sprüche aus dem Ruhrpott.

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Als Kind war ich kein guter Esser – mag man heute gar nicht glauben. Ich war demnach auch definitiv kein Dekoesser (Danke an Konrad Feuerstein, der sich als radikaler Dekoesser geoutet hat und mit diesem pfiffigen Ausspruch beim Frühstück für große Heiterkeit sorgte). Er isst sogar die Möhrenblume auf dem Tellerrand beim China-Imbiss ums Eck. Verrückt. Meiner Meinung nach landet die Deko immer von einem auf dem anderen Teller. Vorurteilshausen, ich weiß. Aber das hat sich in mein Hirn gebrannt. Ich habe mal eine Reportage gesehen, wo sie die Deko markiert haben und diese immer wieder auf den „neuen“ Gerichten platzierten. Und ich muss nicht hinzufügen, dass diese hübschen Blüten häufiger mal auf den Boden gefallen oder abgeleckt oder sonst wie angepackt wurden. Dennoch versuche ich jetzt auch ein Dekoesser zu werden, denn man soll schließlich nichts wegwerfen. Und früher wurde sehr viel weggeschmissen. Auch bei mir zu Hause.

Ich war von vier Kindern immer die letzte am Tisch. Ich erinnere mich, dass meine Oma oft mit mir dort ausharren musste bis ich den Teller endlich aufgegessen hatte (ein Löffelchen für Oli, ein Löffelchen für Robbie…). Ich glaube, damals ging es immer nur um zwei oder drei Löffel. Meine Omi war streng, aber sie hat nun mal den Krieg erlebt und da wäre man froh gewesen über zwei bis drei Löffel mehr auf dem Teller. Aber das habe ich damals noch nicht verstanden. Bin meiner Omi auch gar nicht böse. War halt nicht immer das richtige Essen für mich auf dem Tisch. Süßes war schon immer mein Gemüse. Da hätte ich mich reinlegen können und man sagt, ich wäre damals in eine süße Clownsuppe gefallen.

Ich denke oft an das Essen zu Hause. Mein Papi war immer für die Suppen zuständig. Seine Tomatensuppe war der Hit. Meine Mami hat oft vorgekocht oder vorbereitet. Einer der Klassiker: Speckpfannkuchen gefüllt mit Spinat. Oder Spinat, Kartoffelpüree, leider nicht selbst gestampft und Spiegelei drauf. Der Spinat musste natürlich immer mit dem Blubb sein und das Ei schön weich, damit man es gut mit allem zusammen matschen konnte. Das Püree war leider oft von Pfanni oder der NoName-Marke von Aldi. So auch das Kartoffelpüree, das mit Möhren (die waren oft frisch und nicht aus dem Glas) vermischt und darauf eine schöne saftige Frikadelle platziert wurde.

Irgendwann konnte ich Hackfleisch nicht mehr so richtig leiden. Vielleicht lag es an dem „Falschen Hasen“ (ein fetter Hackfleischbraten mit gekochtem Ei drin), den es zu besonderen Anlässen gab. Hack regiert die Welt? Zumindest im Kölner Agnesviertel. Pfannkuchen mit Hackfleisch und Lauch kamen auch öfter auf den Tisch. Dazu wurde Apfelkompott gereicht. Krasse Mischung? Nicht, wenn man aus dem Rheinland kommt.

Kalter Arsch mit Birne war auch ein Lieblingsgericht meiner Mami. Die Antwort kam, wenn sie keine Zeit oder Lust hatte, etwas Warmes zu kochen. In der Regel gab es dann Strammen Max. Das habe ich auch geliebt. Eine Bauernbrotscheibe, aus der Tüte oder noch besser eine frische Scheibe vom guten Oberländerbrot von der Bäckerei Ludewig. Die wurde mit Margarine – wenn der Papi am Start war gab es ordentliche Butter drauf – einer Scheibe Hinterkochschinken und einem Spiegelei obendrauf serviert. Das esse ich heute auch noch gerne, allerdings ohne Schinken, dafür mit Avocado.

Mein erster OfenAufläufe waren auch sehr beliebt bei uns. Konnte man super vorbereiten, und den konnte selbst ich damals in den Ofen schieben. Meine liebste Mischung: Kartoffelpüree, Erbsen (gehört noch heute zu meinem absoluten Lieblingsgemüse), Hack (ich esse gar kein Fleisch mehr) und eine dicke Käsekruste (ich liebe Käse). Meine Schwester mochte den mit Püree, Kassler und Sauerkraut. Da hab ich immer nur die Käsekruste gegessen.

Heute sitze ich zwar auch noch lange am Tisch, aber nur, weil ich das Essen so genieße und ggf. noch einen Nachschlag nehme. Ich liebe Essen und denke bei vielen Gerichten an meine Omi und meine Eltern zurück. Meine Mami hat mir das Backen und Kochen schon früh gezeigt und mein Papi schenkte mir meinen ersten Backofen (s. Bild). Darauf bereitete ich mein erstes Rührei und natürlich die ersten Frikadellen. Seufz.

Rezepte verrate ich bei Nachfrage gerne. Und beim nächsten Mal geht es um meine große Spargelliebe und eine Lobeshymne an alle Spargelstecher. Bon Appetit.

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Foto: Mein 1. Ofen (= Backofen), Polaroid, ca. 1981, Fotograf: Manfred Lütz

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