Lauter Bäumen – Wer sind wir jetzt?

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Cover von "Wer sind wir jetzt?" von Lauter Bäumen

Lauter Bäumen haben ihre ganz eigene Veröffentlichungspolitik entwickelt. Mit “Wer sind wir jetzt?” erscheint mittlerweile die vierte Vinyl-Veröffentlichung in Kleinstauflage. Sechs Songs auf 12inch, drei davon bereits vom Album “Mieser in den Miesen” bekannt. Oder sind es doch dreieinhalb? “Holzbein 2020” ist ein Remix/Edit der Albumversion. Mit “We hate it when our friends become successful” eine charmante Koop mit den Cuties von Bum Khun Cha Youth und der neue Song “Wer sind wir jetzt?” thematisiert die Krise(n) der Kulturbranche (nicht nur) in Zeiten von Corona. Musikalisch weichen die neuen Stücke ab vom Gitarrenindie des Debütalbums und setzen die LoFi-Ästhetik von “Im Kreis” fort. Geblieben sind Melancholie und Zweifel. Lauter Bäumen verpacken das Abgehängte in Töne ohne stumpf zu werden. Hallo Tristesse, hallo Traurigkeit, nimm mich in den Arm.

Die EP ist bei der Band per Mail/PayPal erhältlich. Streng auf 100 Stück limietiert. 180 g schwarzes Vinyl mit 250g Klappcover in PE Schutzhülle und 8-seitigem Booklet. Die 12″ kostet per Mailorder (inklusive 6 € Porto/Versand) innerhalb Deutschlands: 17,00 € PayPal: info@tumbleweedrecords.de oder reguläre Bankverbindung per Mail erfragen: lauterbaeumen@web.de.
Wieder gibt es die EP für einen selbst gewählten Preis auch auf Bandcamp:

Disclaimer: Ich selbst habe zwei Platten auf Tumbleweed Records veröffentlicht.

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Mein Plattenschrank mit Paul-Christian Erntges von Hauch Records

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Es ist immer wieder schön, wenn es neue Labels für Vinyl-Liebhaber:innen gibt. Hauch Records aus Düsseldorf ist so ein Label, das sich der experimentierfreudigen elektronischen Musik verschrieben hat. Mit dem Debüt von Pondskater und der 7inch von Van der Brügge gibt es zwei Releases, die ich ausdrücklich empfehle. Aber auch sonst ist das Label eine Entdeckungsreise wert. Paul-Christian stellt hier seinen Plattenschrank vor.

Der Plattenschrank von Paul-Christian Erntges (Hauch Records)

Welches Medium bevorzugt Du? Vinyl, CD oder Digital?
Seit sieben Jahren sammle ich Schallplatten, lege damit als DJ Edelescort auf. Spezieller Klang bei Vinyl, zudem konzentrierteres hören, mehr ein Ritual, eine Schallplatte zu hören, daheim. Kassetten mag ich, mir fehlt aber die Knete für ein Tapedeck gerade. Kaufstopp Vinyl, auch. Schöne Grüße
aus der Corona-in-Kombination-sonstiger-Hungerlöhne-bedingten Armut. Neben Schallplatten höre ich zuhause hauptsächlich via Spotify, unkompliziert, eigene Playlists, neben Alben, EPs und Singles.
CDs sind an sich klanglich ein gutes Medium, interessieren mich wie viele andere kaum noch und habe ich aufgegeben, weil das Artwork bei einer LP neben anderer Vorzüge schöner vermittelt ist.
Für Files habe ich vor dem Hintergrund von Streaming keine Verwendung mehr.

Wie sortierst Du Deine Platten? Meinst Du, dass das was über Dich aussagt?
Nach Genre, innerhalb der Genre alphabetisch, was den Artist-Namen angeht, innerhalb der Artists chronologisch. Das zeigt vermutlich, dass ich „ja“ zu dem ordnenden Prinzip der Genre-Schublade sage – und ich immer wieder an der Tatsache verzweifle, dass die mir liebsten Platten zwischen den Stühlen sitzen. Dass die Entwicklung eines Artist entlang der Zeit für mich von Interesse ist. Und, dass mir nichts besseres einfiel, als die Artists selbst alphabetisch zu ordnen. Vorher habe ich es mit einer Sortierung nach Label versucht. Stellte sich aber als unpraktisch heraus, weil ich von einigen Labels nur 1-2 Platten hatte und zudem einige Artists ihre Platten auf verschiedenen Labels veröffentlichten.

Eine Platte, von der Du Dich niemals trennen würdest?
Alle. Sonst wären die Platten nicht im Regal. Habe alle aussortiert, die mir nicht gefielen, sich als Fehlkäufe entpuppten.

Eine Platte, die Dir peinlich ist. Wobei das, was einem gefällt nie peinlich sein sollte.
Mir ist tatsächlich keine einzige Platte peinlich.

Und zum Schluss Dein Lieblingsmusikvideo um hier im Blog nicht ganz altbacken rüberzukommen und was multimediales anzubieten.
Oh, es gibt so viele phantastische Musikvideos, hier könnte ich nun viele nennen. Aber eines, was mich auf eine eigene Weise berührt, ist “Heart Shaped Box” von Nirvana. Kurt Cobain hatte wohl eine bereits ziemlich ausgereifte Vorstellung vom Video, als er auf Anton Corbijn zuging. Ich schätze das Video für die assoziative Art zu erzählen, die ausdrucksstarken Bilder. Mal davon abgesehen, dass kaum jemand ähnlich gut, lebensmüde, intensiv, poetisch, ikonisch drei Alben und ein paar Nebenschauplätze lang die Stimme erhob wie Cobain flankiert von Grohl und Novoselic. Grohl ist leider in Interviews ein freundlicher Langweiler, aber für mich auch der größte Rock-Schlagzeuger. Einmaliges Gespür für song-dienliches Schlagzeug, mit einer gewissen Finesse, ohne zu posen.
Mitverantwortet auch das für mich einzig wirklich gute Queens of the Stone Age Album “Songs for the Deaf”. Novoselic leistete bei Nirvana gute Arbeit, fiel mir danach aber nicht mehr besonders auf. Abgesehen von der ehrenwerten Tatsache, dass er bei der us-amerikanischen Punkband Flipper spielte, die ich durch den Einfluss auf die Berliner Rockband Mutter für mich entdeckte.

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Meine Lieblingssongs und Lieblingsplatten 2020

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Cover von "Free Love" von Sylvan Esso

Tatsächlich fand ich das Musikjahr 2020 recht gut. Meinen größten Kick habe ich aus dem Erforschen für mich neuer Genres geholt. Über meine neue Liebe zu Jazz habe ich hier bereits geschrieben. Da vor allem Coltrane. Aber auch ein paar aktuelle(re) Platten sind dazu gekommen, wie “Swirlling”, die erste Platte seit 20 Jahren vom Sun Ra Arkestra (Partnerlink), oder “The Afterlife” von The Comet is Coming (Partnerlink).

Das andere Genre, das mich dieses Jahr enorm begeisterte war Ambient. Durch Hainbachs YouTube Channel und sein wunderbares Album “Light Spitting” angefixt hörte ich mich durch die Ambient-Alben von Brian Eno, kramte “Chill Out” von The KLF raus und begann auch selbst mit Tapes und Elektronik zu experimentieren.

Mein Lieblingsalbum dieses Jahr dürfte allerdings “Free Love” von Sylvan Esso (Partnerlink) sein. Was für eine fantastische Platte!

However, hier also eine kleine YouTube-Playlist mit meinen Lieblingssongs von 2020, have fun!

Weitere Lieblingssongs:

– Lieblingssongs 2019
– Lieblingssongs 2018

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Höre, Staune, Gute Laune – Der Rondo-Labelsampler

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Irgendwann um 2005 lernte ich über Max von den Wildwood-Studios in Düsseldorf Franz Bielmeier kennen. Ich hatte damals bereits Jürgen Teipels “Verschwende Deine Jugend” (amazon-Partnerlink) gelesen und war damit ein wenig mit Rondo vertraut. Zudem waren die Wildwood-Studios mein zweites Zuhause und ich konnte mich in den Backkatalog des Labels reinhören.

Franz plante seine Singles als Sampler neu zu veröffentlichen. Zudem fanden sich in seinen Archiven unveröffentlichtes Material von denen mich besonders System und 2. Liga umhauten. Und da ich damals ein Label hatte bot ich Franz meine Unterstützung an. Natürlich war die Finanzierung eine Frage aber mit Carmen Knoebel, der ehemaligen Inhaberin des Ratinger Hofs, fand sich finanzielle Unterstützung. Während wir an dem Artwork für den Sampler arbeiteten erstellten wir so auch eine Archiv-Webseite unter rondo-ton.de, die es heute nicht mehr gibt. Eigentlich schade, denn neben vielen unveröffentlichten raren Aufnahmen aus der Punk/NDW-Anfangszeit in Düsseldorf fanden sich dort auch unzählige Fanzines. Natürlich das Ostrich von Franz und Ramon Luis, aber auch viele weitere Hefte.

Ich weiß gar nicht mehr wieso das Ganze dann nichts mehr wurde. Ich hatte damals definitiv keine einfache Zeit, soweit erinnere ich mich noch und auch, dass die Grafiksessions mit Franz sehr aufwändig und zeitintensiv waren. Anderseits waren wir bereits ziemlich weit fortgeschritten im Projekt. Da die Rohdaten mittlerweile verloren sind, ist meine Zuarbeit für das Projekt auch komplett verschütt. Sehr schade. Aber um so schöner, dass es den Sampler nun endlich gibt.

“Höre – Staune – Gute Laune: Rondo Singles + Sessions 1979-82” ist in kleiner limitierter Auflage bei dem japanischen Label Suezan Studio erschienen und ist wirklich wunderbar geworden. Die Doppel-CD kommt mit japanisch- und deutschsprachigem Booklet. Und tatsächlich wird mein kurzes Auftauchen in der Story dort auch erwähnt.

Vinyl-Fans haben es ein wenig schwerer und müssen auf die Originale zurückgreifen, aber das Gesamtwerk von 2. Liga (bei denen u.a. Junge von EA80 kurz mitspielte) gibt es als Vinyl-Reissue von 2016. Allerdings so rar, dass es recht teuer ist.

2018 erschien auch noch das bis dato unveröffentlichte Album “Total” von Europa, das auch für Rondo entstanden ist.

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Gratis: Thimbleweed Park – Delores

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Screenshot aus Delores: A Thimbleweed Park Mini-Adventure

Ich mochte Thimbleweed Park, das Comeback Point&Click-Adventure von Ron Gilbert und Gary Winnick die anno dazumal Maniac Mansion erschufen. Aber so richtig umgehauen wie ihre alten Spiele hat es mich dann nicht. Dennoch freut es mich sehr, dass jetzt mit “Delores: A Thimbleweed Park Mini-Adventure ” ein kleiner Gratis-Nachklapp kommt. Das kurze Spiel ist kein Sequel sondern einfach als Add-On zu verstehen. Gilbert dazu:

Das Spiel wurde fast vollständig aus vorhandenem Artwork, Geräuschen und Musik aus Thimbleweed Park gebaut, eher eine Neubearbeitung zu einem neuen Spiel, das als Ergänzung zu Thimbleweed Park gesehen werden kann.

Das Spiel gibt es im Epic Store oder bei Steam für Windows und MacOS. Have Fun!

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Musik mit Quent, Barczewski, John Coltrane und Miles Davis

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Records

In letzter Zeit habe ich Jazz für mich entdeckt. Alles fing mit “A Love Supreme” von John Coltrane (amazon-Partnerlink) an. Ich kann gar nicht mal sagen, dass ich vorher keinen Jazz mochte, ich habe ihn halt nur nicht gehört. Gut, natürlich gab es HipHop mit jazzigen Samples oder der akustische Fusion vom Tin Hat Trio (amazon-Partnerlink). Und dann war da noch das heißgeliebte Album “Ki-Oku” von DJ Krush mit dem Trompeter Toshinoro Kondo (amazon-Partnerlink), aber sonst?!
Es ist schon interessant wie viele Jahre ein Genre an einem vorbeirauschen kann. Als 12jähriger dachte ich sogar Queen wären Jazz-Musiker, schließlich nannten sie ja ein ganzes Album so.

Von Coltrane ist es dann gar nicht so weit zu Miles Davis und dessen Album “Kind Of Blue” (amazon-Partnerlink). Schließlich spielt Coltrane auf dem Klassiker ebenfalls mit. Im Gegensatz zu “A Love Supreme” hat mich “Kind Of Blue” nicht so abgeholt und ich wollte schon den voreiligen Entschluss treffen, dass ich wohl Coltrane und Saxophone lieber mag als Davis und Trompeten. Vom Gegenteil überzeugt hat mich “Sketches Of Spain” (amazon-Partnerlink). Eine wunderbare atmosphärische Platte. Ein Werk mit riesiger Besetzung welches auf Improvisation verzichtet und als das zugänglichste von Davis gilt. Ebenfalls ins Herz geschlossen habe ich “Olé” von Coltrane (amazon-Partnerlink), welches ähnlich wie “Sketches Of Spain” alte spanische Volkslieder aufgreift.

Aber es soll hier nicht nur um Jazz gehen, sondern auch um andere Musik. Mit Quent und Barczewski verbinde ich meine Zeit in Düsseldorf. Denn bei Quent spielt neben Veit König von Mikrovolt auch Lars Schmidt von Subterfuge mit und von denen habe ich anno dazumal eine schöne 7inch rausgebracht. Tatsächlich nehmen Subterfuge ein neues Album auf, aber dies nebenbei. Quent haben ihre Musik via Mailaustausch gemacht und sich in den letzten 15 Jahren dabei kein einziges Mal gesehen. Das selbstbetitelte Debüt ist im April auf Less Records digital und auf CD erschienen. Verspielter Indierockpop mit Elektronik der manchmal auch ein wenig nach NDW klingt.

Barczewski wiederum ist das Projekt von Manuela Barczewski, die einigee Zeit ebenfalls in Düsseldorf lebte und dort bei den tollen Soul’s Off Fire spielte. Mittlerweile wohnt sie in London und hat eine neue EP veröffentlicht. Die fünf Songs gibt es nur digital, aber dafür gibt es das Cover auch als Art-Print via Bandcamp zu bestellen. Wunderschöner atmosphärische Slowcore.

Hört rein!

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