Warum das Einhorn von allen geliebt wird

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Kotzendes Einhorn

Anne Feldkamp hat mich für derStandard.at zum Thema Einhörner befragt. Ich habe die Fragen relativ subjektiv beantwortet. Wobei ich das nur aus einer popkulturellen Sicht beurteilen kann und keinen wissenschaftlichen Ansatz dabei verfolge. Ich kopiere hier mal meinen Text – ergänzt um weiterführende Links – rein. Den anderen Text gibt es hier zu lesen.

„Einhörner waren schon immer da. Bis Anfang der 80er fanden sie sich sogar in deutschsprachigen Bibel-Übersetzungen. In den 80ern spielten Sie in Filmen wie Blade Runner, Legend oder Das Letzte Einhorn eine Rolle. Gleichzeitig sind sie ein kitschiges Fantasieprodukt, dass zeitweise seine Attraktivität verlor.
Meist wurde mit Einhörnern Gender-Marketing gemacht. Stofftiere wurden und werden als ‚für Mädchen‘ angepriesen.

Auch in der Webkultur gab es Einhörner weiterhin. So wurde das ‚Pink Invisible Unicorn‘ ein atheistisches Symbol in Newsgroups. Wenn Du an Gott glauben kannst, wieso dann nicht auch an ein ‚Pink Invisible Unicorn‘? In der Grundidee eine Vorstufe des fliegenden Spaghettimonsters.

So ungefähr ab Ende der 00er Jahre wurden Einhörner insgesamt wieder beliebter. Mitunter mag das an einer populären Szene des Films ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ liegen wo ein ’super-flauschiges‘ Einhorn eine Rolle spielt.
Allerdings begann der webkulturelle Einhornhype früher. Dies lässt sich auch bei Google-Trends ablesen wo seit März 2010 ein gesteigertes Interesse an Einhörnern ersichtlich ist.

Das Einhorn hatte nun mehrere Konnotationen.

Einmal konnte es ironisch goutiert werden. Als überniedliches, infantiles Fantasieprodukt. Meist wurde diese Rolle dann mit vermeintlichen Widersprüchen kombiniert. Einhörner als Roboter-Kampfmaschinen, oder Webgames wo Einhörner Nazis aufspießen konnten. Oder einfach Einhörner die Regenbögen kotzen. Das passte nicht zu dem niedlichen Kuscheltier.

Dann war das Einhorn auch ein Symbol. Die Einzigartigkeit des in der Mythologie stets bedrohten Lebewesens bietet Identifikationspotential und wurde als Symbol in der LGBTQ-Community genutzt. Sicherlich spielt hier auch eine Rolle, dass Einhörner je nach Definition Regenbögen kotzen oder pupsen. Auf jeden Fall Regenbögen produzieren. ‚Unicorn‘ oder ‚Einhorn‘ kann dann durchaus auch eine sexuelle Konnotation haben. Als ‚rares‘ ‚Objekt der Begierde‘.

Diese ‚Seltenheit‘ dient dann auch in anderen Bereichen als Metapher. So werden StartUps mit Millionenbewertungen mittlerweile auch als Unicorn-Startups bezeichnet und die beliebte ‚eierlegende Wollmilchsau‘ auf Jobbörsen wird euphemistisch zum Einhorn. Hier vermeintlich schmeichelnd. Denn wer würde nicht gerne ein Einhorn sein?!

Der letzte Ansatz ist dann die Realitätsflucht. Sätze die meist mit ‚Glauben‘ zu tun haben. Einhörner glauben an Dich, oder glauben nicht an die Existenz von Menschen werden in den Netzwerken populär. Meist mit niedlichen Illustrationen. Wenn die Welt nur noch grausam erscheint, schwingst Du Dich auf Dein Einhorn und reitest davon.

Das ist sicherlich auch eine Entwicklung in der Darstellung. Einhörner sind meist überniedlich. Nicht einfach Pferde mit Horn oder Airbrush-80ies-Illustrationen aus dem Fantasy-(Alb)traum. Sie sind einfach supercute und ’so fluffy‘ (‚Ich – einfach unverbesserlich‘).

Fluffy Unicorn

Spätestens mit der letztjährigen Aktion von Ritter Sport sind Einhörner als Marketing-Tool im Mainstream angekommen. Für Marketer ist es einfach. Pink, Regenbogen, Einhorn. Fertig. So gibt es nun Einhorn-Bratwürste von Firmen die sich nicht zu doof sind Bratwürste für Frauen und Männer anzubieten. Einhorn-Toilettenpapier mit Zuckerwattegeruch und eben die erwähnte Einhorn-Schokolade, die zu einem großen viralen Erfolg für Ritter Sport wurde.

Schon 2014 schrieb Leo Fischer für die Jungle World: ’sich das bekannteste und überdeterminierteste Symbol für Phantasie zu suchen, zeugt schon davon, dass man keine mehr hat.‘ Mittlerweile würde ich das vollends unterschreiben.
Spätestens seitdem Dorothee Bär giggelnd in Facebook-Videos Einhorn-Straßenschilder präsentiert.“

    Ein Kommentar:

  • Rita Lassen schreibt am 27. Mai 2017 um 18:07

    ich mag pferde nicht – warum sollte ich dann ein pferd mit einem horn vorne dran lieben?
    und ich gehöre zu „alle“

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