Der digitale Wahlkampf 2017

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Digitaler Wahlkampf 2017: Pepe ist mit dabei

Nachdem DIE PARTEI einige AfD-Facebookgruppen kaperten wurde bekannt, dass dort allerlei Bots mitmischen. Digital ist der Wahlkampf keineswegs langweilig, hier sind gänzlich neue Phänomene zu entdecken, die über Viral-Posts weit hinaus gehen.

Der Verein Fearless Democracy hat beobachtet, wie identische Inhalte (nahezu) zu den Hashtags #nichtmeinspiegel und #toxischenarrative zeitgleich über mehrere Accounts gestreut werden. Interessanterweise auch mit Pepe, bisher eigentlich Alt-Right-Symbol in den USA. Jetzt im AfD-Blau (s.o.). Auf Übermedien heißt es:

„Der Kommunikationswissenschaftler und Datenanalyst Luca Hammer hat sich #toxischenarrative und #nichtmeinspiegel genauer angeschaut. Das Ergebnis ist eindeutig: ‚Das ist das erste Mal, dass ich eine so hohe Beteiligung von automatisierter Kommunikation bei einem deutschsprachigen Thema beobachtet habe.‘

[…] Luca Hammer konnte außerdem feststellen, dass 50 Prozent der beteiligten Accounts automatisiert waren.“

Die Bots im Einsatz

Mehr Details und Grafiken gibt es hier.

Mit Fakes digitalen Wahlkampf machen

Aber nicht nur im rechten Sektor ist der digitale Wahlkampf beachtenswert. t3n spricht von einem schmutzigen Wahlkampf. Immer öfter werden Fakes eingesetzt und zwar nicht nur bei AfD & Co. Die Grünen faken die FDP, die AfD die CDU und SPD, die dann auch noch Fakes der Jungen Union ertragen müssen. t3n schlussfolgert:

„Dass die aufgeführten Parteien und Politiker völlig unwissend und naiv agieren, ist nur schwer vorstellbar. Vielmehr lassen die provokanten Manipulationen den Rückschluss zu, dass damit gezielt Stimmungsmache in sozialen Netzwerken betrieben wird.“

    2 Kommentare:

  • ben_ schreibt am 19. September 2017 um 07:40

    I hate to say it, aber … da bin ich ja schon seit langen Jahr bei Carl Schmitt: Politik ist „Wir gegen die“. Mir ist bisher noch keine bessere untergekommen und so, wie unsere Demokratie derzeit aufgebaut ist, hat er recht. Für jeden Platz im Parlament, für jeden Platz in der Regierung gibt es für jede Partei nur die Frage: Bekommen wir den, oder die? Und ja: Moral, Anstand, Wahrheit, Gerechtigkeit, ja selbst die Grundmechanismen der Demokratie sind da nicht mit drin in der Definition. Das kommt alles erst viel später. Zuerst kommt eben das „Wir gegen die“. Und da spielen all die schönen Tugenden der modernen, freihtlich-rechtstaatlichen Ordnung, der postmodernen, pluralistischtischen Gesellschaft eben erstmal keine Rolle. Deswegen tut auch die AntiFa das, was sie tut und ich verurteile sie nicht dafür.

    Was neu ist, ist dass es keine Gatekeeper mehr gibt, die selbst im politischen Wahlkampf noch Moral, Anstand, Wahrheit und Gerechtigkeit acht geben. Das Netz hebelt das aus. Die Schuld alleine Facebook und Twitter zu geben wäre falsch. Das Netz selber ist ein many-to-many Medium. Wir hätten es eigentlich vor 10, 15 Jahren wissen müssen, dass es so kommt.

    Und ja, ich kenne Carl Schmitts Biographie.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 20. September 2017 um 06:22

    @BEN_ Ja, ich denke auch, dass das mit Social Media zu tun hat. Die Möglichkeit Bots einzusetzen dann aber doch schon. Und eben die von Dir erwähnten fehlenden Gatekeeper. Wer „analoge“ Schmutzpolitik haben will muss sich nur die CDU-Schwarzgeldaffäre ansehen oder die Barschel-Pfeiffer-Affäre. Komplett ohne Internet.

    Als weltverbesserlicher Gutmensch ist mir „wir gegen die“ zu einfach und gleichmacherisch.

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