Alejandro Jodorowskys Dune

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Jodorowskys Dune

Als ich “El Topo” (Partnerlink) von Jodorowsky das erste Mal sah war ich perplex. Ein wirklich surrealer Film von einem mir bis dato unbekannten Regisseur. Nicht weiter verwunderlich, schließlich ist sein Oeuvre mit sieben Filmen in 50 Jahren ziemlich überschaubar. Mitunter vielleicht, da eines seiner ambitioniertesten Projekte scheiterte.

Im Dezember 1974 erwarb Jodorowsky durch die finanzielle Unterstützung der französischen Produzenten Michel Seydoux und Jean-Paul Gibon die Rechte an Frank Herberts Science Fiction Epos “Dune”. Jodorowskys Plan war tollkühn. Ganze zehn Stunden sollte seine Verfilmung dauern. Für ihn war Dune “die Geschichte eines Mannes, der seinen Geist auf ein Höchstmaß trainiert, aber als er den Höhepunkt erreicht, jeglichen Kontakt zu seinen Mitmenschen verliert. Um diesen Kontakt wiederzufinden, versucht er, die ganze menschliche Art auf sein überlegenes Niveau zu bringen.”

Man könnte das nahezu Eins zu Eins auf Jodorowskys Projekt übertragen. Zu groß waren die Ambitionen. Alleine für die visuelle Gestaltung sollten Künstler wie H.R. Giger, Ron Cobb, Chris Foss und der Comiczeichner Jean “Moebius” Giraud verantwortlich sein. Die Aufgaben dabei waren klar aufgeteilt. Foss arbeitete hauptsächlich an Raumschiffen und Fahrzeugen. Moebius designte vornehmlich die Kreaturen und arbeitete am Storyboard auf dessen Basis H.R. Giger Entwürfe für den Planeten der Harkonnen erstellte.
Für die Spezialeffekte konnte Jodorowsky Dan O’Bannon gewinnen, der kurz zuvor mit “Dark Star” (Partnerlink) auf sich aufmerksam machen konnte.

Auch gab es schon Vorverträge mit Orson Welles (als Baron Harkonnen), David Carradine (als Herzog Leto), Salvador Dalí (als Paddischah-Imperator), Charlotte Rampling (als Lady Jessica) sowie Gloria Swanson (als Gaius Helen Mohiam). Paul Atreidis hätte von Jodorowskys Sohn Brontis gespielt werden sollen und Gerüchten zufolge waren auch Rollen für Mick Jagger, Alain Delon und Geraldine Chaplin vorgesehen.

Auch musikalisch hatte Jodorowsky schon eine klare Vision. So sollten die sich bekriegenden Herrscherfamilien der Atreides und Harkonnen durch zwei Bands musikalisch aufbereitet werden. Zum einen Pink Floyd und zum anderen Magma.

Die Vorproduktion war bereits weit fortgeschritten und ganze zwei Millionen Dollar des angestrebten 9,5 Millionen Projekts ausgegeben als sich erste Schwierigkeiten abzeichneten.
1976 besuchte Frank Herbert das Team in Paris und musste feststellen dass das Drehbuch mittlerweile die “Größe eines Telefonbuchs” hatte. Wäre es so umgesetzt wurden wäre der Film 14 Stunden lang gewesen. Auch wegen der hohen Kosten war er entsetzt. Dann bekamen ebenfalls die Geldgeber kalte Füße und sprangen ab. Neue Investoren ließen sich nicht überzeugen und Jodorowsky zog sich für 13 Jahre aus dem Filmgeschäft zurück.

Übrig geblieben sind viele Skizzen und Illustrationen sowie Notizen und Drehbuch.

Das künstlerische Erbe von Jodorowskys Dune

Interessanterweise waren die künstlerischen Verknüpfungen die aus diesem Projekt entstehen sollten durchaus andauernd und mitunter auch sehr erfolgreich:

Dan O’Bannon schrieb später das Drehbuch für “Alien”, an dem auch H.R. Giger, Chriss Foss und Moebius beteiligt waren.

Für Magma entwarf Giger dann 1977 noch das Artwork für das Album “Attahk”.

Jodorowsky und Moebius erarbeiteten die 13teilige Comicserie “John Difool”.

Bonus-Info: Chris Foss hat später auch das Artwork für “K.O.O.K” von Tocotronic erstellt.

Dokumentation “Jodorowsky’s Dune” von 2013

2013 veröffentlichte Regisseur Frank Pavich die Dokumentation “Jodorowsky’s Dune”, die die Geschichte des Film-Failures erzählt:

Die Dokumentation “Jodorowsky’s Dune” ist hierzulande leider nur als überteuerter Import erhältlich (Partnerlink).



    2 Kommentare:

  • Kunar schreibt am 26. Oktober 2012 um 20:43

    Das drittletzte Bild (“der dicke Mann”) wurde als Titelbild für das Buch “Der Gottkaiser des Wüstenplaneten” verwendet.

  • Eugen schreibt am 28. Oktober 2012 um 11:53

    Und das davor für “Die Zeitmaschine”

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