Artikel über Sick Sad World

Wir leben in einer traurigen kranken Welt. Für alle die es wissen wollen, hier ist der Beweis: Sick Sad World!

Sick Sad World: Angela Merkel und die “Homo-Heiler”

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Es ist schon eine Krux mit den christlichen Werten die nicht abgelegt werden wollen. Schließlich ist das der Wegweiser für die CDU, nein für ganz Deutschland. So sagte Merkel auf dem CDU Parteitag 2010:

Wir schöpfen “die Kraft aus dem gemeinsam Kompass, der uns auch in unwegsamem Gelände immer auf dem richtigen Pfad hält. Dieser Kompass ist das C in unserem Namen. Die ethischen Grundlagen des Christentums sind die Leitlinien unserer Politik. Uns trägt der Glaube. Er gibt uns Kraft. Ich sage es ganz persönlich: Er gibt mir Kraft.”

Da muss eine Kanzlerin beim Wählerfang (und auch abseits davon) natürlich ihr Augenmerk besonderes auf Christen lenken. Grußworte für die evangelische Allianz, den Gnadauer Gemeinschaftsverband oder am 12. Juli zusammen mit Parteikollegen Volker Kauder zu Gast bei der Eröffnung des Landesjugendtreffens des “pietistischen Evangelischen Gemeinschaftsverbandes ‘die Apis’”. Nur was haben diese Verbände gemein?

Yep, sie glauben alle an die “Homo-Heilung”, halten Homosexualität also für eine Krankheit. Gleichstellung wird natürlich auch kritisch beäugt und der Christopher Street Day als eine Parade, die die “Grenzen der Geschmacklosigkeit” überschreitet, beschrieben. Wisst Ihr wie ich das nenne? Homophobie!

Der Opposition ist die Unterstützung der CDU ein Dorn im Auge und die Grünen fordern aktuell “Therapien” zu verbieten, in denen Jugendliche von ihrer Homosexualität “geheilt” werden sollen. Von ihren Besuchen bei den Vereinigungen hielt das Merkel bisher nicht ab. Aber Homophobie gehört eben zur selbsternannten Mitte.

Traurige, kranke Welt.

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Sick Sad World: Homophobie und Sexismus als Veranstaltungsabend im Pfarramt

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Es liest sich wie ein Experiment. Wie viele Klischees kannst Du auf einen haufen packen? Wie weit kannst Du gehen? Und was ist alles möglich?
Stelle Di folgendes Szenario vor. Ein katholischer Pfarrer lädt eine sexistische und homophobe Psychotherapeutin ein, damit sie hetzen kann. Eine die schon in den 80ern im Werk “Rosa Winkel, rosa Listen” als “Deutschlands führende Homophobe” bezeichnet wurde. Der Veranstalter entfernt Kritiker aus dem Raum und filmt und fotografiert vermeintliche “Störer”- Beraten lässt er sich dabei von einem Neonazi.

Klingt überzogen? Dystopisch? Nach etwas was in einem selbsternannten aufgeklärten Land unmöglich scheint? Mitnichten! So geschehen in Donaustauf. Dort bekam Christa Meves ein Podium geboten das seinesgleichen sucht. Das Publikum wurde mit Homophobie und Sexismus belohnt. Selbst Eva Herman wäre neidisch gewesen – die übrigens 2008 gemeinsam mit Meves auf dem “Internationalen Treffpunkt Weltkirche” in Augsburg auftrat.

“Mit der 68er-Generation habe eine Ära begonnen, mit der das ‘Volk mit relativen gesunden Familien und ohne Rauschgift – denn vor 1969 gab es noch kein Rauschgift in unserem Land’ – bewusst von ‘Ideologen kaputt gemacht wurde’. So stamme aus dieser Zeit die Emanzipation der Frauen, das Gender-Mainstreaming, von dem Meves weiß, dass es die ‘feste geschlechtliche Identität des Menschen abschaffen will’ und die Schwulen, als ‘unnatürliche Konstrukte’, die die ‘gesunde Familie’ zerstören wollen.”

Das alles von einer Frau, die in Publikationen von DVU-Verleger Frey auftaucht und für den “Republikaner” schreibt. Einer Frau die anderen Frauen “von ihrer biologischen Aufgabe her ein natürliches Bedürfnis nach Unterwerfung” bescheinigt. In diesem Sinne: Halleluja! Den ganzen Bericht über den Abend gibt es bei Regensburg-Digital. Traurige kranke Welt!

Mehr zu Christa Meves bei queer.de

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Sick Sad World: Sich dem Faschismus entgegen stellen

Real existierender Rechtsstaat

Als Lippenbekenntnis ist es einfach. Gegen Faschismus, gegen Nazis. Klar! Aber bitte doch nicht Antifa, bitte kein ziviler Ungehorsam und bitte doch keine Linksextremisten. Das ist vor allem der medialen und öffentlichen Verwendung des Begriffs zuzuschreiben, der wissenschaftlich betrachtet lieber gemieden wird. Ihr wisst schon die “Chaoten”.

Doch was passiert, wenn Du Dich den Nazis entgegenstellst?! Wenn Du dazu aufrufst nach vorne zu kommen und Präsenz gegen diese zu zeigen? So geschehen 2011 in Dresden. Tim H. soll mit einem Megafon zum Durchbrechen einer Polizeikette bei Protesten gegen den Nazi-Aufmarsch aufgerufen haben. “Soll”, denn die Beweislage ist nicht so eindeutig. Auf den Polizeivideos ist lediglich zu hören wie eine Person am Megafon “Kommt nach vorne!” ruft. In der jetzt veröffentlichten schriftlichen Urteilsbegründung heißt es, dass es keinem Zeugen möglich war Tim H. auf dem Video zu identifizieren. Ein Anwohner betonte sogar, dass der Mann am Megafon, nicht Tim H sei. Vor allem seine Körpergröße diente als Indiz ihn dennoch zu identifizieren.

Aber selbst wenn? Wieso muss Tim H., der derzeit bei der Bundesgeschäftsstelle der Linken arbeitet, ins Gefängnis?

“Er wollte die Menschenmenge steuern und aufwiegeln. Die Gewalttätigkeiten sind offenkundig. Der Angeklagte hat durch aktives Tun gezeigt, dass er die feindselige Stimmung und die Aktivitäten der Menschenmenge billigt und sich damit solidarisiert.”

Mit “Kommt nach vorne!”. Ehh ja. Kri­mi­na­li­sie­rung des Pro­tests gegen Na­zi­auf­mär­sche scheint dabei fast schon Methode zu haben. Auch die beiden Linken-Abgeordneten Caren Lay und Michael Leutert hatten im Februar 2011 in Dresden an einer Sitzblockade teilgenommen. Der Bundestag hatte die Genehmigung zur Durchführung eines Strafverfahrens gegen die beiden erteilt und ihnen damit parlamentarische Immunität verwehrt. Gegen Nazis sein: Ja bitte, aber es reicht vollkommen, wenn Du das nur sagst! Traurige Kranke Welt.

(Bild: Wir sind alle Dresden Nazifrei)

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Sick Sad World: Günther Krings von der CDU

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Ich hatte mit meiner Mutter die Tage eine anregende Diskussion, wie sie denn eine politische Mitte definiere. Eine Mitte, so meinte sie, sei definiert über die extremen Punkte Links und Rechts. So ist die Mitte für sie nicht nur vom Extremismusbild, sondern auch vor allem mathematisch gesehen. So steht es ungefähr auch in der Wikipedia.

Eine Mitte ist von dem Wunsch definiert einen Konsens vorzugaukeln. Es ist schwierig, vor allem weil Wunschdenken eine große Rolle spielt. So geht es ja auch oft um die Mitte der Gesellschaft, also um Politik auf die sich möglichst viele einigen können. Und damit verbunden natürlich auch die Behauptung, dass diese Volksparteien die Menschen in möglichst allen Meinungen vertreten und widerspiegeln.

Und letzterer Punkt ist wohl leider wahr. Denn aus genau dieser selbsternannten Mitte kommt Günther Krings, der sich in einer aktuellen Debatte ordentlich vergriff. Es geht um ein uneingeschrenktes Wahlrecht für behinderte Menschen. Das fordern viele. Auch sein Parteikollege Hubert Hüppe, der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Grund für eine Korrektur findet Krings selbst dennoch nicht. Er sagte:

“Es ist nicht plausibel, warum ein Mensch, der nicht mal selbstständig eine Zeitung kaufen kann, eine Wahlentscheidung treffen soll.”

WTF?! Demokratie für alle? Ja bitte, aber nur… Es gibt den eigentlich recht plumpen Satz, dass ein demoktarisches Prinzip, welches sich ja stets auf Majoritäten bezieht, grundsätzlich Minderheiten ausschließe. Für Krings scheint das Programm zu sein. Das zeigt auch seine Position zur Erweiterung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Überhaupt, seine poitischen Positionen lassen mich zur Kotztüte greifen.

Verlängerung des Terrorismusbekämpfungsgesetztes, Regelung zur Sperrung von Webseiten, Vorratsdatenspeicherung, Klarnamenzwang im Internet und so weiter und so fort…

Eine wandelnde Karrikatur, die sich nicht für menschenverachtende Äußerungen zu schade ist. In der Hoffnung doch etwas Positives zu finden, durchforstete ich seine Kolumnen. Unter “Politik und Menschlichkeit” hoffte ich fündig zu werden. Einen humanistischen Ansatz zu finden, doch dort beklagt er nur das Ausscheiden seines persönlichen Freundes Norbert Röttgen. Solidarität innerhalb der Partei, des persönlichen Klüngels, das ist also Menschlichkeit. Exklusion für Minderheiten. Aha! Ein Politiker der gerne sagt, das wären Scheindiskussionen, der das plumpe “Argument” ob es denn nichts Wichtigeres gäbe einsetzt. Ein Politiker der in den meisten seiner Kolumnen sich konsensfähig gibt. Stets auf offene und faire Diskussionen pocht um dann solche Klopper rauszuhauen wie die oben erwähnte. DAS ist die selbsternannte Mitte. Na danke Du traurige kranke Welt!

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Sick Sad World: Die Pressefreiheit in Deutschland

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Okay, vorneweg. Das ist polemisch. Hier werden Sachen vermengt, die so direkt gar nicht zusammengehören. Andererseits geht es um Vielfalt und die dystopischen Anfänge, die jeder Verschwörungstheoretiker gerne zu Ende stricken will. Nimmt die Verknüpfung dieser verschiedenen Teilbereiche also als Dystopie wahr. Doch nimmt jede einzelne Meldung für sich ernst. Es ist die zeitliche Nähe und Ballung solcher Meldungen, die solche Konstrukte zulassen.

So veröffentlichten die Reporter ohne Grenzen ihre Rangliste der Pressefreiheit und siehe da: Deutschland rutschte auf Platz 17. Damit ist Deutschland hinter Tschechien, Jamaika platziert. Grund dafür?

“Problematisch ist hier vor allem die abnehmende Vielfalt der Presse.”

Jaha, haben wir ja gelernt und eingebläut bekommen. Guter Journalismus kostet was. Nur selbst die größten Verleger können sich das nimmer leisten. Schande aber auch. Gut, dass da dieses LSR kommt. Dumm nur, dass so vieles darin Quark ist. Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster veröffentlichte ein Gutachten in dem es heißt, dass das Leistungsschutzrecht zu Chaous führen würde:

“Wie die Bundesregierung auf eine kleine parlamentarische Anfrage hin zugibt, ist die Anwendbarkeit des neuen Leistungsschutzrechts aufgrund dessen Ausgestaltung als allgemein-abstrakte Regelung auf Dienste wie Facebook, Twitter u.a. nur mittels der Gerichte zu klären. Es drohen insofern jahrelange Gerichtsauseinandersetzungen und breite Abmahnwellen, die die Internetszene insgesamt über langere Zeit lahmen.”

Gut, also wären damit nicht nur die strauchelnden Massenmedien außer Kraft gesetzt. Gleichstand für Blogger und eigtl. alle Nutzer. Aber immerhin. Nicht alles schlecht in Schland: So heben die Reporter ohne Grenzen positiv hervor, dass es seit August 2012 ein neues Bundesgesetz gibt, das Journalisten stärker vor Durchsuchungen schütze. Für Forumsnutzer ist das natürlich nicht geltend. Selbst wenn das Forum zu einem journalistischen Medium gehört. In der Community der Augsburger Allgemeinen soll ein Nutzer den CSU-Politiker Volker Ullrich scharf angegriffen haben. Die betreffende Passage löschte die Augsburger Allgemeine auf Anfrage, doch die Daten wollten sie nicht rausgeben:

“Wir nehmen die Meinungsfreiheit und insbesondere den Schutz der Daten unserer Nutzer sehr ernst.”

Weniger ernst nahm das Ullrich, der daraufhin mit der Polizei anrückte und die Daten beschlagnahmen wollte. Welch Ironie bei dem streitbaren Voruwrf um den es ging. Die Augsburger Allgemeine habe dies zu Recht als Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit empfunden. Gilt also nicht so allumfassend dieses Durchsuchungsgesetz.

Apropos Pressefreiheit, da muss ich immer wieder an die Geschichte denken wie ein positiver Artikel über Windkraft nicht im Spiegel erschien. Die Story ist bereits älter, aber wirft einen Blick auf redaktionelle Arbeit den Du eigentlich nicht sehen willst. Hier wird der Fall ausgesprochen gut dokumentiert. Harald Schumann, damaliger Autor der abgelehnten Originalstory, erzählte über den Vorfall bei der Verleihung des Journalistenpreises “Der lange Atem” 2010:

Ja und sonst so? Wenigstens kommen wir doch immernoch an Informationen wenn wir wollen, oder? Irrtum. So sind z.B. 61,5% der Top 1000 Videos auf YouTube in Deutschland geblockt, weil YouTube davon ausgeht, dass die Musikrechte eventuell bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA liegen. Damit liegt Deutschland mit großem Vorsprung vor dem Südsudan und dem Vatikan. Ausnahme? Mitnichten! Google und Deutschland stehen seit langem auf dem Kriegsfuß. So wird beim Großkonzern immer wieder gelöscht. Bei der Entfernung von Einträgen landet Deutschland auf Platz zwei hinter Brasilien. Doch auch diese Meldung solltest Du mit Vorsicht genießen. Dies Zensur zu nennen wäre übertrieben, doch dass gerade bei solchen Banalitäten Löschungen so einfach und zahlreich sind, sollte beunruhigen.

Vorher auf dem Einhorn:
Quo Vadis BRD?! – Polizei und Pressefreiheit

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Sick Sad World: Wie die BRAVO die Bundeswehr als Action Adventure darstellt

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Fun Fun Bundeswehr. Die Selbstdarstellung der Armee hatte ich hier im Blog schonmal zum Thema. Und Imagekampagnen hat die Bundeswehr sicher nötig. So gibt jeder dritte Freiwillige auf und verlässt in der sechsmonatigen Probezeit die Bundeswehr. Und durchhaltewillige Neonazis werden geduldet und trotz Warnungen ausgebildet.

Auch stehen die Dauereinsätze der Bundeswehr in der Kritik. Sabine Jaberg, Dozentin für Politologie an der Führungsakademie der Bundeswehr, sagt, dass das “Tabu, Streitkräfte als Instrument blanker Interessenpolitik einzusetzen” längst gebrochen sei. Da hilft nur eines. Werbung, Image, Kampagnen! Fun fun fun!

So tut sich auch das dahinscheidende Jugendmagazin Bravo (laut Wikipedia nur noch 307.659 verkaufte Exemplare im Durchschnitt pro Ausgabe) mit dem Militär zusammen und veranstaltete Adventure-Camps. “Get-Together” wird das ganze genannt. Und Slogans wie “Action, Adrenalin, Abenteuer!” werden gedroppt. Was mich immer daran erinnert, dass ich ja früher Rollenspieler war und einer unserer DSA-Gruppe zum Bund ging und mit der gleichen Begeisterung davon erzählte wie er jetzt im Wald “den Feind” bekämpfe wie er es zuvor tat, wenn wir als Magier und Zwerge Drachen bekämpften. Yay, Adventure!

Gegen die Kooperation zur Rekrutengewinnung mit der Bravo gibt es eine Petition. Dabei ist die Außendarstellung und Kooperation keine Lappalie, sondern mehr als kritisch anzusehen. So sagt Medienforscher Friedemann Vogel, dass diese Werbung ihren Sinn erfülle. Gefahr werde nur Abstrakt dargestellt:

“Ich vermute allerdings, dass vor allem die Jugendlichen auf diese Emotionen ansprechen, bei denen nicht gerade jeden Abend am Küchentisch über den Afghanistan-Einsatz diskutiert wird. Wer auf der Suche nach einer Lebensperspektive ist, lässt sich wohl schneller auf die Botschaft der Bundeswehr ein: ‘Bei uns kannst du immer was werden.’ [...]
Wir sollten zunächst einmal diskutieren, ob die Bundeswehr überhaupt werben sollte. Und selbst wenn, dann sollte sie mit dieser Frage von der Öffentlichkeit nicht alleine gelassen werden. Ich möchte jedenfalls nicht, dass unsere ‘Zukunft im Visier’ der Bundeswehr ist.”

Da schließe ich mich an.

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Sick Sad World: Vatikan und Evangelische Allianz – Christen für Diskriminierung

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In unserer Gesellschaft werden Tabubrecher ikonisiert. Sie werden “Klartext-Politiker”, “mutig” oder “kritisch” genannt. Der Stammtisch brüllt dann zustimmend “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!” oder eben krakelnder, wenn die Empörung zu groß wird, dass Maulkörbe verteilt werden und Zensur stattfände.

Ähnlich sieht das auch der vatikanische Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti, der äußerte sich entsetzt über Urteile des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs zum Diskriminierungsschutz von Schwulen und Lesben. Queer.de schreibt:

“Er warnte vor einer ‘Diktatur des Relativismus’, vor ‘Intoleranz’ gegenüber gläubigen Menschen und ‘erzwungener Uniformität’.”

Schon schwer, wenn eine nach Eigenansicht moralische und ethische Instanz wie der Katholizismus ihre eigene Unmenschlichkeit vorgeführt bekommt. Aber es ist nicht der Katholizismus, der es so sieht. Auch Hartmut Steeb, der Generalsekretär der Evangelischen Allianz, findet Aufklärung in Sachen Diskriminierung weit unwichtiger als die “Stärkung des Leitbildes von Ehe und Familie”. Seine Kritik zielte auf das Projekt “Schule ohne Homophobie – Schule der Vielfalt”. Streeb vertritt dabei mit seiner von Bundestag als Lobbygruppe eingestuften Allianz laut eigenen Angaben 1,3 Millionen Menschen. Pikant dabei ist, dass die evangelische Allianz mit der CDU eng vernetzt ist. So vermeldet die eigene Webseite, dass Bundeskanzlerin Merkel bei der Allianzkonferenz 2012 gar Grußworte ausrichten lies. Überbracht wurden die Grüße von Volker Kauder, selbst bei der CDU. Na danke!

Traurige, kranke Welt.

Von: Daniel • Tags:

Sick Sad World: Das Problem mit Frei.Wild

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Nazirock in den Charts? Nationalismus als Pop? Mehrere LeserInnen haben mich darum gebeten über Frei.Wild zu berichten. Ich hab die Band vorher nur am Rande mitbekommen. Sie nie gehört und mich nie damit beschäftigt. Doch die Artikel auf antifaschistischen Seiten sind alarmierend. Zu Recht, denn dass eine solche Band die Spitzenplätze der Charts belegt ist erschreckend. Doch sind Frei.Wild Nazis?

Frei.Wild spielen nicht meine Musik. Und Frei.Wild schreiben ziemlich schlechte Texte. Vieles liest sich als hätte man das Gestammel aus einem Gespräch zur Lyrik erklärt. Wahrscheinlich wollen Frei.Wild aber auch keine Lyrik schreiben, sondern hart und real sein. Im Mittelpunkt ihrer Texte steht, wie auch schon bei den Vorbildern Oneklz, vor allem ein Wir-Gefühl. Und um dem Wir-Gefühl einen Pol gegenüber zu stellen gibt es natürlich auch das Ihr.

Die anderen sind das “Ihr”. Die anderen sind “Volidioten” (aus “Das Land der Vollidioten”), Provokateure die ihre Schnauze halten sollten (aus “Halt Deine Schnauze”), “Gutmenschen, Moralapostel” (aus “Gutmenschen und Moralapostel”) oder dumm (aus “Nur Dumme sagen Ja und Amen”). Es wird durch alle Alben hindurch ein Feindbild geschaffen. Das der dummen Gutmenschen, die eine Multikulti-Gesellschaft fördern (vgl. hierzu “Das Land der Vollidioten”: “Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt vor den ansdersgläubigen Kindern”). Frei.Wild stilisiert dabei sich und seine Hörer in die Rolle der Minderheit und Opfer. Das klappt meinetwegen gut als Süd-Tiroler in Italien führt aber in Deutschland zu einer unglaublich bigotten Ironie. Diese Unterscheidung nimmt die Band nicht vor, wieso sollten dann auch ihre Hörer dies tun? Und warum auch? Wäre diese Reflektion nicht auch wieder politisch korrekt?

Frei.Wild bedienen sich dabei immer wieder eines vorbelasteten Vokabulars. Sprechen von Heimat, Ehre, Verrat usw. Ich denke da kann man der Band tatsächlich nicht mal einen Vorwurf machen. Die Aussage, dass sie eine unpolitische Band seien weißt darauf hin, dass keine politische Bildung stattfand. Die Texte scheinen mir nicht bewusst auf diese Richtung schielend, sondern unglaublich naiv. Das unterscheidet Frei.Wild auch von Bands wie Rammstein oder Laibach, die mit entsprechendem Wissen mit einer rechten Symbolik flirten. Frei.Wild sind zur Reflektion nicht in der Lage. Das nimmt man ihnen alleine vom qualitativen Anspruch ab. Und was allen Künstlern des populären Rechtsrock gemein ist: Durchhalteparolen! Bloß nicht Verlierer sein, Aufstehen, nicht unterkriegen lassen. Das haben Frei.Wild, Onkelz und Sacha Korn gemein.

Dass sie dabei trotz stetiger Distanzierung dennoch ein rechtes Publikum bedienen nehmen sie in Kauf. Frei.Wild bedienen Klischees und werfen den anderen (Remember: Ihr, der Feind!) Schwarzweißmalerei vor. In Liedern wie “Aids” singen sie, dass HIV nur “Sünder” treffen könne. In “Das Land der Vollidioten” stellen sie Anarchismus und Nationalsozialismus auf eine Stufe. All das spricht für ein geringes (politisches) Bildungslevel. So betont die Band auch immer wieder gegen jeglichen Extremismus zu sein und greift dabei auf veraltete Definitionen zurück.

Das eigentlich Schlimme an Frei.Wild ist: Sie transportieren die Werte einer christlich geprägten zutiefst reaktionären Mitte. Die “Das wird man ja sagen dürfen”, “Heimat ist keine Nation” und “Nationalistisch ist nicht Rechts” Mitte. Die Sarrazin und Buschkowsky Mitte. Die Mitte die von einer gleichgeschalteten Presse redet, von Anwälten des Schweigens. Das alles verpackt mit der vermeintlichen Widerspenstigkeit von Rock und Oi. Lederjacken und Tattoos.

Das ist das Traurige und erklärt ihren Erfolg. Die Mitte ist mittlerweile so weit nach rechts gedriftet, dass eine solche Band goutiert werden kann und man jegliche Kritik abschmettert und von Verleumdungskampagnen spricht. Bands und Musiker wie Frei.Wild oder Sacha Korn liefern den Soundtrack dazu.

Sind Frei.Wild also Nazis? Vermutlich nicht. Sind sie rechts? Leider auch nicht mehr als viele andere. Sind sie scheiße? Definitiv! Und dennoch haben sie Tausende Fans. Traurige Kranke Welt.

P.S.: Außerdem ist die Musik auch echt mal kacke! Ernsthaft!

P.P.S.: Die Rechtsrockvergangenheit des Sänger Philipp Burger bei Kaiserjäger ist mir bekannt. Ich habe sie in diesem Post nicht erwähnt, da ich mich hauptsächlich auf die Band Frei.Wild beschränken wollte und auch keine “Das war früher” und “Ja, aber er sagt doch Jugendsünde” Debatten anregen will. Ein Fehler von mir, denn in dem Kontext darf es zumindest nicht unerwähnt bleiben, was ich hiermit nachhole.

Von: Daniel • Tags:

Sick Sad World: Der Focus fordert von Schwulen Ruhe zu geben!

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Michael Klonovksy, Autor des Buches “Welcher Wein zu welcher Frau?” und tätig beim Focus, fühlt sich belästigt. Wovon? Von Minderheiten. Diese machen ihm seine schöne Welt kaputt. Und zwar in einer der letzten männlichen Bastionen, die es zu schützen gilt: Dem Fußballstadium. So schreibt er:

“Es ist […] nicht einzusehen, warum sich die heterosexuelle Mehrheit auch noch auf dem Fußballplatz mit schwulen Coming-outs beschäftigen soll. Die Grenzen der gebotenen Toleranz sind erreicht, wenn sie in Belästigung umzuschlagen beginnt.”

Vollkommen richtig, nicht? Warum sollte der Fußballplatz zu einem toleranten Umfeld dazugehören? Dort kann man wenigstens noch MANN sein. So sehr, dass nationalistische Parolen, fragwürdige Flaggen und Homophobie immer wieder auftreten. Wo selbst Nationaltrainer zur Rassenlehre greifen. Gut, das geht ziemlich in Richtungs Klischees. Nur naiv wäre es dies alles als Einzelfälle darzustellen.
Ich war selbst einige Male im Stadion und habe tatsächlich fast nur positive Erfahrungen gemacht. Aber wen wundert es, dass ich auf diese Klischees zurückgreife bei einem solchen Text wie er im Focus erschien?! Er selbst stilisiert das Stadion zur vermeintlich primitiven Zone.

Nun sieht der Konservative Klonovsky seine soziale Identität in Gefahr und hetzt gegen Minderheiten in archaischen Sphären und stilisiert sich als “Normalo” selbst zum Diskriminierten. Das dies bei ihm allerdings kein Einzelfall ist hat Nadia in ihrem Blog dokumentiert. So schreibt er z.B. auf seiner Seite wo er “Moden” martialisch den Krieg erklärt:

“Die Homosexuellenbewegung will, dass man Sackgassen wie Durchgangsstraßen behandele.”

In diesem Zusammenhang besonders schön auch folgender Aphorismus:

“Wer sein Denken davon abhängig macht, ob ihm eventuell die Falschen zustimmen könnten, sollte es gleich ganz einstellen.”

Ein weiteres Glanzstück: Sein ungeschickter Kommentar zu Holocaust-Leugnern. wir erinnern uns 1994 beschloss das Bundesverfassungsgericht dass der Deckmantel der Meinungsfreiheit für diesen Strafbestand nicht gilt. Unwahre Tatsachenbehauptungen unterliegen eben nicht dem Schutz der Meinungsfreiheit sonst hieße es ja Leugnungsfreiheit.

Meinungsfreiheit?!

“Die Verurteilung war völlig angemessen, aber das Strafmaß, das die russische Justiz über diese ‘Pussy Riots’ (sic!) verhängt hat, ist natürlich absurd hoch, ungefähr so absurd hoch wie hierzulande die Strafen für Holocaust-Leugner.”

Natürlich verteidigt Klonovksy nicht den Holocaust-Leugner an sich, sondern stellt lediglich das Strafmaß in Frage. Vermengt damit allerdings Meinungs- und/oder Kunstfreiheit und unwahre Tatsachenbehauptungen durch seinen Vergleich mit Pussy Riot zu einem widerlichen Brei. Fraglich ist auch welche Strafen er meint. Die 6.500 Euro Strafe für Williamson? Die 8 Monate Gefängnis und 6.000 Euro Strafe für Udo Pastörs? Nun lässt sich darüber diskutieren, ob die Strafen von Nutzen sind. In der Verknappung seiner Aussage geht Klonovksy allerdings bewusst das Risiko des Missverständnisses ein. Am Ende kann man sich dann ja auch noch beschweren mit “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” und ein bisschen die Political Correctness bashen.

Die Zitate sind zum Teil alles Sentenzen, die er auf seine Seite stellte um laut Eigenaussage “Empörung und Widerwillen” zu schüren. Demnach müsste er sich gerade ziemlich gebauchpinselt vorkommen. Sein Artikel im Focus schürt genau das. So ein Fuchs aber auch. Ein Meinungskämpfer und Provokateur also. Traurig eigentlich nur, dass Klonovsky so etabliert in der Medienlandschaft scheint und beim Focus sogar das Debattenressort leitet. Die Grenze zwischen Political Incorrect und Massenmedium Focus zerfließt. Aber meine Empörung würde er mir vielleicht gar als gutmenschliche Zensurforderung auslegen. Traurige kranke Welt, ich kotze. Bleibt vielleicht nur Klonovsky in einem Punkt recht zu geben:

“Je größer das Publikum, desto dümmer für gewöhnlich die Rede.”

(Dank an den Gurkenkaiser und andere Hinweise / via queer.de)

Von: Daniel • Tags:

Sick Sad World: Deutsche Vogue shootet den Obdachlosen-Chic

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Dekadenz pur. Womit könnte man Luxushandtaschen und hochpreisige Mode besser bewerben als mit Bagladies? Bagladies ist in den USA ein umgangssprachlicher Ausdruck für obdachlose Frauen, die ihr weniges Hab und Gut in Plastiktüten, also Bags, mit sich rumschleppen. Die Assoziationskette führte bei der deutschen Vogue und dem Fotografen Sebastian Kim zu einer (unüberlegten?!) Übersprungshandlung und einem der hässlichsten “Let-Them-Eat-Cake”-Momente der letzten Monate.

Imho weder provokant, noch aufrüttelnd, sondern einfach nur arrogant, doof und herablassend. Bilder des “Signs Of The Time” betitelten Shootings findet ihr hier. Die gesamte Serie aus der Oktoberausgabe scheint es hier zu geben.

“Einzigartig extravagant.”

Einzigartig snobbistisch. Traurige kranke Welt!

Von: Daniel • Tags: