Urheberrecht
Kotzbröckchen mit unheimlichen Geschichten, dem Urheberrecht, Zombies in Berlin und einer Raubkopiestudie
Bäm! Wieder Kotzbröckchen. Schlag auf Schlag!
10 Mysterien
Bei Lstverse gibt es die Geschichte hinter bzw. zu zehn Mysterien. Ich stehe ja auf solche Stories.
Berlin ist nicht auf Zombies vorbereitet
Damn, ich sollte umziehen. Christoph Lauer und Simon Kowaleski stellten eine kleine Anfrage ans Parlament Berlin und fanden damit heraus, dass Berlin nicht auf Zombies vorbereitet ist. Anfrage und Antwort findest Du bei René.
Logos fotografieren verboten
Nico Kern fotografierte im Kölner HBF ein Rewe To Go Logo und wurde daraufhin von der Bundespolizei vorläufig festgesetzt und sein Handy sollte beschlagnahmt werden. Warum?
“[...] die Bundespolizei noch zusätzlich sein Handy beschlagnahmen – quasi als ‘Tatwerkzeug’ (auch wenn das Ergebnis der vermeintlichen “Tat” gar nicht mehr vorlag), denn er habe damit ja ein Logo fotografiert und wenn der Inhaber das nicht erlaubt, dann sei das ein Verstoß gegen das Urheberrecht.”
Die ganze Story findest Du hier. Kannste Dir echt nicht ausdenken.
EU-Studie über Online-Piraterie
Copy kills music?! Schon wieder fand eine Studie heraus, dass dem nicht so ist. Mehr dazu bei Ronny.
Ein freies Geburtstagslied, wo keiner zahlen muss…
Ach Urheberrecht, Du bist schon oft ein kleines Miststück. Wusste ich auch noch nicht. das berühmte “Happy Birthday To You” ist tatsächlich noch urheberrechtlich geschützt. In Deutschland bis zum 31. Dezember 2016 und in den USA vorraussichtlich bis 2030. Das bringt Warner jährlich alleine in den USA zwei Millionen in die Kasse. Denn jedes Mal wenn “Happy Birthday” öffentlich gesungen wird, wird zur Kasse gebeten. Aus genau diesem Grund gibt es einige TV-Serien und Filme, die das Lied umschiffen.
Happy Birthday Alternatives in Film and Television from Free Music Archive on Vimeo.
Das Free Music Archive hat darauf keinen Bock mehr und fordert ein neues Geburtstagslied. Natürlich solltest Du das eher als Kampagne verstehen, denn den Klassiker abzulösen wird schier unmöglich sein. Bis zum 13. Januar kannst Du noch eigene Kompositionen unter der Creative Commons Lizenz einreichen. Dann wählt eine Jury, die unter anderem aus Mitgliedern von Deerhof und Yo La Tengo besteht drei Gewinner aus, die Ende Januar bekannt gegeben werden.
Ich hab das Ganze ja mal versucht mit der Tagesschau-Melodie anzustoßen. Und möchte das hiermit nochmal zum Thema machen. Dort wird nämlich auch massig Geld verschwendet.
Rechtsbelehrung – Podcast zum Thema Abmahnungen
Marcus Richter hat sich nochmal dem Thema Abmahnungen angenommen. Diesmal in einem Podcast, was die Möglichkeit beitet weit ausschweifender über das Thema zu diskutieren als es ihm und mir damals bei Trackback möglich war. Sein Gesprächspartner ist der Jurist Thomas Schwenke und es wird leider ein wenig zu Recht die “Fair Use” Forderung kritisiert, denn die würde den meisten Leuten eh nichts bringen. Was nicht heißt, dass “Fair Use” nicht ein erstrebenswerter Schritt wäre. Ich sehe allerdings akut zwei Problematiken. Das Abmahnrecht auf der einen Seite und das Urheberrecht auf der anderen. “Fair Use” sollte davon nur ein Teilbereich sein. In den Podcast, der gleichzeitig eine Pilotfolge ist, kannst Du hier reinhören.
(Danke an Dennis für den Hinweis!)
Kotzbröckchen Special – #GEMAktion
Und jetzt schlagen sie sich wieder. Popcorn raus und ordentlich druff. In zwei Tagen ist also dieser GEMAktion-Tag, den das Bündnis kultur-retten.de organisiert. In verschiedenen Städten wird es Demonstrationen vor den GEMA-Generaldirektionen geben. In Berlin beginnt die Kundgebung um 14 Uhr.
Die GEMA wehrt sich
Bemerkenswert hierbei ist, dass die GEMA (scheinbar erstmals) 33.000 ihrer Mitglieder anschrieb um Position zu beziehen. Wie die das machen sollen erklärten sie auch gleich. Anschreiben sowie anhängendes PDF leakten mittlerweile ins Netz.
- Netpolitik dazu
- u.a. hier gibt es das ganze Anschreiben
- Das PDF der GEMA aus dem Anhang
- Die De:Bug hat sich die “versachlichung” der GEMA mal vorgenommen bzw. diese auseinandergenommen
Besonders interessant finde ich den Punkt der GEMA, dass bei der Tarifreform zwar auch Clubs betorffen seien, diese aber nur einem minimalen Anteil bei denen ausmachen für die die Reform sei. Als Beispiel führen sie Karnevalisten auf. Hier wäre es interessant zu wissen, wie groß die Vorteile solcher Veranstalter wurden.
Die Urheber fühlen sich z.T. nicht mehr vertreten
Bemerkenswert ist aber auch, dass immer mehr Künstler auf die Barrikaden gehen. Teilweise nicht in direktem Zusammenhang, teilweise schon.
- Luci van Org sieht das Internet als Riesenchance zur Selbstvermarktung und bemängelt, dass sie nicht selbst als Urheberin über Freistellungen entscheiden darf
- Noch bemerkenswerter ist die direkte Antwort von Hannes Teichmann (u.a. Beige GT) auf die Mail der GEMA.
Sollten die Verwerter einlenken?!
Dabei wäre die GEMA scheinbar gut beraten, wenn sie einlenken würde. Immer mehr Menschen unter 30 sprechen sich gegen ein Urheberrecht im Internet aus. Und sind damit radikaler als die Piratenpartei, die lediglich eine Reform fordert. Anderseits wäre das auch irgendwie Erpressung, oder nicht?! Ich fände es ja wirklich interessant wieviele aller (ALLER!) GEMA-Mitglieder sich gut vertreten fühlen. Am liebsten die Vollmitglieder ausgeschlossen. Denn das ist ein Vorwurf den sich die GEMA immer gefallen lassen muss, dass man erst ab einer bestimmten Ausschüttung mitbestimmen darf ist Timokratie, eine Herrschaft der Besitzenden!
Und bis das nicht gelöst ist, ist das keine Vertretung von Urhebern, sondern eine Vertretung von Gutverdienern und deren Interessen.
K♥tzbröckchen feat. Adventure Time, Nazis, Scheidungs Lip-Dub und mehr.
Juhu, ich führe die Kotzbröckchen wieder ein. Ein bisschen anders diesmal. Einfach die Links der Woche und jetzt nicht mehr Freitags sondern immer (?!) Sonntags. Mir geht einfach zu viel für Euch sonst unter.
Mein Desktop zieren derzeit Finn und Fionna
Hach Adventure Time! entangle hat einen superben Finn und Fionna Desktop-Background gemacht, den es gratis hier gibt.
Lipdub Scheidungsantrag
Erinnert Ihr Euch noch an den Lipdub Hochzeitsantrag? Super cute. Jetzt gibt es auch als Praodie den Lipdub-Scheidungsantrag, gute Idee aber eben nur so halb geil weil es meine pinke Zuckerwolkenwelt ohne Scheidungen zerstört. Und weil es wohl echt nicht halb so gut gemacht ist. Den Clip findet Ihr bei Feingut.
Vice gegen Nazis
Man könnte Vice ja echt zwei oder drei Schellen geben wo sie in Zeiten von politically Incorrect freiwillig sich damit rühmen politisch unkorrekt zu sein. Ist halt ein bisschen 90ies das PC-Bashing und dann noch damit prahlen.
Dabei ist die Reihe echt gut. Gefragt werden u.a. Staiger, Maxim von KIZ oder Bernd Wagner von EXIT. Besonders schön wie kaum einer auf die vermeintlich provokante Frage am Ende eingehen mag. Haha.
Nee, eigentlich ganz gut was Vice da versuchen. Aber sobald jemand sagt, dass man den Scheiß Glatzen die Xenophobie aus dem Hirn prügeln sollte ist man ja auch nicht besser.
EU bereitet Richtlinie für verwaiste Werke vor
Verwaiste Werke sollen in Europa künftig frei verwendet werden dürfen. Das klingt doch echt mal gut. Leider gilt das erstmal nur für öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken oder Museen und Rechteinhaber können nachträglich Lizenzzahlungen geltend machen. Aber es scheint mir ein wichtiger Schritt. Die ganze News dazu gibt es bei golem.
Wir haben uns über einen geistig behinderten lustig gemacht
Das Bild des nackten Typen mit Bier in der Berline U-Bahn ging gefühlt um die Welt. Auf Facebook und Twitter begegnete es einem letzte Woche unzählige Male. Mit dafür Verantwortlich war Mr. Schtief, der sich nun in aller Form entschuldigt und wirklich einen ganz fabelhaften Text dazu schrieb. Sollten alle lesen!
Nap Time!
GEMA, Raubkopieren, Urheberrecht – The Neverending Story
Eigentlich mag ich nicht mehr. Um meine Meinung kurz zusammenzufassen: Ich bin für ein Urheberrecht, ich sehe auch eine Notwendigkeit für Verwertungsgesellschaften. Ein Künstler muss vor großen Verwertern ausreichend geschützt sein. Aber ich bin nicht einverstanden mit der GEMA. Leider. Die brauchen dringend einen Imageberater.
Erst die Tarifreform 2013, die Klubs und Veranstalter im schlimmsten Falle laut DEHOGA bis zu 2.839% mehr zahlen lässt und dann ein Aufschlag von bis zu 1850% auf Speichermedien.
Dazu kommt die GEMA-Vermutung, und eine Mitgliederstruktur, die Mitsprache kaum ermöglicht. Die meisten der Mitglieder sind sogenannte angeschlossene und außerordentliche Mitliedern. Diese können nicht unmittelbar an Satzungsänderungen, Änderungen des Verteilungsplans oder bei der Wahl des Aufsichtsrats mitwirken. Hässlich dabei, dass die stimmberechtigten Mitglieder kein Interesse an einer Reform haben müssten. Denn sie erhalten den Großteil der Ausschüttungen. Im Jahr 2008 waren das 62,99%. Auch ist es als Mitglied offiziell nicht möglich einzelne Werke unter anderen Lizenzen zu veröffentlichen oder gar eigene Freistellungen auszustellen. Wie unfair manches in der GEMA ist kann man auch bei Thomas Stadler durchlesen, der die Thesen von Zoe.Leela aufgreift.
Das treibt selbst Künstler wie Dr. Motto dazu gegen die Verwertungsgesellschaft aktiv zu werden. Dieser unterstützt auf Twitter eine Petition gegen die Tarifreform. Beim DJ-Meeting 2012 in Dortmund platzte ihm der Kragen:
Insbesondere in der Clubkultur ist der Protest groß. So titelte die Groove: “Dann können wir den Betrieb schließen!” Auch Festivalveranstalter wie Alex Schwers haben es nicht leicht mit der Verwertungsgesellschaft, so bemängelte er in einem Artikel beim Spiegel:
“Die Kosten für die Gema haben sich verdreifacht. Die rechnen ihren Tarif jetzt anhand des kompletten Umsatzes, inklusive Getränken, aus. Da schimpft man als Veranstalter, das ist die eine Seite. Aber als Musiker, der mit Musikern mehr abhängt als mit Veranstaltern, finde ich die Gema gut. Profitiert habe ich nie besonders davon, ich bin ja Schlagzeuger, und habe nicht besonders viele Songs bei der Gema gemeldet. Bedauerlich ist nur, dass von diesem Gema-Geld bei den Musikern, die ich kenne, nicht so viel ankommt. Da ist Reformbedarf.”
Gleichzeitig sehen viele professionelle Musiker den Konflikt zu Recht kritisch. Ekki Maas von den Erdmöbeln sieht das differenziert:
“Die Kehrseite ist: YouTube und ähnliches ist ein Segen für die kreative Szene in Deutschland. Eine große Öffentlichkeit hat Zugang, und es kostet nichts. Wer da seine Sachen nicht reinstellt, hat es nicht nötig, weil er erfolgsmäßig bereits saturiert ist oder die Öffentlichkeit auf anderen Wegen erreicht.”
Und es ist imho vollkommen berechtigt Google, die ja hinter YouTube stecken, vorzuwerfen, dass sie nicht ordentlich vergüten. Auch Frank Spilker von den Sternen spricht sich indirekt für eine Reform aus:
“Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, sich an überholte Modelle zu klammern. Man muss auch nicht die Plattenindustrie retten, sondern die Musik. Und deshalb muss dringend eine Lösung her, die Künstlern und Journalisten einen Anreiz liefert, etwas zu produzieren, gleichwohl es kopierbar ist.”
Zeitgleich taucht eine Studie auf, die die meisten Annahmen widerlegt. Robert G. Hammond, Professor an der North Carolina University, stellt fest, dass zumindest für etablierte Künstler Filesharing und Leaking keine Auswirkungen auf Verkäufe hat:
“[A]n album that became available in file-sharing networks one month earlier would sell 60 additional units.”
Es ist und bleibt vertrackt, die Fronten verhärtet und ein Vertreter der statt Sympathien zu schaffen es sich immer wieder und mehr mit vielen verscherzt. Na dann gute Nacht! Es wäre zu wünschen, dass sich alle GEMA-Mitglieder zu Wort melden, die nichts zu sagen haben und eine Reform forcieren. Diese kann nur in ihrem Interesse sein.
Update vom 02.06.
Das letzte Mal als ich über den ganzen Kram schrieb wurde ich ziemlich angepflaumt, weil ich als Nicht-Profi und Nicht-GEMA-Mitglied ja doch meine Überlegungen für mich behalten solle. Da freut es mich doch sehr, dass sich jetzt noch jemand zu Wort meldet, der sich verdammt gut auskennen sollte. Konzertveranstalter Berthold Seliger sagt gegenüber Heise:
“Das bestehende Urheberrecht muss dringend reformiert werden. Aber genauso muss die GEMA dringend reformiert werden. Wir haben allerorten für Großverdiener und Verwertungsindustrie bequeme Strukturen, die aber mit den digitalen Realitäten des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben und letztlich den Geringverdienern und den Konsumenten schaden.”
Word! Können wir das jetzt bitte anpacken?! Vielen Dank Herr Seliger!
Ben Franklin
Interessantes Zitat von Benjamin Franklin, der von Patenten wenig hielt. Kann man natürlich schlecht auf aktuelle Urheberrechtsdebatten übetragen, geht es da doch zumeist um Kulturgüter und geistiges Eigentum als um wirklich nützliche Erfindungen. Dennoch wusste Franklin, dass z.B. Zeit Geld ist.
Rechtsanwälte gegen den Flyer der Content-Industrie für Schulen
Letztens habe ich noch eine Lanze gebrochen für die Content-Industrie – den Begriff Content-Mafia finde ich doch arg albern. So schrieb ich, dass man die Vehemenz vor allem verstehen müsse, da die Gegenseite oft Privat- und Raubkopie durcheinander schmeißt und wissentlich falsche Daten verbreitet.
Und nun kommen der Bundesverband Musikindustrie, der Börsenverband des Deutschen Buchhandels, die Zukunft Kino Marketing GmbH und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen mit einem recht interessanten Flyer daher, der für ordentlich Diskussionen sorgt. Das Werk trägt den Titel “LEGAL, SICHER UND FAIR – Nutzung von Musik, Filmen und Büchern aus dem Internet”. Irgendwie wurde allerdings das fair einfach mal vergessen und einiges wird durcheinander geschmissen und wissentlich (?!) falsch verbreitet. Also genau so wie das eben auch die Anderen machen.
Fefe fand das doof und bat in seinem Blog, dass sich doch ein paar Anwälte für Urheber- und Markenrecht das Teil ansehen mögen. Die Urteile sind dann doch ein wenig erschreckend. Hat keiner den Flyer vorher geprüft? Mus dass so sein?
So wird u.a. behauptet, dass man “grundsätzlich” das Gesetz verletzt, wenn man bei Filesharern urheberrechtlich geschützte Daten runterlädt und Eltern dabei für ihre Kinder haften würden. Enno Lenze in seinem Blog dazu:
“Was vergessen wird: Es ist nur verboten, wenn man das Werk unlizenziert herunter lädt. Natürlich darf man freie Musik runter laden oder welche, die man bezahlt hat. Und in Deutschland haften Eltern eigentlich nicht für ihre Kinder. Dies ist einer der gängigen Rechtsmythen, über den sich Anwälte regelmäßig amüsieren.”
Auch das Kinder in Abofallen tappen könnten ist laut deutschem Recht inkorrekt.
Neben Enno, dessen Analayse ich insbesondere empfehle haben sich auch De lege lata und Dr. Ralf Petring mit dem Flyer beschäftigt und einiges auszusetzen.
Schade, dabei wäre es Zeit für einen vernünftigen Dialog. Und da gefällt mir die Idee zum Ersten Urheber-Nutzer-Dialog vom 11. Mai 2012 von 14 Uhr bis 17 Uhr in der Homebase in Berlin eigentlich ganz gut. Wobei ich sehr gespannt auf die geladenen Teilnehmer bin, schließlich sind die Veranstalter doch sehr deutlich auf der Seite der Content-Industrie zu verorten. Ich bin gespannt.
Raubkopieren, GEMA, Urheberrecht und blabla…
Als ich meine erste 7inch veröffentlichte googelte ich naiv nach Besprechungen. Und so fand ich in einem Forum die Bitte, dass jemand das kleine Vinyl doch rippen solle, weil man selbst keinen Plattenspieler besäße.
Das Gefühl “bestohlen” zu werden wurde schnell davon übertüncht, dass hier jemand wirklich meine Musik hören wollte. Doch das sehen andere anders. Nicht zu Unrecht beschwert sich nun Sven Regener von Element Of Crime. Ihm ist dabei klar, dass er mit diesem Thema schnell als “uncool” gelten könne. Die derzeitigen Reaktionen im Netz zeigen, dass er damit Recht behalten sollte. Dass er dabei eine erstaunlich konservative Haltung einnimmt, ist ihm selbst wohlmöglich nicht bewusst. Der Kulturverlust, von dem Regener redet, scheint dabei auch arg überdramatisiert.
Dabei ist es nicht abzustreiten, dass großartige Indies wie L’age d’Or oder Louisivlle Records ihre Pforten schließen mussten. Die meisten dort gesignten Musiker fanden aber schnell wieder Zuflucht und machen weiterhin Platten. Sogar die scheußlichen Navel bei denen ein Kulturverlust gar nicht weh getan hätte. Junge Musiker gewöhnen sich daran Musik als Nebenverdienst zu sehen und schaffen dennoch tolle Musik. (Sorry für diesen eitlen Link ;))
Was diese Debatte allerdings mal wieder zeigt ist, dass ein komplexes Thema von allen Seiten zu kurz gefasst wird. Und vor allem wie verhärtet die Fronten mittlerweile sind. So wird die Raubkopie von Opinionleadern und Aktivisten gerne mit der Privatkopie verwechselt. Da wird dann in unnötigem Blabla erklärt warum Raubkopieren okay sein soll ohne es wirklich auf den Punkt zu bringen, sondern lediglich Werbung für Zukunfstmodelle zu machen. Headline galore! Godwin galore! Opinionleader sind halt auch nur Führer.
Der eigentlich von mir sehr geschätzte Verein der Musikpiraten, der übrigens wenig mit der Piratenpartei zu tun hat, stellt eine Studie mit methodischen Schwächen vor um nachzuweisen, dass Künstler in Deutschland immer mehr verdienen. Kritik hagelte es sofort von der VUT, dem Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V, und dem Composers Club, der schrieb:
“Der Urheber hat nichts von kostenlosen Nutzungen im Netz. Er partizipiert auch nicht an den Gagen der Künstler oder deren Werbeverträge. Er schreibt die Musik und ist auf die Tantieme angewiesen.
Um diesen feinen aber in seiner Wirkung dramatischen Unterschied geht es hier. Diskussionen über das Urheberrecht sollten also auf dem richtigen Spielfeld mit den richtigen Mannschaften stattfinden.”
Dass die Nutzer ebenfalls zu den Mannschaften gehören sollten wird hier wieder vergessen. Dass der Composers Club scheinbar ausschließlich auf Fälle anspielt in denen Urheber und Interpreten unterschiedlich sind ist auch auffallend. Es ist nicht so als ob ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte, aber für jeden sollte es mittlerweile offensichtlich sein, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Die GEMA ist selbstverständlich nicht so böse wie es viele darzustellen versuchten. Tantiemen für den Einsatz in Werbung, TV oder Filmen bringt vermutlich vielen Künstlern die einzig nennenswerten Einnahmequellen. Ohne GEMA wären diese kaum möglich. Sieht man von aternativen Modellen wie dem von Freibank mal ab. Ich war bewusst nie GEMA-Mitglied und hatte als Labelbetreiber erst diese Woche eine unerfreuliche Episode wo die GEMA mir durch einen Abrechnungsfehler mehr als 100 Euro berechnen wollte.
Ein gleichnamiger Titel eines gemapflichtigen Interpreten wurde statt des gleichnamigens freigestellten Titels berechnet. Zeit und somit Geld kostet die Richtigstellung. Böswillige Menschen würden Schikane rufen und Absicht unterstellen. Was vor allem am Auftreten der Verwertungsgesellschaft und undurchsichtigen Schlüsseln liegt sowie unsinnigen Verfahren wie der GEMA-Vermutung.
Dennoch sollte man verstehen, dass eine Industrie die derart in der Kritik steht wie diese, sich eben auch aggressiver wehrt. Für den Laien bleibt es dennoch unverständlich. Wieso zahle ich 36 Euro für mein Smartphone an die Verwertungsgesellschaften, wenn Songs und Streamingangebote doch auch was kosten? Wie kommt dieses Geld den Künstlern zu Gute?
Und vor allem, wenn ich auf meinem Smartphone nur Pavement höre, warum kriegt dann vermutlich Westernhagen was von der Kohle?! Wie wird das Geld der unzähligen Uni-Radios ausgeschüttet? Nur wenige, auch wenige der Kritiker, wollen das Urheberrecht abschaffen. Oder die GEMA. Vielen geht es um eine Novellierung von Beidem die bitter notwendig ist. Der Sysiphos-Kampf der Musikindustrie wirkt rückständig und kindisch, ist aber in Anbetracht der Gegner nachvollziehbar. Denn diese greifen oft genug auch zu dreckigen Tricks. Man nehme nur folgende Grafik, die Raubkopien zu rechtfertigen versucht. Ganz nach der Logik, dass im Großkonzern klauen weniger schlimm ist als beim Tante Emma laden. Nur wird hier nicht zwischen Tante Emma und Großkonzern differenziert.
Sowas geht natürlich nur auf, wenn die dargestellte Infrastruktur überhaupt existiert. Empirisch gesehen könnte ich eine ganz andere Grafik erstellen. Als Künstler der seine Platten selbst auf seinem eigenen Label veröffentlichte sieht das ganz anders aus. Die Gewinnspannen für andere Acts auf meinem Label ebenfalls. Wenn man da überhaupt von “Gewinn” sprechen darf. Und so ist es bei vielen kleinen Labels. Hier wird eine Struktur übertragen und vermeintlich bloßgestellt, die wahrscheinlich nur auf die Größten der Größten zutreffen dürfte. In Zeiten in denen immer mehr Künstler ihr eigenes Label gründen verdient eine solche Grafik zunehmend das Prädikat “Bullshit”!
Genau solcher Bullshit ist aber auch, dass alle Gegner des Urheberrechts dieses komplett abschaffen wollen und, so Regener, den Urhebern ins Gesicht pinkeln. Rock’n'Roll ist auch heute keine Frage mehr der identitätsstiftenden Band, sondern eine der richtigen Gadgets. Sorry Sven, finde ich auch nicht schön. Ist aber so.
Ich konnte von meiner Musik nie leben und wollte es nie, aber ich verstehe dass Leute das gerne wollen. Für diese haben sich die Zeiten unweigerlich geändert. Es ist fraglich, ob sie die Uhr zurückdrehen oder anhalten können. So leid es mir tut. Das Zeitalter der Verwertungsgesellschaften, das gerade mal etwas mehr als 100 Jahre bestand, wird zu Ende gehen. Die Frage ist lediglich wie schnell oder langsam. Da beide Seiten sich wie verbohrte Kindsköpfe aufführen dürfte es noch lange dauern.
Public Domain Tag 2012
Jedes Jahr laufen Urheberrechte aus und die Werke werden dann gemeinfrei. Für Deutschland gilt, dass der Urheberrechtsschutz 70 Jahre nach dem Tod des Autors endet. Und damit man da nicht immer den Todestag nehmen muss, gibt es den Public Domain Tag am 1. Januar.
Heute werden u.a. James Joyce, Virginia Woolf und Wilhelm der II. gemeinfrei. In diesem Sinne:

Hier findest Du die gesamte Liste der Urheber, die jetzt gemeinfrei sind. Auch wenn das alles schön ist, schöner wäre, wenn wir die Zeit verkürzen könnten! Die Gedanken sind frei, aber nur solange sie niemand aufgeschrieben hat…







