Cowboybohnen

Für jedes Böhnchen ein Tönchen oder Zwei fauststarke Himmelhunde und Lust auf Bohnen (Schleckermäulchen 7)

„Der hat auch nicht mehr Grips, als’n Spatz Fleisch an der Kniescheibe“

Kalauer in der deutschen Synchronisation und jede Menge Bohnenfurz

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Für jedes Böhnchen ein Tönchen…

Ich erinnere mich, mein Papa und ich saßen früher oft am Wochenende nachmittags vor der Glotze und guckten viele lustige Filme. Highlights waren, u.a. „Dick und Doof“, alles von und mit Louis de Funès („Brust oder Keule“!) und sämtliche Bud Spencer und Terence Hill-Klamotten. Das war so schön und danach oder auch schon währenddessen hatte ich immer großen Hunger. Ich kann mich auch noch sehr gut an eine Nachmittagsvorstellung in Köln erinnern. Das muss so 1981 gewesen sein und da habe ich mit Papi und meinem Bruder Oliver „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“ gesehen. Wir waren die einzigen Zuschauer im Kino Metropolis und wir hatten danach unglaublichen Appetit auf Kohlsuppe. So erging es mir auch bei anderen Filmen, wie „Bittersüße Schokolade“, „Chocolat“ oder „Tampopo“.
Filme, die eine unglaubliche Wirkung auf den Magen haben bzw. die Lust zum Essen fördern.

Bei Bud Spencer und Terence Hill Filmen bekomme ich immer Appetit auf Bohnen. Da denke ich auch gerne an die Cowboybohnen meiner Mami. Heute koche ich es ohne Speck, schmeckt aber trotzdem. Wichtig ist sowieso vor allem Bier, Bohnen und die Schärfe. Am liebsten würde ich draußen ein Feuer machen, ne olle, klebrige Pfanne nehmen, ordentlich Zwiebeln anbraten, Bohnen rein, schön scharf würzen, lange köcheln lassen und direkt aus dem Gefäß, rein in den Mund – natürlich schlürfend und furzend, so wie Spencer und Hill. In ihren Filmen sitzen sie oft, stinkig und schweißgebadet von der letzten Schlägerei, vor ihren Blechtellern und schaufeln sich die Masse rein. Und wehe, sie werden dabei gestört („Du tust was ich sage oder ich hau dir aufs Maul“). Eine Kindheitserinnerung, die ewig kleben bleibt.

Bud Spencer isst auch gerne Böhnchen

Spencer gab Backpfeifen und Kopfnüsse, die heute noch weh tun und hatte dabei jedes Mal mindestens einen guten Spruch auf seinen Lippen. Immer schön druff, je plumper der Sprachwitz, umso besser. Spencer haute alles weg, was ihm in die Quere kam und musste sich dabei kaum bewegen. Sein Kumpel Terence Hill („Deine blauen Augen machen mich immer noch so sentimental“) war um flotte Reime und Fausthiebe ebenfalls nicht verlegen, aber bei ihm sah das alles flinker und akrobatischer aus.

In der Dokumentation „Sie nannten ihn Spencer“ von Karl-Martin Pold wird das alles noch mal ganz schön erzählt. Ein Film über Carlo Pedersoli (Bud Spencer) und das Geheimnis seines Erfolges. Mit vielen Filmausschnitten aus den Klassikern „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“. „Das Krokodil und sein Nilpferd“, „Vier Fäuste gegen Rio“ und vielen mehr. Begegnungen und Gespräche mit Terence Hill. Da fliegen Pfannen, Fäuste und Kalauer durch die Gegend („Der hat auch nicht mehr Grips, als’n Spatz Fleisch an der Kniescheibe“). Alles war erlaubt. Deutsche Synchron-Freiheit nennt man das. Die Synchronisation war damals wirklich legendär. Sowas gibt es heute gar nicht mehr und man schaut die Filme lieber im Original.

Die Spencer und Hill-Filme waren im Original gar nicht so witzig. Erst als Schauspieler und Autor Rainer Brandt seine Synchronisation einsetzte. Dabei strömten die Kalauer nur so von seinen Lippen, vor allem wenn Spencers Mund nicht zu sehen war („Das ist gesund und macht ’n schmalen Fuß“). Legendär auch Brandts Übersetzungen für die Krimiserie „Die Zwei“ mit Tony Curtis (Danny Wilde) und Roger Moore (Lord Brett Sinclair): „Sleep well, in your Bettgestell“. Ebenso war Brandt verantwortlich für die flotten Sprüche von Louis de Funès: „Wer hat mir meinen Gehängten weggehängt?“ („Fantomas bedroht die Welt“) und vielen anderen. Herrlich. Ich höre jetzt noch meinen Papi, wie er sich im Wohnzimmersessel wegschmeißt vor Lachen. „So ein leichter Schlag auf den Kopf, erhöht das Denkvermögen“ war ein oft zitierter Spruch bei uns in der Familie.

Natürlich war das Essen immer Thema in den Filmen und somit auch Thema in der Doku. Hier plaudern Freunde und Kollegen auch über seine wahre Liebe zum Essen. Spencer war halt ein echter Neapolitaner und da gehören Pasta und Co. zum Leben einfach dazu. Regisseur Allessandro Capone erzählt die Anekdote, als Bud mal 40 kleine Fleischbällchen vor sich stehen hatte und er fragte, ob er sich eine nehmen dürfte. Bud Spencer antworte mit einem klaren „Nein“. Zuerst dachte Capone es sei ein Witz, aber Bud Spencer macht keine Witze, wenn es ums Essen geht. Somit haut er auch jedem aufs Dach, zumindest in seinen Filmen, vor allem, wenn man ihm beim Bohnenessen stört.

Die wunderbare Filmmusik von Oliver Onions muss auch noch erwähnt werden. Die Brüder Guido und Maurizio De Angelis komponierten zahlreiche Tracks für diverse Soundtracks von Bud Spencer und Terence Hill Filmen. Bud Spencer verstarb im Juni 2016 im Alter von 86 Jahren. Er wird mir und unzähligen Fans ewig in guter Erinnerung bleiben. Und mit ihm der leckere Bohneneintopf. Und jetzt, ran an den Topf!

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