Sick Sad World: Tatort Internet

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Es ist eine Farce. Stephanie Freifrau zu Guttenberg tut sich mit RTL II zusammen und stellt potentielle Sexualtäter in der TV-Sendung “Tatort Internet” bloß.

Öffentliche Auftritte sind wie auch Buchveröffentlichungen ihre Pflicht als Präsidentin der deutschen Sektion von Innocence in Danger und bereiten ihrem Verein gute Publicity.

“Tatort Internet” ist dabei keine Innovation. Vorbild ist das US-Format “To Catch a Predator”. Zu Recht gab es bereits bei dieser Sendung den Vorwurf, dass hier Verhältnisse geschaffen werden, statt über diese zu berichten. Journalisten geben sich als Minderjährige aus und erfüllen Erwachsenen den Wunsch nach einem Treffen. Das Konzept führte zu einiger Kritik und der britische TV-Kritiker Charlie Broker fasste es wie folgt zusammen:

“When a TV show makes you feel sorry for potential child-rapists, you know it’s doing something wrong.”

Bisheriger Höhepunkt des US-Vorbilds war dann der Selbstmord eines “Predators” im Jahre 2006.

Es geht hier nicht um Täterschutz. Doch gilt es zu erkennen, dass die Aufmachung der Sendung indiskutabel ist.

Man kann leider nur an der Intelligenz der Macher zweifeln, wenn ein solch sensibles Thema in Kooperation mit RTL II (“it’s fun.”) gebracht wird. Ein Sender, der Quoten mit Frauentausch, Big Brother und Co. aber nicht mit seriösem Journalismus macht.
Ein Sender der für Titten und Boulevard steht. Formate, wie z.B. diese Woche, Exklusiv – die Reportage zu dem Thema “Camping Extrem – Auch gerne nackt!” bringt.

Auch die Warnung, dass “Tatort Internet” als Pranger dienen könne wurde in den Wind geschossen. Schon jetzt wurden zwei “Täter” aufgrund gesendeter Hinweise geoutet. Selbstjustiz und Hetzjagd können also beginnen.

Das Format ist, ohne den Machern ehrhafte Absichten absprechen zu wollen, reißerisch. Und genau hier liegt der Fehler von der Produktionsfirma diwafilm und Stephanie zu Guttenberg, die bereitwillig das prominente Aushängeschild spielt. Einem Format das wie ein Krimi inszeniert ist, schnelle Schnitte, dramatische Musik. So schließt sich der Kreis und die Sendung passt wieder perfekt zum Image von RTL II.

Eine journalistischere Aufmachung hätte die Diskussionen wohl auf das eigentliche Thema gelenkt. Ein Thema wo es wirklich Aufklärungsbedarf gäbe.

Warum ist “Tatort Internet” dann letztendlich so geworden, wie es nun ist? Und da bleibt leider nur eine logische Antwort: Wegen der Quote.

Tatort Internet RTL 2

“Ihr geht es mit der Sendung nicht um Effekthascherei, sondern um Aufklärung”, wurde über zu Guttenberg in den RTL II News gesagt. Doch genau das ist zu bezweifeln, oder die gute Dame hat sich die fertige Sendung nie angesehen.

Hier wurde leider alles falsch gemacht.



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