Das Einhorn und das Puderzeugs

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Einhorn-Kurzgeschichte: Einhorn und Tortula

Das dritte Abenteuer vom kleinen Einhorn in Xanadu. Hier geht es zu Teil 1 und hier zu Teil 2. Und nach dem Klick kommt Teil 3. Wie schon bei den ersten Teilen kommt das Bild wieder von @susealiaspaul.

Eines Morgens trabte das Einhorn aus seinem Haus und wollte seinen Augen nicht trauen. Ganz Xanadu war weiß. „Seltsam“, dachte es, „als ob jemand die Bäume, die Wiesen und alles andere angestrichen hat. Nein, es ist eher ein Überzug.“ Das Einhorn dachte nach. Es musste Zuckerguss sein, etwas anderes was so weiß und glitzrig und überziehend war, kannte es nicht. Es nahm einen großen Bissen. „Brrrrr“, schnaubte es und schüttelte sich. Das ist ja eisig kalt.
Es war nicht nur das erste Mal, dass in Xanadu Schnee fiel, sondern auch das erste Mal, dass das Einhorn in der sonst eher gemäßigten Waldlandschaft so etwas zu sehen bekam. Auch aus der Menschenwelt kannte das junge Vieh das glitzrige Puderzeugs nicht.

Schleunigst galoppierte es zu Trotula, die Schlaueste und Dickste aller Elfen, in der Hoffnung Aufklärung zu bekommen. Frierend und brummend schwirrte Trotula mit einer Schaufel vor ihrem Häuslein.
„Trotula“, rief das Einhorn ganz aufgeregt.

Trotula erschrak und ließ die Schaufel fallen. Verwirrt blickte sie umher. Wer sprach da? Zaghaft und ängstlich stieß sie ein fragendes „Hallo?“ hervor. „Trotula!“, entgegnete das Einhorn abermals. Doch die adipöse Elfe sah es nicht an. Nein, sie wich zurück. Was war los? Trotula konnte niemanden entdecken. Überall wo sie hinblickte sah sie nur glitzriges Weiß. Einhorn sah an sich herab und sah Nichts. Jetzt taumelte es auch schreckhaft zurück. „Wo bin ich?“, fragte es sich leise. „Ich bin weg. Überall nur dieses glitzrige Zeug.“ Dann begriff es, es war camouflagiert. Besser getarnt als ein Stealth Bomber passte sich sein glitzerndes Fell dem Schnee an. Niemand konnte es sehen. Was für eine Chance, was für eine Möglichkeit. Unsichtbarkeit, was man damit alles anstellen könne.

Langsam schlich sich das Einhorn davon, selbst seine engste Vertraute solle nichts von seiner neu erworbenen Fähigkeit wissen. Das Einhorn wollte gerade zurück zu seinem Haus, als es am Markt vorbeischritt. Plötzlich grummelte sein Magen. „Auweia“, dachte es sich, „ich bin schrecklich hungrig. Ich könnte doch…“

Langsam schlich sich das Einhorn zum Kuchenstand. Stellte sich direkt davor und präsentierte sich den emsigen Pinguine, die den Stand betreuten, in seinen schönsten Posen, die es oft anwendete, wenn es Modell für kitschige Airbrushbilder stand. Keine Reaktion. Das Einhorn schnitt Grimassen. Auch keine Reaktion. Die Pinguine sahen es nicht, da nahm es beherzt einen großen Happs von der buntesten Torte in der ersten Reihe.

„Huh“, schrie Rolf, der Meisterbäcker der Pinguine, der das große Loch im Backwerk sah. „Habt ihr das gesehen? Die Hochzeitstorte, total hinüber, als wenn jemand einen Bissen genommen hätte.“
Happs, Happs. Nur drei Bissen und die Torte war nicht mehr. Böse sah er zu Pit rüber, einem verfressenen untersetzten Taugenichts im schwarzen Frack. Pit bemerkte den anschuldigenden Blick sofort und schritt mampfend sofort zur Verteidigung: „Ich war das nicht, ich hab hier doch meine Krapfen.“

Platsch, Rolf paddelte Pit eine und im Nu war eine wilde Kuchenschlacht im Gange. Das Einhorn kicherte und trabte davon.
Als es an der Pandatagesstätte vorbei kam war alles wie immer. Faul lagen die Pandas rum und wälzten sich in Lethargie statt im Schnee. „Diese faulen Pandas“, dachte das Einhorn, „die brauchen mal ein wenig Bewegung.“ Einhorn formte einen Schneeball und schmetterte diesen einem der Bären an den Schädel, formte noch einen und traf das Gesicht des Gegenübers. Hätten die Pandas keine schwarzen Augenmasken, sofort hätte sich ein blaues Auge gebildet. Im Nu entwickelte sich eine wilde Schneeballschlacht zwischen den Bären und das Einhorn kicherte ob des Spektakels und beobachtete das Getümmel.
Doch als es dann da so stand und die heulenden und sich prügelnden kleinen Pandabären so sah, fühlte es sich ganz schuldig und schlecht und ergriff die Flucht.

Auf seinem Rückweg kam es am Kuchenstand der Pinguine vorbei. Diese waren nicht nur ziemlich lädiert, auch hatten sie nichts mehr zu verschenken. Rolf weinte bitterlich in seinen fedrigen Frack: „Wie soll ich das nur den Tieren erklären?! Kein Kuchen mehr da und dann noch die Blamage wegen der verschwundenen Hochzeitstorte.“

Das Einhorn schluckte. War das alles seine Schuld?! Verstört galoppierte es Heim und warf sich heulend auf sein Bett. Presste Brillanten und Diamanten aus seinen Tränenkanälen. „Was habe ich nur getan?! All das Leid und die Traurigkeit.“ Ganz elendig fühlte es sich und ihm bedurfte es nach Kümmerung. Da kam ihm eine Idee: „Nein, nicht ich brauche Kümmerung, sondern all die, die ich heute erschrak und verschaukelte.“ So kehrte das Einhorn all die vergossenen Brillanten und Diamanten zusammen und machte sich auf den Weg. Besorgte Backwaren für die Pinguine, Geschenke für die kleinen Pandas und einen besonders schönen Schneepflug für Trotula.



    Ein Kommentar:

  • susealiaspaul schreibt am 29. Dezember 2010 um 18:35

    ich brauche dringend einen scanner. die bilder sehen immer so beschissen anders aus =/

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