Jung von Matt beweisen Talentlosigkeit, again

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Nunja, eigentlich gehört schon einiges Talent dazu in kurzer Zeit mehrmals so negativ aufzufallen. Um genau zu sein liegen zwei Vermutungen nahe. Zum Einen, dass beide Kampagnen vom selben Team erdacht wurden und zum Anderen, dass es lediglich Ziel der Werber ist durch schlechte Werbung aufzufallen. Denn bekanntlich gibt es ja keine Bad Publicity.

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die Anzeige mit der Jung von Matt nach neuen Talenten suchten. Das war dünnflüssiges Pseudohipstergelaber als Printanzeige. Koksen mit Terry Richardson und obendrauf gab es noch eine Prise Sexismus:

“JvM sucht Kreative. Also, so richtig, richtig Kreative.
(Oder rothaarige, bisexuelle Praktikantinnen.)”

Scheiße von Jung von Matt
[Klick für kompletten Text]

Nun sorgt die selbe Werbeagentur für Fremdscham bei Sixt, die im Firmenblog stolz als “beispiellose Guerilla-Aktion” bezeichnet wird. Nun darf man “Stoppt teure Transporte! Mietet Van&Truck von Sixt!”, mit dem als Atomkraftgegner getarnte Werber demonstrierten, getrost als nicht besonders geschickt bezeichnen, die Aufmerksamkeit ist Sixt und Jung von Matt allerdings sicher.

Es scheint logisch, dass ihr “Spaß” alle ernsthaften Atomkraftgegner und Demonstranten angreift. Zu leicht kann man die Aktion als Verballhornung verstehen. Das Medienecho bzw. die Kontakte, wie der Werbejargon sagen würde, ist Sixt und JvM sicher. Dennoch darf man Dummheit nicht mit Mut verwechseln.

Trotzdem amüsiert die Vorstellung welche Ideen als Nächstes kommen. “Mietwagen gegen Feuerschäden versichern!”, wäre ein toller geschickt formulierter Slogan für den 1. Mai.

Bei Nazidemos könnte man “Deutsche mietet deutsche Autos.” einsetzen. Die Grenzen scheinen schier endlos. Die des guten Geschmacks sind ja bereits überschritten. Aber Guerilla-Marketing hat zwei Richtungen.

[via blogrebellen]



    11 Kommentare:

  • Johannes schreibt am 8. November 2010 um 21:43

    Nenn mich dumm, aber ich finds gut. Immer auffe kacke haun. Das steht denen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. November 2010 um 21:49

    @Johannes, mhm, ich hab auch kurz nachgedacht. Guerilla Marketing an sich ist clever und schön und das sollte auch großen Agenturen zustehen. Aber bitte, mit dem Slogan? Mit der Aktion? Ich bin mir sicher, ein paar Lines mehr und da wäre was Cleveres rausgekommen.

  • melancholieunduebermut schreibt am 8. November 2010 um 22:16

    ich finde die erste anzeige richtig gut, weil die ironie doch unübersehbar ist. allerdings frag ich mich, warum die auf diesem weg bewerber suchen, da will doch eh fast jeder arbeiten;)

    und die zweite werbekampagne find ich zwar schon grenzwertiger, aber bei der werbung gehts nicht um moral – die aufmerksamkeit ist alles was zählt. und ich will lieber eine provokante werbung sehen als was langweiliges.
    außerdem ereicht die agentur ihr ziel durch diese werbung perfekt, einige blogger haben schon drüber berichtet. die werbeagentur hat das was sie will – und damit einen guten job gemacht.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. November 2010 um 22:25

    @melancholieunduebermut Ich sehe das anders. Wenn ich jetzt 10000 Leuten vor die Tür kacke und ein Fähnchen mit meinem Einhorn und der URL da reinstecke, habe ich auch Aufmerksamkeit sicher. Ist das ein guter Job?

  • melancholieunduebermut schreibt am 8. November 2010 um 22:45

    @daniel du kannst dann auf jeden fall mit einer massiven erhöhung deiner besucherzahlen rechnen.
    dann bist zu zwar für immer der blog mit den fähnchen in der scheiße – ob du dieses image haben willst, ist zumindest fraglich.
    werbung will doch nicht die welt verbessern oder freie kunst sein. werbung will, dass du kaufst und konsumiert und darüber sprichst.

    die werbung von sixt die auf das dienstwagenskandal von ulla schmitt angespielt hat, fand ich übrigens richtig gut, die war ja auch nicht gerade “nett”.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. November 2010 um 22:51

    @melancholieunduebermut Das ist hier ja auch die Frage. Klar wird drüber gesprochen. Das machen wir ja hier. Wird dadurch aber auch konsumiert bzw. gemietet? Wollen Sixt dieses Image?!

  • melancholieunduebermut schreibt am 8. November 2010 um 22:56

    @daniel die wollen provozieren, das kommt immer gut. das bleibt eben in erinnerung. und wenn dann der konsument überlegt, wo er ein auto mieten könnte – dann kommt ihm halt ziemlich schnell sixt in den sinn, weil er sich an die werbeaktion erinnert. mit biedermeierwerbung findet man nun mal keine kunden, und mit einem langweilerimage bist du weniger cool, als mit einem verwegenen, provokanten.

  • melancholieunduebermut schreibt am 8. November 2010 um 22:58

    ach ja, ich wollte noch sagen; die media markt werbung mit dem dummen mario barth find ich tausend mal schlimmer. aber auch da werden natürlich die meinungen auseinander gehen und das schlimme ist, dass meine eigenen argumente sogar für diese werbung sprechen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. November 2010 um 23:02

    @melancholieunduebermut Ich gebe Dir ja ebenso wie Johannes recht. Aber hey, diese Aktion ist zu schlecht um provokant zu sein. Der Slogan ist einfallslos. Und es ist in meinen Augen einfach deplaziert auf Demonstrationen zu werben. Das kennt man nur von der Loveparade.

    Gute Provokation weiß ich zu goutieren. Gute Werbung und gute Satire darf auch geschmacklos sein. Keine Frage. Aber dann sollte sie doch auch bitte “gut” sein. Aber das liegt auf jeden Fall im Auge des Betrachters und in meinen Augen ist das hier plump und Ideenlos und auf dem selben Level wie meine Slogans, die ich im Artikel erwähnte (Wobei das mit den Nazis natürlich viel geschmackloser ist, keine Frage!)

  • melancholieunduebermut schreibt am 8. November 2010 um 23:08

    hej daniel, ich denke, damit kommen wir auf einen konsens: provokation muss gut sein, damit man sie ertragen kann. geschmacklose provokation erzeugen zwar aufmerksamkeit, sollten aber zu einer klaren ablehnung des (kritischen) konsumenten gegen das produkt führen. wo dann die grenze zwischen guter und schlechter provokation ist, muss jeder selbst wissen, das ist schließlich eine geschmacksfrage.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 8. November 2010 um 23:12

    Word!

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