Putin
Pussy Riot Matrjoschka

Mittlerweile reagiert auch die Bundesregierung. “Der Kreml sieht kritische und kreative Äußerungen als Bedrohung und nicht als Chance für die Entwicklung eines modernen Russlands mit einer aktiven Bürgergesellschaft”, sagt Andreas Schockenhoff (CDU), Russland-Koordinator des Auswärtigen Amtes. Diesen Freitag wird das Urteil erwartet.
Free Pussy Riot: Putin fordert milde Strafe
Vielleicht könnte dies eine Wende im Fall Pussy Riot bedeueten. Bei seinem Aufenthalt anlässlich der olymischen Spiele in London kritisierte Wladimir Putin die Aktion der Band und sprach sich dennoch für eine milde Strafe aus: “Ich denke, das Urteil sollte nicht zu hart ausfallen.”
Der Anwalt der Künstlerinnen bezeichntete Putins erstmaliges Einschalten als möglichen “Wendepunkt” in dem Verfahren, der die Position der Staatsanwaltschaft ändern könnte. Außerdem wertete er die Äußerungen Putins als Konzession an den Westen. Pünktlich zu Putins London-Aufenthalt erschien ein offener Brief von Pete Townshend, Jarvis Cocker und Neil Tennant in der “Times”:
“Eine andere Meinung zu haben, ist in jeder Demokratie ein Grundrecht.”
Einen ausführlicheren Bericht zu Putins Kommentar zu dem Fall findest Du bei SpOn. Er bashte nämlich auch ein wenig drauf los, dass man ja in Israel oder muslimischen Ländern viel schärfere Strafen bekäme.
Tja, das stelle man sich vor. Es gibt ja auch Länder wo mit Diktaturen gänzlich anders umgesprungen wird. Hab ich mal gehört.
Bombendrohung beim Prozess
Gestern musste der Prozess wegen einer Bombendrohung unterbrochen werden. Ein anonymer Anrufer sprach die Drohung aus. Damals sprach einer der Anwälte von Pussy Riot mit der Presse und ging noch davon aus, dass sich am Verlauf des Prozesses nichts mehr ändern würde.
Mehr zu Pussy Riot beim Einhorn
- Prozessbeginn – Interview mit Pussy Riot
- Free Pussy Riot – Für Meinungs- und Kunstfreiheit in Russland
Prozessbeginn – Interview mit Pussy Riot
Heute um 8:30 Uhr unserer Zeit begann der Prozess gegen die feministische Punkband Pussy Riot. Drei Mitglieder der Band wurden unter dem Vorwand des religiösen Hasses für eine politische Aktion gegen Putin festgenommen. Immer mehr Medien widmen sich dem Thema nachdem Amnesty International feststellte, dass es sich dabei um eine politische Inhaftierung handle. Auch ich habe im Blog schon darüber (viel zu spät) berichtet.
Weitere interessante Links gibt es bei René. Davon ist das Interview mit den noch flüchtigen Mitgliedern der Band im Guardian wohl der interessanteste Beitrag.
Ebenfalls lesenswert ist das Interview mit dem Anwalt der Band in der Süddeutschen:
“Ganz klar – Wladimir Putin will seine Macht demonstrieren. Wir haben in Russland ein autoritäres System. Putin sagt den Menschen: Ihr dürft reisen so viel ihr wollt, ihr dürft euren Geschäften nachgehen, ihr dürft Geld verdienen – aber wehe, ihr legt euch mit der Macht an. An ‘Pussy Riot’ zeigt er jetzt, was mit Leuten geschieht, die gegen dieses Gebot verstoßen. Denn im Grunde haben wir keine unabhängigen Gerichte, unsere Gesetze werden nicht immer richtig ausgelegt. Da läuft viel über Korruption und Vetternwirtschaft.”
Der Rolling Stone hat außerdem seine Geschichte aus dem Mai-Heft zu diesem Thema online gestellt. Moritz Gathmann hat sich mit der Geschichte der Band auseinandergesetzt.
Update 17:05. – Die taz berichtet über den Prozess
Wie auch schon Jörn in den Kommentaren (Was macht Dennis Schuster da eigentlich? Mit Realnamen? Mit verlinktem FB-Profil? WTF?!) sagte: Es geht nicht nur um einen Protest gegen Putin, sondern auch gegen die Verbüderung von Staat und Kirche. So schreibt die taz, die von Protesten zum Prozessbeginn berichtet:
“Verlierer dieses Prozesses wird die Kirche sein. Zu offensichtlich ist ihr Pakt mit der weltlichen Macht.”
Update 31.07. – Aktiv werden mit Amnesty International
Amnesty International ruft dazu auf Briefe, E-Mails und Faxe an die Staatsanwaltschaft, das Bezirkgericht und die Botschaft zu verschicken. Hier findest Du alle Informationen. Also ab dafür!
Heute-Show Satire über Putin geht viral in Russland
Die ZDF heute show finde ich ja eher so lala. Sonneborn ist großartig, aber sonst. Ein wenig zu krass überzeichnet mit übertriebenem Lachen und dem verschmitzten Zwinkern in die Kamera. Das könnte böser und versteckter sein, so auch in dem Clip um den es im Folgenden geht. Der geht derzeit nämlich in Russland enorm steil, wie Andreas durch seinen Schwager aus Odessa erfahren konnte.
Bereits über eine Millionen Klicks gibt es für den Ausschnitt den ein User mit russischen Untertiteln versah.
Das sagt natürlich viel über die Situation im Lande aus. Wohlmöglich gar über die Satire und Pressefreiheit in Russland. Und da muss man der Heute Show seinen Glückwunsch aussprechen, dass sie offensichtlich vielen tatsächlich Betroffenen mit ihrem satirischen Kommentar so aus dem Herzen sprechen. Und leider trifft mich die Schlusspointe in aller Überzogenheit am Meisten. Überdenken? Die BRD? Wo kämen wir denn da hin?




