Pranger TV – Ein Sendekonzept

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Ich hab heute nachgedacht. Wie alle im Internet mach ich ja auch was in Medien. Ich bin in Medien, Du bist in Medien, wir sind alle in Medien. Und das legitimiert einen ja auch dazu überall mitmischen zu wollen, oder eben auch nicht. Auf jeden Fall habe ich nachgedacht wie ich aktuelle Debatten und die Medien für mich nutzen kann und kam auf die Idee einen eigenen Sender zu gründen.

Ich mag den von der Titanic erfundenen und durch Harald Schmidt populär gewordenen Begriff „Unterschichtenfernsehen“ nicht sonderlich, aber es wäre wohl genau das was mir vorschwebt. Vielleicht ist es auch Fernsehen für die Reichen und Mächtigen, denn man darf sich da nichts vormachen, das was man gemeinhin als „Unterschichtenfernsehen“ bezeichnet wird nicht nur oft von Reichen und Mächtigen gemacht, sondern ebenso von denen goutiert und konsumiert. Eben weil in jedem Menschen, egal welcher sozialen Klasse angehörig, die niederste Sensationsgeilheit befriedigt werden will.

Pranger TV ist also ein Sender der die konsequente Weiterführung von „Tatort Internet“ bedeutet, den Entertainment-Faktor und die Interaktivität jedoch noch weiter fördert.

Ein großer Teil des Programms besteht daraus, dass Journalisten als Lockvögel zu Straftaten anstiften. Das Thema Kindermissbrauch gehört dabei natürlich nicht ins Vormittagsprogramm, daher werden um diese Uhrzeit junge minderjährige Schauspieler nur zum Bier und Kippen holen geschickt. Vorteil des Konzeptes, hier lässt man es tatsächlich zum Strafbestand kommen. Laden- und Kioskbesitzer werden noch in der Sendung angezeigt.

Weiter geht es mit einem Talkshowformat namens „Blockwart“. Medienunerfahrene Bürger kommen ins Studio und erzählen über ihre Nachbarn, die sie stets gerne vor den Kadi bringen. Wo wir auch schon bei unserer Sendereigenen Gerichtsshow wären.

Okay, das ist alles noch nicht wirklich gut genug um einen eigenen Sender zu rechtfertigen, vor allem wo es sowas doch schon im deutschen TV gibt. Doch das Herzstück kommt noch. Hinter dem spielerischen Titel „Wer bin ich?“ verbirgt sich eine neckische Call-In Show. Unabhängig davon, ob Anrufer zum Moderator durchgestellt oder ob sie nur auf eine Bandansage geleitet werden, bezahlen sie 0,50 Euro pro Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom oder 0,70 Euro pro Anruf aus Österreich. Der Sender verdient damit pro Anruf mindestens 0,25 Euro bis maximal 0,32 Euro.

Pranger TV

Ziel der Show ist es anprangernswerte Mitmenschen live zu enttarnen. Je später der Abend, desto pikanter die Straftaten. Die Moderatorin, wir nennen sie einfachheitshalber Stephanie, animiert aufreizend zum mitmachen und füttert den Zuschauer mit immer mehr Informationen. Als erstes bekommt man nur ein verpixeltes Bild, dann Vornamen, Beruf, Alter, Familienstand und vage Angaben zum Wohnort. Zu Gewinnen gibt es neben Geldpreisen auch Hartz 4 Gutscheine, ein Jahr lang 5 Euro mehr oder ähnliches.

„Hallo?! Den muss doch jemand kennen! Stadtbekannt wegen Anzüglichkeiten!!!“, schreit Stephanie und rückt ihr Dekolleté zurecht.
„Drei Uhr morgens. Ihre Chance auf 500 Euro. Das muss doch jemand wissen. DENKT DOCH ENDLICH AN DIE KINDER!!!!“

Sie fasst sich ans Ohr bevor sie weiterfährt.

„Okay, ich gebe noch einen Tipp. Mein Redakteur wird sauer sein, aber ich mach das jetzt einfach. Ich leg jetzt auch nochmal 100 Euro drauf für den, der anruft und mir Namen und Anschrift korrekt nennt. Echt mal, der Sender wird mich töten. Aber so bin ich nunmal, geht ja um die Kinder. Achja, der Tipp. Bäcker ist er. Bäcker, schaut Euch das Bild nochmal an. Der erste Anrufer kriegt jetzt 600 Euro! ICH FASS ES NICHT! 600 Euro.“

Das Geräusch einer tickenden Uhr wird eingespielt.

„Oha, letzte Runde, es kann jeden treffen, der sich jetzt in der Leitung befindet. Also dran bleiben. JEDEN KANN ES TREFFEN.“

Es folgt ein Tuten.

„Ja Hallo?“, Stephanie lächelt in die Kamera.

„Ähhh ja, hallo?! Hallo?!“ Es hallt schrecklich und ein leichtes Feedback deutet sich an.

„Ja, wer ist denn da?“

„Ich bin die Tina aus Wesel.“

„Du Tina, kannst Du mal den Ton am Fernseher ausmachen, damit wir Dich besser verstehen können?!“

Es ist für einen Moment still und Stephanie lächelt vielsagend in die Kamera: „Wer weiß, vielleicht haben wir ihn gleich.“

„Ja, hallo?!“, Tina spricht hörbar eingeschüchtert.

„Ja, Tina aus Wesel. Wie alt bist Du denn?!“

„34“

„Ehrlich Tina? Du weißt, Du musst über 18 sein um hier mitzumachen. Nichts für ungut, muss ich fragen, könnte ja auch eine Journalisten von uns sein, die ein falsches Alter angibt.“ Stephanie zwinkert neckisch in die Kamera aber am anderen Ende der Leitung bleibt es still.

„Also Tina, weißt Du wer unser Gesuchter ist? Bäcker, stadtbekannt wegen Anzüglichkeiten?!“

„Ja, eh, ist es der Willy Stahlhaus? Bei dem hole ich jeden Morgen hier in Wesel meine Brötchen und der hat mal sowas Komisches gesagt als ich zwei Laib Brot holte, ich glaube der meinte meinen Busen damit.“

Ein Tröten setzt ein und hektisches Licht flackert.

„Ja richtig Tina, bleib in der Leitung, die 600 Euro sind dein. Es ist Willy Stahlhaus aus der Musterbergstr. 22 in Wesel. Bekannt für Grabschereien bei Auszubildenen und ich bin mir sicher nicht jeder von denen war schon volljährig.“ Stephanie zwinkert wieder in die Kamera, während auf der Leinwand hinter ihr das nächste verpixelte Portraitfoto eingeblendet wird. „Okay Leute, hier geht es um einen mutmaßlichen Junkie…“

Ich würde übrigens auch gerne ein Format für Kai Diekmann entwickeln, aber da fällt mir leider nichts ein. Euch vielleicht? Vielleicht was gemeinsam mit Sarrazin, Merkel und Seehofer? Ein Siebenaugen-Gespräch über Integration?



    7 Kommentare:

  • Marco schreibt am 18. Oktober 2010 um 21:12

    Wo ist eigentlich dein Flattr-Button?

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 18. Oktober 2010 um 21:47

    Ich bin ja eher der Reblogger, da finde ich flattrn nicht so doll, aber man kann flattr nur für bestimmte Inhalte freischalten, nicht?

  • Björn schreibt am 19. Oktober 2010 um 04:30

    Großartig!

  • Adolph schreibt am 19. Oktober 2010 um 08:18

    Ausgezeichneter Blogpost.Der Blog scheint sowieso ganz interessant zu sein. Immer weiter so.

  • Vorstadtprinzessin schreibt am 19. Oktober 2010 um 09:33

    Mein Gott….das wäre zu krass! Aber sehr kreativ deine Idee ;)

  • denis schreibt am 19. Oktober 2010 um 15:35

    lol.

  • Relativ schreibt am 1. November 2010 um 10:39

    hehe…. das is mal wirklich ne sehr interesannte sache^^… netter blog :)

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