Drei Literaturfortsetzungen die es nicht gebraucht hätte

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Herrje, da habe ich mir ein Thema ausgesucht mit dem ich bestimmt einigen Unmut auf mich ziehen werde. Natürlich ist meine Beurteilung hier betont subjektiv. Hier also drei Literaturfortsetzungen, die mir auf den Sack gingen.

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1. Wonniger Donnerstag von John Steinbeck

Ich bin riesiger Steinbeck Fan. Und insbesondere Die Straße der Ölsardinen hat es mir angetan. Eines der wenigen Bücher das ich mehrmals las.

Zu Recht war das Buch auch für Steinbeck ein großer Erfolg. In 32 Kapiteln werden episodenhaft Ereignisse erzählt, die sich immer wieder kreuzen und auseinandergehen. Bindeglied hierbei ist der Meeresbiologe Doc, ein herzensguter Eigenbrödler, der dennoch hilfsbereit der Gemeinde beisteht. Neun Jahre nach dem ersten Buch folgte das stringentere Wonniger Donnerstag in dem Doc sich in Suzy verliebt.

Es ist schwierig zu sagen, warum “Wonniger Donnerstag” unnötig gewesen ist. Es ist keineswegs schlecht, reicht aber in der Atmosphäre nicht an seinen Vorgänger heran. Vielleicht weil “Straße der Ölsardinen” vor allem vom behutsamen und genauen Beschreiben der Charaktäre und Handlungsorte lebte. Das hatte Steinbeck bei der Fortsetzung nicht mehr nötig, bzw. nur noch zu einem geringen Teil. Vielleicht ist es auch die stringentere Erzählweise. Gerade das Springen zwischen den Episoden machte das erste Buch zu was Besonderem. Als eigenständiges Werk ist “Wonniger Donnerstag”, wie nahezu alles von Steinbeck, empfehlenswert. Für die Leute, die sich in die alte Cannery Row verliebten, allerdings nicht.

2. Faust II von Goethe

Gut, eigentlicher Titel ist natürlich: Faust. Der Tragödie zweiter Teil in fünf Akten.
Dennoch muss man immer lächeln, wenn irgendwo von Faust II die Rede ist und denkt sich absurde Zusatztitel aus, wie es bei Filmsequels oft der Fall ist.

Auch der erste Akt ähnelt einem schlechten Filmdrehbuch. Wie schafft man einen neuen Anfang? Wie setzt man alles auf Null?
Achja, Faust kriegt von kleinen Elfen den Schlaf des Vergessens verpasst und so kann alles neu beginnen. Natürlich ist auch Faust II kein Scheiß und literarisch wertvoll. Man denke da nur an die berühmte Walpurgisnachtszenerie. Aber trotz allem scheint der Faust in der Tragödie zweiter Teil wenig mit dem im Ersten zu tun haben. War er seinerzeit noch ein grüblerischer Mensch mit philosophischen Wissendurst und Gier nach Zufriedenheit, so kommt er hier viel weltlicher rüber. Auch wird die Handlung, sofern man das überhaupt vergleichen darf, immer abgedrehter. Zeitreisen inbegriffen. Auch wenn ich mich mit klassischer Literatur schwer tue, genoss ich Faust I durchaus sehr. Faust II hatte es da bei mir nicht nur schwerer, sondern wartete mit (unfreiwilliger) Komik durch seine Absurdität auf. Jajaja, please kick me!

3. 60 Jahre später: Aus dem Roggen kommend von Fredrik Colting

Eine Ausnahme in dieser kleinen Liste. Sogar doppelt und dreifach. Zum Einen, weil dieses Werk nur schlecht erhältlich ist (scheinbar gibt es nur die in England verlegte Fassung) und zum Anderen weil ein fremder Autor sich um die Fortsetzung kümmerte. “60 Jahre später: Aus dem Roggen” ist nämlich tatsächlich die Fortsetzung von Salingers Klassiker Der Fänger im Roggen. Nun wissen aufmerksame Leser, dass ich Salinger zwar verehre, jedoch nicht unbedingt für den Fänger. Der dritte Punkt ist übrigens, dass ich diese Fortsetzung nicht gelesen habe und auch nicht sonderlich scharf drauf bin.

Warum? In der Fortsetzung, die die es lasen als Fanfiction bezeichneten, trifft Holden Caulfield, nun in seinen 70ern, doch tatsächlich auf J.D. Salinger selbst. Was für eine abgefuckte Idee. Die Reaktion des scheuen Autoren folgte prompt und zurecht. Er ließ die Veröffentlichung in den USA verbieten.



    Ein Kommentar:

  • Fabian schreibt am 15. November 2010 um 18:54

    Vorbildlich, dass hier regelmaessig gepostet wird.

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