Zensur
Halbautomatischer Trollfilter
Sascha Lobo verbloggt seit geraumer Zeit immer mehr Infografiken, viele ziemlich gut, viele ziemlich lustig. Diese hier ist beides und obendrauf auch noch wahr. Und kommt mir jetzt nicht mit “arg dualistisch.” Lobo dazu:
“Diskussionsprobleme in sozialen Medien? Schwierigkeiten mit den immer gleich ‘argumentierenden’ Narren? Einfach meinen crowdbasierten, halbautomatischen Trollfilter verwenden.”
Herrlich sind dazu die Kommentare, die Lobo vorwerfen “Zensur” zu betreiben und “kein Platz für Meinungsaustausch und (sachliche) Diskussion” zuzulassen. Leute zu Unrecht als Trolle bezeichen, nur weil sie das N-Wort benutzen wollen. Tze, wo gibt es denn sowas?
Und nein, wenn Du bei der Grafik dort oben bei Orange landest und hier dennoch kommentierst gibt es keinen Preis!
Kotzbröckchen mit Facebook und dem Zensurbegriff, der Wehrmacht, Steubenville und Rechter Gewalt
Heute sind die Links mit einigen ernsten Themen versehen. Den Anfang macht Facebook und der Zensurbegriff, den auch ich in der Debatte um Domians verschwundene Posts viel zu leichtfertig einsetzte.
Facebook und der Zensurbegriff
Da würde ich doch glatt sagen, dass ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde. Belehrte ich doch oft Kommentatoren hier, dass es keine Zensur sein, wenn ich ihre Sachen nicht freischalte. Und dann? Dann laber ich selbst leichtfertig von Zensur. Gut, mir ging es in der Debatte nicht so sehr um das was mit den Posts passierte, sondern um die Nachteile von geschlossenen Netzwerken im Allgemeinen, aber dennoch fail.
Antje Schrupp hat dazu einen sehr guten Artikel geschrieben. Darin heißt es:
“Natürlich gibt es einen gewissen Unterschied zwischen meinem Blog und Facebook, der aber vor allem ein quantitativer ist: Facebook ist als Plattform sehr viel relevanter. Aber genausowenig wie ich hat Facebook irgendeine Möglichkeit, Menschen in Deutschland daran zu hindern, ihre Meinung öffentlich zu äußern.”
Dennoch finde ich es wichtig nochmal zu betonen, dass vor allem Usergenerierter Content bei Facebook eine Rolle spielt. Das ist in Blogs oder Magazinen eher zweitrangig. Auch Metronaut widmen sich dem Thema und fordern, dass wir in Zukunft zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Zensur unterscheiden sollten. Ein schwieriges Thema.
Unsere Mütter, unsere Väter – Wir armen Täter
Enorm lesenswerer Kommentar beim Kölner Stadtanzeiger anlässlich des ZDF-Dreiteilers “Unsere Mütter, unsere Väter”. Einfach lesen. Wenn Du noch nicht überzeugt bist:
“Der Holocaust und der Vernichtungskrieg der Deutschen in Osteuropa waren geplante und vorab festgelegte Kriegsziele. Da rutschte nicht irgendwann jemandem mitten im Kriegsgetümmel die Hand aus. Während deutsche Polizisten und Soldaten Kriegsgefangene erschossen oder zwangen, sich zu Tode zu schuften, taten britische Soldaten dies eben nicht. Während deutsche Offiziere den Befehl ausgaben, Zivilisten einfach zu erschießen und ukrainische Hilfspolizisten mit Feuereifer Juden aufspürten, gaben amerikanische Offiziere solche Befehle eben nicht – und die Dänen lieferten ihre Juden eben nicht aus. Warum war das so?”
Rechte Gewalt
Mindestens 152 Menschen starben seit 1990 durch rechte Gewalt, doch der Staat zählt weniger Tote. Die Zeit beschreibt das Problem. Und wo wir bei rechter Gewalt sind, die muss ja nicht gleich immer physisch sein. In der Bezirksliga wurde der Hamborner Torwart Onukogu rassistisch beleidigt. Wie diese u.a. vom Verband toleriert wird kannst Du hier erfahren.
Steubenville
Ein unfassbarer Vorfall in den USA. Zwei jugendliche Footballspieler werden wegen einer Vergewaltigung zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die amerikanische Presse ergreift Partei. Für wen? Für die Täter, die doch so eine hoffnungvolle Zukunft vor sich hatten. WTF?!
So oder so ähnlich finden täglich und weltweit Vergewaltigungen statt, Maike schreibt bei Kleinerdrrei darüber. Auch Charlott berichtet bei der Mädchenmannschaft über den Vorfall und die mediale Aufarbeitung. Lucie, die auch bei Kleinerdrei schreibt, bringt es knapp auf den Punkt:
Wo sind angesichts von #Steubenville eigentlich die Überschriften „USA kann seine Frauen nicht beschützen“ (as in: #Indien)?
— Lucie (@Autofocus) 19. März 2013
Und für alle die sich immernoch fragen was Rape Culture sei, geht es hier entlang.
Facebook und die Zensur – Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg!
Einige dürften es mitbekommen haben. Auch ich hatte die Geschichte von Domian auf Facebook geteilt. Der WDR-Talker veröffentlichte auf seiner Facebookseite oftmals Texte. Religionskritische Texte, Texte für die Homo-Ehe und zuletzt einen laut eigener Aussage recht wohlwollenden Text über den Papst. Domian dazu:
“Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?
Mein Text zum neuen Papst endete (nach ein paar kritischen Fragestellungen) mit den Sätzen:
‘Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr.’So etwas darf man nicht mehr schreiben? Hier schon übt Facebook Zensur aus? Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.”
Nun ließe sich leicht argumentieren, dass Facebook ihre Nutzungsbedingungen so gestalten dürfen wie sie wollen. Ich selbst lasse hier auch vieles in den Kommentaren nicht zu. Vieles was Du bei Spiegel z.B. zu Hauf lesen kannst. Auf trolliges Mackertum habe ich keinen Bock. Selten dient es der Diskussion. Nur ist Facebook eben kein Blog, sondern eine soziale Plattform. Dies ist der große Unterschied und dennoch ein Problem mit dem sich viele rumschlagen. Ich erinnere nur an die Reddit-Debatte die William Shatner kürzlich auslöste. Was muss Meinungsfreiheit alles ertragen können?
Auch könntest Du Domian besserwisserisch raten doch ein eigenes Blog aufzumachen, fernab jeglicher fremder Einflüsse. Doch wir wissen alle, dass Du auf Facebook die größte Reichweite hast, die meisten Menschen erreichst. Daher geben wir der Plattform gerne die Hand. Um gelesen, gesehen und gehört zu werden.
Und natürlich weil Menschen der Masse folgen. Dort fühlen sie sich wohl. Unter anderem, wo sie mit ihren Freunden sich austauschen können. Diskutieren können. Und das führt zu Problemen. So wie es René beschreibt:
“Im Normalfall ist das relativ bequem, aber es führt dazu, dass Facebook und Twitter die Verfügungsgewalt über eben diese Konversation erhalten. Und das wird zum Problem, wenn hier ein Konzern agiert, der seine Plattform mit puritanisch-amerikanischen Disney-Verstellungen sauber halten will.”
Und die Eingriffe werden vielen zu viel. Eine Chance für Dienste wie App.net. Auch Diaspora war eine gute Idee und scheiterte leider dennoch. Dabei brauchen wir genau das! Insbesondere Heavy User sind wieder bereit zu zahlen statt selbst weiterhin die Ware zu sein, statt Einschränkungen hinzunehmen. Doch bisher gilt das leider nur für einige wenige. Dabei zeigen im Software-Bereich viele Open Source Produkte, dass es auch anders geht.
Überrascht sollte keiner sein. Politische Zensur hat Inhaltiche Eingriffe haben bei Facebook eine lange Geschichte wie René auf Nerdcore beschreibt. Gut, dass dies wieder Thema ist. Wir brauchen vielleicht nicht diese Debatte. Aber wir brauchen ein erstarkendes freies Netz. Keinen nativen Scheiß, keine geschlossenen Räume! Dieses Jahr sollten wir lernen, dass “Do no evil”-Versprechen leere Worthülsen waren. Da sind auch Entschuldigungen hinfällig. Es zeigt schlicht was möglich ist und nicht möglich sein sollte.
Mehr zu Domian und die Eingriffe von Facebook
- Zensur bei Facebook? WDR-Talker Domian ist sauer
- Jürgen Domian wirft Facebook Zensur vor
- Ärger mit sozialem Netzwerk Domian erhebt Zensurvorwürfe gegen Facebook bei der Süddeutschen
- Die offzielle Entschuldigung von Facebook
In diesem Zusammenhang auch wichtig:
- Das Netz zurück erobern von Johnny Haeusler
- Meine Ableitung aus Johnnys Artikel, an der ich leider immernoch arbeite (Kaum Zeit)
- A Short History of Facebook Privacy Failure
Sick Sad World: Die Pressefreiheit in Deutschland
Okay, vorneweg. Das ist polemisch. Hier werden Sachen vermengt, die so direkt gar nicht zusammengehören. Andererseits geht es um Vielfalt und die dystopischen Anfänge, die jeder Verschwörungstheoretiker gerne zu Ende stricken will. Nimmt die Verknüpfung dieser verschiedenen Teilbereiche also als Dystopie wahr. Doch nimmt jede einzelne Meldung für sich ernst. Es ist die zeitliche Nähe und Ballung solcher Meldungen, die solche Konstrukte zulassen.
So veröffentlichten die Reporter ohne Grenzen ihre Rangliste der Pressefreiheit und siehe da: Deutschland rutschte auf Platz 17. Damit ist Deutschland hinter Tschechien, Jamaika platziert. Grund dafür?
“Problematisch ist hier vor allem die abnehmende Vielfalt der Presse.”
Jaha, haben wir ja gelernt und eingebläut bekommen. Guter Journalismus kostet was. Nur selbst die größten Verleger können sich das nimmer leisten. Schande aber auch. Gut, dass da dieses LSR kommt. Dumm nur, dass so vieles darin Quark ist. Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster veröffentlichte ein Gutachten in dem es heißt, dass das Leistungsschutzrecht zu Chaous führen würde:
“Wie die Bundesregierung auf eine kleine parlamentarische Anfrage hin zugibt, ist die Anwendbarkeit des neuen Leistungsschutzrechts aufgrund dessen Ausgestaltung als allgemein-abstrakte Regelung auf Dienste wie Facebook, Twitter u.a. nur mittels der Gerichte zu klären. Es drohen insofern jahrelange Gerichtsauseinandersetzungen und breite Abmahnwellen, die die Internetszene insgesamt über langere Zeit lahmen.”
Gut, also wären damit nicht nur die strauchelnden Massenmedien außer Kraft gesetzt. Gleichstand für Blogger und eigtl. alle Nutzer. Aber immerhin. Nicht alles schlecht in Schland: So heben die Reporter ohne Grenzen positiv hervor, dass es seit August 2012 ein neues Bundesgesetz gibt, das Journalisten stärker vor Durchsuchungen schütze. Für Forumsnutzer ist das natürlich nicht geltend. Selbst wenn das Forum zu einem journalistischen Medium gehört. In der Community der Augsburger Allgemeinen soll ein Nutzer den CSU-Politiker Volker Ullrich scharf angegriffen haben. Die betreffende Passage löschte die Augsburger Allgemeine auf Anfrage, doch die Daten wollten sie nicht rausgeben:
“Wir nehmen die Meinungsfreiheit und insbesondere den Schutz der Daten unserer Nutzer sehr ernst.”
Weniger ernst nahm das Ullrich, der daraufhin mit der Polizei anrückte und die Daten beschlagnahmen wollte. Welch Ironie bei dem streitbaren Voruwrf um den es ging. Die Augsburger Allgemeine habe dies zu Recht als Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit empfunden. Gilt also nicht so allumfassend dieses Durchsuchungsgesetz.
Apropos Pressefreiheit, da muss ich immer wieder an die Geschichte denken wie ein positiver Artikel über Windkraft nicht im Spiegel erschien. Die Story ist bereits älter, aber wirft einen Blick auf redaktionelle Arbeit den Du eigentlich nicht sehen willst. Hier wird der Fall ausgesprochen gut dokumentiert. Harald Schumann, damaliger Autor der abgelehnten Originalstory, erzählte über den Vorfall bei der Verleihung des Journalistenpreises “Der lange Atem” 2010:
Ja und sonst so? Wenigstens kommen wir doch immernoch an Informationen wenn wir wollen, oder? Irrtum. So sind z.B. 61,5% der Top 1000 Videos auf YouTube in Deutschland geblockt, weil YouTube davon ausgeht, dass die Musikrechte eventuell bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA liegen. Damit liegt Deutschland mit großem Vorsprung vor dem Südsudan und dem Vatikan. Ausnahme? Mitnichten! Google und Deutschland stehen seit langem auf dem Kriegsfuß. So wird beim Großkonzern immer wieder gelöscht. Bei der Entfernung von Einträgen landet Deutschland auf Platz zwei hinter Brasilien. Doch auch diese Meldung solltest Du mit Vorsicht genießen. Dies Zensur zu nennen wäre übertrieben, doch dass gerade bei solchen Banalitäten Löschungen so einfach und zahlreich sind, sollte beunruhigen.
Vorher auf dem Einhorn:
Quo Vadis BRD?! – Polizei und Pressefreiheit
Kommentieren

Eines meiner Hassthemen dieses Jahr. Ich hab mich dazu bestimmt schon 1000mal innerlich ausgekotzt, aber eben auch öffentlich. Zum Beispiel hier und hier oder auch hier. Und vielleicht ist dieses Bild am besten verständlich für die, die darüber meckern, dass ich nicht jeden verfickten Scheiß hier in der Kommentarspalte zulasse. Auch wenn ich denke, dass ich oftmals großen Bullshit dennoch durchlasse. Mein Fehler ist, dass ich zu oft hoffe Menschen dort abzuholen wo sie stehen und damit grandios fatal scheitere.
Sick Sad World: Iris Gleicke erklärt uns die Zensur im Netz
Iris Gleicke ist Bundestagsabgeordnete für die SPD und versteht den Transparenzansatz von Abgeordnetenwatch nicht. Nein, moment, es ist gar noch viel schlimmer. Die Anfragen die auf der Plattform eingehen werden gar noch zensiert. Denn sie enthalten nicht die E-Mail-Adresse der Absender. So schreibt Gleicke:
“Ich reagiere auf Anfragen über das Internetportal Abgeordnetenwatch in der Regel mit der Bitte, sich direkt über meine E-Mail-Adresse iris.gleicke@bundestag.de bei mir zu melden. Von Abgeordnetenwatch bekomme ich – wie übrigens alle Abgeordneten – grundsätzlich nur den Namen des Fragestellers und keine E-Mailadresse. Diesen ernsthaften Versuch persönlicher Kontaktaufnahme wertet Abgeordnetenwatch aber als Standardantwort und lässt ihn einfach unter den Tisch fallen. Ich empfinde das als eine Form von Zensur, die ich angesichts der Debatte über die Freiheit im Netz wirklich sehr bemerkenswert finde. [...] Gegen Transparenz habe ich überhaupt nichts. Wer sich an mich wendet, hat hinterher die Möglichkeit, meine Antwort ins Netz zu stellen, bei Abgeordnetenwatch oder wo auch immer.”
Weia, das ist also eine Form von Zensur? Nicht, dass ich Gleickes Ansatz nicht verstehen könnte. Sie hat da durchaus Recht, dass oft ein persönlicher Dialog via Mail nützlicher und sympathischer ist. Aber Zensur?! Was ist daran bitte Zensur?! Traurige kranke Welt… aber ey, es wird auch bei jedem gelöschten Kommentar gleich Zensur geschrien, wen wundert es da, dass die Meinung des DAU auch bei den Abgeordneten angekommen ist?!
Was passiert wenn man Webseiten sperrt
Sperren, das ist ja mal was. Erinnert mich an… nunja, lassen wir das. Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass in England Pirate-Bay gesperrt werden soll. Auf Drängen mehrerer Plattenlabels entschied ein britisches Höchstgericht, dass die fünf größten Internet Service Provider (ISP) des Landes die Torrent-Webseite wegen Urheberrechtsvergehen blockieren müssten.
Als das Urteil bekannt wurde gab es bereits Einwände von Bürgerrechtsorganisationen wie Open Rights:
“The Pirate Bay zu blockieren, ist sinnlos und gefährlich. [...] Dieses Urteil wird die Rufe nach einer breiteren und drastischeren Internetzensur in vielen verschiedenen Bereichen wie etwa Pornografie oder Extremismus anfeuern. Zensur hat aber noch nie den gewünschten Effekt gebracht, sondern nur Kriminelle in Helden verwandelt.”
Aber was mich viel mehr amüsiert ist folgende News. Denn seit dem Urteil hat Pirate Bay einen dezenten Besucher-Anstieg in England verbuchen können. 12.8 Millionen Nutzer mehr, die wissen wie man die Sperre umgeht und seine Anonymität und Privatsphäre wahrt.
Deutsche Bank gegen das Zentrum für politische Schönheit und die Schuld
Das Zentrum für politische Schönheit wurde mir von meinem Mitbewohner nahe gelegt. Ich kam noch nicht wirklich dazu mich damit auseinanderzusetzen. Seit kurzem geistert der Film “Schuld” durch einige Blogs und die Deutsche Bank fühlt sich diffarmiert. Jetzt will sie das Filmchen zensieren:
“Die Deutsche Bank hat angekündigt, Strafantrag wegen Verletzung des § 201 StGB zu stellen und den Film per 19.12.2011 zu verbieten. Der Leiter der Rechtsabteilung der Deutschen Bank fordert mit Schreiben vom 14. Dezember 2011, ‘die weitere Verbreitung und Vorführung des Interviews von Herrn Hartmann in dem Film zu unterlassen.’ Die Deutsche Bank behauptet, der Pressesprecher habe ein ‘vertrauliches Hintergrundgespräch zu Ihrer persönlichen Information’ geführt, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei. Der Kameramann des Films, Firas Sabbagh, erklärt: ‘Der Deutschen Bank ist peinlich, was ihr Pressesprecher gegenüber dem Zentrum für Politische Schönheit öffentlich erklärt hat. Frank Hartmann wurde darüber aufgeklärt, dass das Gespräch aufgezeichnet wird.’ – Auch die CSR-Abteilung der Deutschen Bank, aufgescheucht von der Passage, die nicht so recht ins Bild sozialer Verantwortung passen will, bot Gespräche an. Jetzt droht die Bank, sich an der Freiheit der Kunst zu schaffen zu machen.”
Die betreffende Stelle beginnt ab Minute 6:20:
Die Ironie ist doch dabei, dass Medienprofis noch nicht gelernt haben wie man in solchen Fällen damit umgehen kann. Das Vorgehen sorgt lediglich für den berühmten Streisand-Effekt. Aber wie wäre ein korrekter Umgang mit ungeliebten Aussagen im Netz?
Und wie pfiffig ist das denn bitte Kunst und Politik miteinander zu verknüpfen und sich dann auf die Freiheit der Kunst zu berufen? Ziemlich, oder?
Quo Vadis BRD?! – Polizei und Pressefreiheit
Nun hacken Blogger ja immer gerne auf der etablierten Presse rum. Oft zu Unrecht, manchmal zu Recht. Fefe nennt den Spiegel stets ehemaliges Nachrichtenmagazin und ich meckerte hier ob der Berichterstattung zur sogenannten spanischen Revolution. Statt zu meckern handeln die Leute von Castor TV und berichten dort wo etablierte Medien sich nur kurz blicken lassen. Castor, S21 und Occupy wird im Stile von Embedded Journalists dokumentiert. Genau hier liegt natürlich auch eine Gefahr. Eine Vorgehensweise, die nicht ganz zu Unrecht in Kritik steht. Wo man sonst als Zivilist in Uniform bei Kriegshandlungen ins Geschehen gezogen wird und somit Gefahr läuft die Distanz zu verlieren, droht auch der Journalist unter den Demonstrangen seine Objektivität zu verlieren. Wo wir bei einer Debatte wären, die fragen muss, ob Journalismus nicht viel zu oft meinungsgeprägt ist und das sogar sein darf.
Vielleicht ist dies der Grund, warum viele begonnen haben ihre eigene Presse zu machen und da durchaus nach journalistischem Vorbild arbeiten. Sei es das kleine Interview mal eben so für das eigene Blog oder die Reise ins Wendland um vom Castor-Transport zu podcasten. So auch John F. Nebel von Metronaut, der mit einem Kollegen eben dies machte und böse mit der Polizei zusammenstieß. Als “Gefahrenabwehr” wurde Fahrzeug und Equipment beschlagnahmt. Nun hatten die Metronauten auch keine Presseausweise, was vielleicht deren Schwierigkeiten erklärt, aber nicht wirklich das Vorgehen rechtfertigt. Wo eine Gefahr in Aufnahmeequipment bestünde ist für mich fraglich. Ganz zu schweigen, dass man versuchte einen illegalen Radiosender auf das Protokoll zu schmuggeln.
Nun hatten nich nur Blogger mit Behinderungen zu kämpfen, sondern auch die Presse an sich. So beklagt sich die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union über das “Unrechtmäßige Vorgehen der Polizei”:
“Fotografen, die sich sowohl durch den von dju, DJV, freelens, BDZV, DZV oder VDS ausgestellten Presseausweis als auch die von der Polizei erwünschte Akkreditierung legitimieren konnten, gezwungen worden, Bilder zu löschen. In anderen Fällen wurden Journalistinnen und Journalisten Schutzausrüstungen abgenommen, so dass diese vor Ort nicht mehr weiter arbeiten konnten.”
dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß auf Nachfrage vom Einhorn:
“Die Polizei hatte vor Ort eine zusätzliche Akkreditierung erbeten, wobei wir schon im Vorfeld klar gestellt haben, dass ein solches Vorgehen eigentlich nicht erforderlich ist, weil der von den Verbänden ausgegebene Presseausweis als Legitimation für die Journalistinnen und Journalisten als ausreichend betrachtet werden sollte.”
Gleichzeitig betont sie aber auch, dass die derzeit durch die Medien gehenden Fälle keine Häufung implizieren. Vielmehr kann von einem gleich bleibenden Niveau die Rede sein. Von einem Eingriff in die Pressefreiheit sollte man dennoch reden.
Schocken tun dabei vor allem Bilder wie das obige, welches die Piraten Hamburg online stellten. Nun muss man allerdings betonen, dass eine teure Kamera noch keinen Journalisten ausmacht und dem Bild jeglicher Kontext fehlt. Anders sieht es bei dem Foto aus, das der Spiegel mit der Bildunterschrift “Pfefferspray-Sprüher: Die Polizei geht auch gegen Fotografen und Journalisten vor” auf seine Webseite stellte. Hier darf man ruhig davon ausgehen, dass es sich um einen nachweislichen Pressevertreter handelt.
Doch egal ob Presse oder nicht, das gewaltvolle Vorgehen im Wendland erschrickt und wirft Fragen auf, die geklärt werden sollten.
So betont auch der dju ausdrücklich, dass Betroffene sich dagegen juristisch zur Wehr setzen sollten.
Wie Du an einen Presseausweis kommst, kannst Du hier erfahren. Leider richtet er sich bisher nach dem Kriterium der hauptberuflichen journalistischen Tätigkeit.
Time Magazine – USA vs. Rest der Welt
Das Time Magazine ist ein wöchentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin im Stile des Spiegels für den es höchstwahrscheinlich auch Vorbild war. In den USA ist das Heft Marktführer und hat Ableger für Europa, Asien und den Südpazifik.
Nun ziert die aktuelle Ausgabe des US-Magazins ein Cover, dass irritiert. Während alle anderen Ableger über das Wiederaufkeimen der Revolution in Ägypten berichtet, heißt es in den USA, dass Stress gut für einen sei.
Interessante Form der Selbstzensur, die nicht das erste mal auftritt. Hier einige Cover wo die USA ganz andere Titelstories wählte. Die Bibel vs. Taliban und der konservative Volltrottel Glenn Beck statt China. Also eindeutig die wichtigeren, interessanteren Themen…









