Einhorn was here...

Quo vadis Einhorn?! Und die Suche nach neuem Futter…

Nach neun Jahren war es dann endlich so weit. Im Dezember war ich des Bloggens müde. Gut, ich muss zugeben, das es früher anfing und regelmäßige Leser*innen konnten das auch der Postfrequenz ansehen. Tatsächlich war ich erschlagen und ermattet von der Informationswut. Gleichzeitig war 2017 ein anstrengendes aber auch sehr tolles Jahr mit einigen Sachen über die ich halt eben nicht schreiben mag. Aber ein paar Gedanken mag ich teilen.

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Das Private

Es geht mir gut. Nunja, es ist ein auf und ab und hin und her und drumherum und alles anstrengend aber eben schön. Soll heißen: Rückzug ins Private um die wunderbare Band grafzahl zu zitieren.
Wieso auch nicht?! Aber eben auch mit der Konsequenz das Lesen, Klickern, Teilen, Twittern und der ganze andere Kram im Interwebz eben nachrangig ist. Die Zeit ist knapp, knapper und wird eben in anderer Dosierung verabreicht als zuvor.

Die Musik

Ich habe immer schon Musik gemacht. Lange vor dem Blog halt auch. Und seitdem Torsun mich anstachelte bei einer Rock’n’Roll-Band mitzumachen bekam ich wieder Lust und Laune mehr Musik zu machen. Seitdem brachte ich ein lange herumliegendes Album und eine neue Split-7inch raus.

Und auch das bindet Zeit. Wieviele Blogbeiträge hätte ich in den Stunden verfassen können wo ich an einem Song schreibe, in Studio ihm den letzten Schliff gebe oder an einem Remix schraube?! Und auch das ist toll, ich habe das Musik machen vermisst und arbeite mit Unterbrechungen weiter an neuer Musik. Ob und wie viel davon rauskommt weiß ich nicht.

Seitdem ich wieder Musik mache ist mir aufgefallen, dass der Fokus ein anderer ist als früher. Früher spielte ich gerne live, heute ist das eher etwas was dazu gehört. Mehr Spaß machen mir Konzepte, ganz egal was ich umsetze. Aus einer 7inch-Idee wurde eine Split. Aus einer EP-Idee wird vielleicht ein Album und aus einem Soundtrack zu einem nicht existenten Horrorfilm wird vielleicht eine Reihe von Download-Singles mit Instrumentals. Und neben den Songs gehört das Format für mich dazu. Vinyl oder Download, DIY oder Produktion?! Wieviel Geld spare ich, wenn die Platte nur einseitig bespielt ist und wo kann ich günstig Cover drucken?! Wie wäre es mal mit Siebdruck oder gar mit einem Linolschnitt?! All sowas halt. Und vielleicht ist all sowas eben auch etwas was ich in den Blog schreiben sollte. Aber mir fehlt da der Ansatz, denn es geht ja meist um ungelegte Eier, flüchtige Ideen und Konzepte.

Das Politische

„Durchatmen? Unmöglich! Ein Jahr Donald Trump als Präsident und nie fühlten sich US-Bürger gestresster. Das Leiden beginnt chronisch zu werden – mit bleibenden Schäden.“

Das ist der Anreißer eines Artikels der ZEIT und auch mir geht es mit dem Politischen so. Dabei meine ich nicht Trump, ich meine die AfD, ich meine Österreich, die Türkei, Polen, Lohnarbeit, Rassismus, Sexismus und so weiter. Irgendwann wird es zu viel. Und das Problem ist: es nicht zu thematisieren, sich nicht damit auseinander zu setzen und sich selbst in Frage zu stellen, macht es eben nicht weniger. Es ist hier, es ist da. Und man selbst ist ein Teil davon.

So bleibt 2017 nur eine für mich wichtige Erkenntnis: Einfach mal still halten. Ich muss nicht zu allem meinen Senf dazu tun, auch wenn ich mich gerne solidarisch zeigen würde. Meine Positionen sind wohl dennoch klar, aber ich muss mich nicht immer in den Vordergrund drängen. So kommt es mir rückblickend zumindest vor.
Auch bin ich selbstzweifelnder geworden. Wieso sollte ich was schreiben wenn andere es besser tun oder sich viel länger und genauer mit Themenkomplexen auseinander gesetzt haben? Ist das nicht respektlos gegenüber denen die es wirklich betrifft?!

Das Futter

Und nun ist eben 2018 und ich räume den Feedreader auf und merke, dass ich vielleicht nicht der*die einzige bin, der*die müde geworden ist. Wie viele tolle Blogs schmeiße ich raus, die 2016 oder vor noch längerer Zeit zum letzten Mal etwas posteten? Und warum wird die Frequenz der Aggregatoren immer stärker? Es ist paradox. Zum Einen werfe ich Sachen aus dem Reader weil sie mir zu viel in den Reader reinmüllen und zum Anderen weil sie eben gar nichts mehr machen. Und auch etwas anderes konnte ich beobachten: Die Redundanz, die Wiederholung.

Nicht alles Neue haut mich (mehr) weg, nicht jedes Meme begeistert mich und bei vielen Sachen denke ich plötzlich, dass ich das doch schon gesehen habe. Everything might be a remix, wer weiß?!
Und dennoch würde ich mich freuen über Empfehlungen. Egal ob Picdump, privates oder politisches Blog, her mit Euren Tipps! Welche Seiten müssen unbedingt in meinen Reader?

Quo vadis?!

Und wohin geht es? Ja, mehr Musik werde ich machen und spätestens beim fertigen Werk auch darüber schreiben. Aber sonst?! Mehr Original-Content oder mehr Linkdump?! Eines war für mich immer sicher. Die 10 Jahre mache ich hier voll. Und wie auch immer das aussieht. Ihr werdet dabei sein!

    9 Kommentare:

  • Kudusch schreibt am 23. Januar 2018 um 20:47

    Egal wie es weitergeht: Hauptsache du hast weiterhin Spaß dran.

    Danke für deine Bloggerei hier, ich fand’s bisher auf jeden Fall unterhaltsam :)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 23. Januar 2018 um 20:59

    @Kudusch Danke!

  • Schwarzes_Einhorn schreibt am 23. Januar 2018 um 22:48

    Mir ist aufgefallen, daß ich weniger kommentiere. Ich lese – allerdings auch erheblich weniger -, denke mir mein Teil und gut. Das liegt daran, daß ich mich weitgehend aus dem Netz zurückgezogen habe, aus vielen Gründen, die hier irrelevant sind. Daß sich viel zuviele, die es nix angeht, für meine Daten interessieren, ist mit ein Grund. Da ich nicht bei den asozialen Medien angemeldet bin, hab ich natürlich auch keinen (vermeintlichen) Grund, im Netz permanent präsent zu sein. Hat was für sich.
    Aber es stimmt – viele Blogs machen dicht und stehen dann irgendwann nur noch irritierend stumm im Netz herum.

  • Kurt C. Hose schreibt am 24. Januar 2018 um 01:00

    Ich kann mich dem Kudusch (interessant wo man sich so wieder trifft ;) nur anschließen. Habe stets und immer noch viel Freude an deinen Beiträgen. Danke dafür. Und wenn es weniger wird oder so, was solls.

    Im Grunde gilt hier das gleiche wie drüben beim Nerdcore-René, als er fragte was wir als Leser so wollen. Mach einfach das worauf du Bock hast und dann wird es gut. Hat ja keiner was davon wenn hier Zeug ohne Ende raus gehauen wird und das Herzblut dahinter fehlt.

  • ben_ schreibt am 25. Januar 2018 um 10:55

    Zwei Gedanken dazu … Zum einen: ich habe ja noch nie etwas aus meinem Feedreader geworfen, weil jemand zuwenig schreibt. Gut, wenn die Domain weg ist und der Feed einen Fehler wirft, dann schon. Aber ansonsten ist mir das doch egal, wie oft jemand schreibt. Hauptsache das Geschriebene ist fein. Ich schmeisse Feeds nur dann raus, wenn zuoft zuviel Müll kommt.

    Zum anderen (das ist eigentlich der gleiche Punkt, wie ich gerade merke): Dass ist doch gerade das schöne bei privaten, persönlichen Blogs, dass es eben weder für die Leserschaft noch für die Autor*innen eine Notwendigkeit irgendeiner Veröffentlichungsfrequenz gibt. Ich meine … Du hast ja auch mit Journies zusammengearbeitet … die müssen halt jeden Tag etwas schreiben, egal, ob es etwas zu erzählen gibt, oder nicht. Sich von diesem Druck freizumachen ist doch gerade das grosse Geschenk des Bloggens. Auch und gerade für die Autoren. Mal bloggt man mehr, mal weniger. Oder um mal eine zentrale Floskel aus der Elternsubkultur zu benutzen: Es ist alles eine Phase. :)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 25. Januar 2018 um 12:39

    @Ben Ja, aber hier hatte ich lange die mir heute unglaublich erscheinende Frequenz von 5 Beiträgen pro Wochentag. Als Reblogging oder wie man auch immer das nennen will, ist das ja dann doch anders als Blogs mit privaterem Ansatz. Da hat sich schon sehr viel verändert. Aber vielleicht hast Du Recht und ich sollte es als Wandel zu einem privateren Blog sehen…

  • schönlon schreibt am 25. Januar 2018 um 17:47

    es hat mir oft den tag versüßt hier zu lesen.

    viel erfolg, bei egal was du sonst so in angriff nimmst.

  • Maik Zehrfeld schreibt am 26. Januar 2018 um 09:41

    Mich freut vor allem, dass es im Privaten gut läuft – das hat Prio! :)
    Kann die Blogmüdigkeit durchaus verstehen und gar selbst nachvollziehen. Fände es aber schade, wenn das Einhorn nicht mehr kotzen würde. Immerhin hat du ja vor, das große Jubiläum zu ergreifen, vielleicht stellt sich dann ja wieder die Motivation ein. Und bis dahin einfach ein bisschen rumprobieren – mach die Sachen, auf die du Bock hast, dann findet sich die Zeit dazu ganz alleine.

  • typ schreibt am 8. Februar 2018 um 23:36

    mein erster besuch im neuen jahr – und dann das. schade, dass du nun mehr stille als funk von dir geben wirst. aber danke für die vielen gelegenheiten, den blödsinn auf der welt zugunsten schöneren blödsinns zu vergessen! :)

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