Datenschutz
Vorsatz fürs nächste Jahr: Das Web zurückerobern & Rebrush
Johnny hat einen sehr lesenswerten Artikel bei Spreeblick geschrieben der mich in Teilen an die Rede von Tim Berners-Lee auf der Campus Party Europe erinnert. Wir bewegen uns mit Facebook und Co. zwar auf ein gemütliches Web zu, machen uns aber immer mehr abhängig. Mit Endgeräten von Apple werden Apps nativ und vom Endgerät eines einzigen Herstellers abhängig. Natürlich werde ich, wie Johnny auch schreibt, Facebook (und vor allem) Twitter weiter nutzen und auch mein iPhone nicht sofort wegschmeißen. Für mein Blog wird es aber mit dem Rebrush (bald, aber fragt nicht wann) zumindest eine größere Neuerung geben: Die Zwei Klick Regelung, die Ihr bestimmt von Heise oder so kennt.
Das wird wahrscheinlich größere Einbußen in den Zugriffszahlen bedeuten, aber ich hab da länger drüber nachgedacht und meine alte Einstellung a la “selbst schuld” ist einfach Bullshit. Wie gesagt, das heißt alles nicht, dass hier die sozialen Netzwerke nicht mehr genutzt werden, das heißt auch nicht, dass ich mich über Shares und Tweets nicht freue – es wird im Rebrush sogar mehr Möglichkeiten des Sharings geben.
Aber noch mehr freue ich mich über jeden Kommentar hier in diesem Blog als über einen auf Facebook z.B. – ich hab die Kommentare immer per Plugin importiert, aber das ist mittlerweile ziemlich buggy und da Dienste wie FB und Twitter sich immer mehr verschließen ist davon auszugehen, dass damit irgendwann Schluss sein dürfte. Facebook Recommends Plugins und Like Boxes werden dann hier ebenso fehlen, die Aktivitäten auf all diesen Kanälen werden dennoch so weiterlaufen wie bisher, wenn Du also keinen RSS-Feed abonnieren willst (wo bei mir dann auch mal eben Google zwischensteckt), dann kannst Du mir weiterhin auf Facebook oder Twitter folgen. Ich werde sicherlich kein astrein sauberes Blog werden, das hieße auf alle Dienste vollkommen zu verzichten und auch bei Plugins wie z.B. zum Spamschutz fünfmal genau hinzusehen. Aber ich denke, dass der Schritt mit der Zwei Klick Regelung schonmal ein Fortschritt in Sachen Datenschutz ist.
Gleichzeitig sollte Johnnys Artikel auch als Ansatz dafür gelten die Veröffentlichungen hier zu überdenken. Ich hatte früher ja wöchentlich die Kotzbröckchen als Linksammlung lesenswerter Artikel, dann unregelmäßiger und mittlerweile gar nicht. Das liegt v.a. daran, dass der Aufwand in keiner Relation zum Ergebnis stand. Da möchte ich wieder ansetzen und eine Lösung finden. Vermutlich einen täglichen Linkdump von unbestimmter Länge. Und wenn ich mal Nichts lesenswertes finde, dann kommen einen Tag eben auch keine Kotzbröckchen.
Und was den Aufwand betrifft, vielleicht schreibe ich dafür ein kleines Plugin, dass die Posts sozusagen “automatisch” zusammensetzt. Vielleicht hat ja auch eine/r meiner LeserInnen Bock das mit mir zusammen zu entwickeln und dann hier zur Verfügung zu stellen?!
Dies nur als kurze Zwischenmeldung. Der Relaunch braucht noch ein bisschen, da ich Euch wirklich was tolles liefern will, mit neuen Features und neuen Ideen. Auf jeden Fall wird es ein responsives Design geben. Die Kommentarfunktion wird etwas überarbeitet werden und es wird einen Einhorn-Kalender geben mit mir wichtigen Jahrestagen, Geburtstagen und Aktionstagen. Das kann ich mit Sicherheit versprechen.
Lest Johnnys Artikel! Und Danke auch an Nerdgirl, die sich für den Relaunch mehr Datenschutz wünschte und mich sehr zum Nachdenken brachte!
Verbot der Vorratsdatenspeicherung
Zum Thema Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung muss ich einfach mal Fasel von der Spackeria zitieren:
“Die Kampflinie Datenschützer vs. Staat haben die großen Parteien durch massives agenda-setting abgelenkt auf Datenschützer vs. Google und Facebook.
Daraus resultiert auch die Heuchelei, die Erfassung von IP-Adressen als datenschutzwidrig darzustellen, während man gebetsmühlenartig eine Vorratsdatenspeicherung fordert die erst dafür sorgt, dass eine IP auf einen Anschluss zurückzuführen ist.”
Und genau deshalb ist es wichtig, dass Ihr die derzeit vorgelegte Petition “Petition: Strafprozessordnung – Verbot der Vorratsdatenspeicherung vom 15.03.2011″ mitzeichnet.
Besonders schön ist ja, dass bereits im Januar 2008 die EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde. Es also von Januar 2008 bis März 2010 eine Vorratsdatenspeicherung gab. Für mehr Ermittlungserfolge bei Straftaten, so ja mitunter die Argumentation, sorgte dies allerdings nicht. So der AK Vorratsdatenspeicherung:
“Zwischen 2007 und 2009 fällt dem Arbeitskreis auf, dass die Zahl der schweren Straftaten steigt, während im gleichen Zeitraum die Aufklärungsquote sinkt. Für noch bedeutsamer hält man den Vergleich zwischen 2008 und 2009, wo nach der Einführung der Internet-Vorratsdatenspeicherung die Zahl der Straftaten in Folge der Abschreckung sinken und die Aufklärungsquote steigen musste. Stattdessen stieg ‘die Zahl der registrierten schweren Internetstraftaten von 167.451 im Jahr 2008 auf 206.909 im Jahr 2009 stark an, während die Aufklärungsrate bei Internetstraftaten von 79,8% im Jahr 2008 auf 75,7% im Jahr 2009 zurückging’.”
Also! Petition zeichen.
Bitte verbreitet den Link zur Petition!
Datenschutz und Facebook
Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) von Schleswig Holstein um Dr. Thilo Weichert will Webseiten-Betreibern im eigenen Bundesland bis zu 50.000 Euro abnehmen, wenn sie weiterhin Social Media Plugins von Facebook einbinden.
Neben den berechtigten Einwänden des ULD stößt natürlich das übel auf. Vor allem weil auch private Seitenbetreiber davon nicht ausgenommen sein sollen. Das ULD argumentiert so:
“Allen Stellen muss klar sein, dass sie ihre datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit nicht auf das Unternehmen Facebook, das in Deutschland keinen Sitz hat, und auch nicht auf die Nutzerinnen und Nutzer abschieben können.”
Gleichzeitig werden auf angebliche Alternativen im süffisanten Ton hingewiesen:
“Niemand sollte behaupten, es stünden keine Alternativen zur Verfügung; es gibt europäische und andere Social Media, die den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Internet-Nutzenden ernster nehmen.”
Doch, ich behaupte das! Ganz davon ab, dass ich das Vorgehen unmöglich bis unverschämt finde und selbst ganz klar zugegeben wird, dass man Facebook ja nichts könne, ist der Verweis auf Alternativen frech.
Er lässt die Wichtigkeit eines sozialen Netzwerkes wie Facebook als Traffic-Lieferant außer acht. Für kommerzielle Webseiten wäre also die Möglichkeit auf z.B. VZ umzusteigen (Hat VZ eigentlich ne Lobby ;)), die die Privatsphäre der User besser schützen, eben keine Alternative.
So gesehen wäre ein Klapprad eine Alternative zu einem Rennwagen. Dass der Rennwagen dabei die Umwelt nicht schont ist dem Nutzer genau so klar, wie es dem Facebooknutzer klar sein sollte, dass er das Produkt ist. Wenn etwas umsonst ist, bist DU das Produkt. So easy!
Den, laut Aussage des ULDS, 18,6 Millionen Facebook-Nutzern wird jegliche Mündigkeit abgesprochen. Anders sieht es natürlich bei Daten uneingeloggter Nutzer aus, wo im Papier des ULD (PDF) auf Facebook Insight hingewiesen wird. Ein Tool zur Auswertung der Webseitennutzung. Also wie jedes Tracking Programm oder auch Google Analytics.
Und da wird man natürlich hellhörig, denn bereits 2008 hat das ULD um Dr. Thilo Weichert eine ähnliche Taktik fahren wollen. Damals drohte allerdings niemand mit horrenden Strafen und es wurden mit Piwik sogar vergleichweise realistischere Tracking-Alternativen angeboten.
Vielleicht ist das Echo damals so klein gewesen, dass das ULD jetzt einfach so laut schreit, dass alle gucken müssen.
Dass es sich dabei realitätsfern präsentiert ist ein Preis der ihnen durchaus bewusst sein dürfte. Ich kann professionellen Webseitenbetreibern aus Schleswig Holstein nur empfehlen einen neuen Firmensitz zu suchen. Fragt sich, wie dann das ULD reagiert!
Facebook Like Button wird abgemahnt
Man mag von Facebook halten was man will. Aber das ist irgendwie albern. Scheinbar hat jemand beim üblichen Surfen auf seinen schmutzigen Pornoseiten gedacht “Ach, da klicke ich mal auf Gefällt mir.” Die logische Konsequenz?! Anwälte einschalten, nie wieder Like-Buttons! FTW?!
Das ist natürlich rein hypothetisch und satirisch überspitzt. Tatsache ist aber, dass die Allmedia GmbH einen Online-Händler wegen der datenschutzwidrigen Verwendung des Like-Buttons abgemahnt haben soll.
Die datenschutzrechtliche Problematik ist dabei natürlich nicht irrelevant. Relevant wird diese Frage, da Daten ohne ausdrückliche Zustimmung an Facebook in die USA übertragen. Als juristischer Laie stellt sich mir hier die Frage, ob a) die Anmeldung bei Facebook selbst und b) das Klicken dieses Buttons nicht einer Zustimmung gleich kommen.
Es gibt aber auch Berichte, die davon ausgehen, dass möglicherweise auch Daten von den Besuchern weitergeleitet werden, die nicht einmal bei Facebook angemeldet sind. Einen recht interessanten Artikel dazu gibt es bei recht2.0.
Es bleibt also abzuwarten was passiert. Interessant dabei ist, dass die Allmedia GmbH selbst einen Webshop betreibt und den berichten zufolge einen Online-Händler abmahnt hat.




