Guerilla
Guerilla Marketing
Martijn Arts hat 102 bekannte Guerilla-Marketing-Kampagenen in eine Slideshow gepackt:
Jung von Matt beweisen Talentlosigkeit, again
Nunja, eigentlich gehört schon einiges Talent dazu in kurzer Zeit mehrmals so negativ aufzufallen. Um genau zu sein liegen zwei Vermutungen nahe. Zum Einen, dass beide Kampagnen vom selben Team erdacht wurden und zum Anderen, dass es lediglich Ziel der Werber ist durch schlechte Werbung aufzufallen. Denn bekanntlich gibt es ja keine Bad Publicity.
Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die Anzeige mit der Jung von Matt nach neuen Talenten suchten. Das war dünnflüssiges Pseudohipstergelaber als Printanzeige. Koksen mit Terry Richardson und obendrauf gab es noch eine Prise Sexismus:
“JvM sucht Kreative. Also, so richtig, richtig Kreative.
(Oder rothaarige, bisexuelle Praktikantinnen.)”
Nun sorgt die selbe Werbeagentur für Fremdscham bei Sixt, die im Firmenblog stolz als “beispiellose Guerilla-Aktion” bezeichnet wird. Nun darf man “Stoppt teure Transporte! Mietet Van&Truck von Sixt!”, mit dem als Atomkraftgegner getarnte Werber demonstrierten, getrost als nicht besonders geschickt bezeichnen, die Aufmerksamkeit ist Sixt und Jung von Matt allerdings sicher.
Es scheint logisch, dass ihr “Spaß” alle ernsthaften Atomkraftgegner und Demonstranten angreift. Zu leicht kann man die Aktion als Verballhornung verstehen. Das Medienecho bzw. die Kontakte, wie der Werbejargon sagen würde, ist Sixt und JvM sicher. Dennoch darf man Dummheit nicht mit Mut verwechseln.
Trotzdem amüsiert die Vorstellung welche Ideen als Nächstes kommen. “Mietwagen gegen Feuerschäden versichern!”, wäre ein toller geschickt formulierter Slogan für den 1. Mai.
Bei Nazidemos könnte man “Deutsche mietet deutsche Autos.” einsetzen. Die Grenzen scheinen schier endlos. Die des guten Geschmacks sind ja bereits überschritten. Aber Guerilla-Marketing hat zwei Richtungen.
Seed Bomb Automaten
Ich stehe ja auf die Idee von Guerilla Gardening, pure Poesie. Kein Wunder, dass mir da dieser Seed Bomb Automat auch super gefällt. Leider steht das Teil aber in Los Angeles. Aber vielleicht mag das ja jemand nachbauen? In Düsseldorf? Oder Köln?
Initiiert wurde das mit Greenaid betitelte Projekt von den Designern Daniel Phillips und Kim Karlsrud von Commonstudio.

Politisches Gärtnern

Alles grau und trist, da kann man natürlich zur Sprühdose greifen. Oder auch zu ein paar Pflanzensamen. Das nennt man dann Guerilla-Gardening und hat viel mehr Sinn als die bloße Verschönerung der eigenen Umwelt und Begrünung der Städte. Natürlich hat das illegale Anpflanzen eine politische Dimension und demonstriert zu allererst zivilen Ungehorsam.
Gleichzeitig kann man aber mit dem Pflanzen an sich protestieren. Blumen in Formen anordnen, Samenbomben auf Felder mit genmanipulierten Pflanzen werfen oder Dornenbusche auf Goldplätzen seien da erwähnt.
Begonnen hat das ganze wahrscheinlich in den 70er Jahren. 1973 wurden die New Yorker Green Guerillas um Liz Christy erstmals aktiv und annektierten ein heruntergekommenes Privatgrundstück welches sie bepflanzten. Mit Erfolg: Mittlerweile wird die Grünfläche als Park von der Stadt geschützt.
Am 1. Mai 2000 bewaffneten sich Globalisierungskritiker, Anarchisten und Umweltaktivisten mit Spaten, Schippen und Muttererde um auf einer Rasenfläche direkt auf dem Parliament Square einen temporären Garten anzulegen. Organisiert wurde die Aktion von “Reclaim The Streets” deren Ziel es ist öffentliche Plätze für die Gemeinschaft zu erobern. Einzig allein ein britischer Ex-Soldat, der einer Winston Churchill Statue einen Iro aus Rollrasen verpasste, musste eine Geldstrafe wegen Vandalismus bezahlen.
Durch die öffentliche Berichterstattung wurde das Prinzip des Guerilla Gardening nun bekannter und verbreitete sich.
Eine andere Form der politischen Gärtnerei sind Gemeinschaftsgärten bzw. das Community Gardening. Ella von der Haide widmete dem Thema bereits drei Dokumentarfilme (I, II, III) in denen sie Gemeinschäfstgärten aus aller Welt vorstellt. Nicht nur für sie, sondern für die Gärtner selbst, steht hierbei auch ein politisches Anliegen im Vordergrund. So wählte sie nicht umsonst den Titel “Eine andere Welt ist pflanzbar”.
Es geht eben nicht nur ums Gärtnern, “sondern darum, in alternativen Projekten weltweit jenseits des globalen Neoliberalismus selbständig und kollektiv die Umwelt und die Gesellschaft zu gestalten.”
Weiterführende Links:
Bilder von der Reclaim The Streets Aktion am 1. Mai 2000 in London
Community Gardening [Wikipedia]
Grüne Welle
The Guerilla Gardening Homepage
Pothole Gardens von Pete Dungey




