Egalia – Vorschule ohne Geschlecht in Schweden

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Egalia Vorschule in Stockholm

Geschlechterklischees werden uns schon früh auf den Weg mitgegeben. Jungs tragen blau und spielen mit Autos und Mädchen tragen pink und spielen mit Puppen. Anders ist das in der Egalia-Vorschule in Stockholm. In der durch Steuergelder finanzierten Vorschule vermeiden die Betreuer Worte wie “Jungs”, “Mädchen”, “er” oder “sie”. Stattdessen werden die Kinder im Alter von 1 – 6 Jahren als “Freunde” angesprochen.

Alles ist bis ins Detail geplant. Plastikküchen neben Legosteinen, die Farben, das Spielzeug allgemein und auch die Bücher. Die drehen sich oft um homosexuelle Pärchen, alleinerziehende Eltern und adoptierte Kinder. So wie das Buch über zwei männliche Giraffen, die traurig sind, dass sie keinen Nachwuchs haben können bis sie ein verwaistes Krokodil-Ei finden.

Dabei muss sich das Projekt aber auch einiges an Kritik gefallen lassen. So fragen Kritiker wo denn noch die Wahl bliebe, wenn die Buchauswahl heteronormative Beziehungen gar nicht in Betracht zieht.

Bisher ist Egalia weltweit einzigartig. Mir persönlich gefällt die Idee ganz gut, auch wenn ich manche Detailfragen, vor allem was die Verwendung der Sprache angeht, anders sehe. So gibt es bei Egalia einen geschlechtsunspezifischen Neologismus der im Deutschen wohl “Ser” wäre. Eine Mischung aus “Er” und “Sie”.

Ich kann durchaus verstehen warum das gerne gemacht wird, aber eine Sprache zwanghaft umzuformen ist eine Verschwendung von Energie. Das ist unrealistisch. Auch stellt sich mir die Frage, ob die ErzieherInnen in der Vorschule Geschlechterklischees vermeiden. So ist im Originalartikel lediglich von Erzieherinnen die Rede, was in Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen leider der Norm entspricht. Auch so werden Geschlechterklischees den Kindern indirekt vorgelebt.

[via neatorama]



    9 Kommentare:

  • Fred schreibt am 29. Juni 2011 um 14:33

    Nun ja, das „Ser“ hat ja schon irgendwie eine Berechtigung, wenn es das Ziel ist, die ausschließliche Zweigeschlechtlichkeit in Frage zu stellen. Dabei wird an sich ja ganz simpel umgangen, dass sich Kinder diverse Begriffe für allerlei Geschlechter zu merken brauchen. Finde die Reduzierung auf ein Wort wie „Ser“ eigentlich eine ganz interessante Idee, weil sie halt alle möglichen Geschlechter mit einbezieht.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 29. Juni 2011 um 16:47

    Die Idee mag ich auch, aber Sprache ist ein solch komplexes Konstrukt, das man kaum bewusst prägen kann. Man denke da nur an so nen Quatsch wie “sitt”, eine Aktion von – wenn ich mich nicht irre – Lipton und dem Duden, die Analog zum Wort “satt” eines für “nicht durstig” einführen wollten. Klar, das ist ein Werbegag, aber Werbung hat enorme Strahlkraft und nichts war am Ende mit “sitt”.

    Sprache passiert und ist lebendig. Da konservativ oder eben auch progressiv vorgehen zu wollen hat keinen Sinn. Die Änderungen im Sprachgebruach werden aus der Gesellschaft übernommen und NICHT umgekehrt.

  • Serienfan schreibt am 29. Juni 2011 um 17:18

    Viele Familien überlassen zum Glück den Kindern selbst zu entscheiden womit sie spielen wollen. Jedenfalls in Deutschland.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 29. Juni 2011 um 18:24

    @Serienfan Das ist in Egalia ja auch so. Zumindest weiß ich nicht wie Du darauf kommst, dass es nicht so wäre.

  • susealiaspaul schreibt am 29. Juni 2011 um 22:52

    das finde is unglaublich dämlich!!!!!!!! mehr fällt mir dazu nicht ein.

    (stimmt nicht ganz, eigentlich fiele mir einiges ein, aber ich reiße mich zusammen.)

  • Peter M schreibt am 30. Juni 2011 um 01:35

    Erinnert mich an das hier:
    http://www.gehirnverschmutzung.info/neusprech_phase1.php

    “Benutzen Sie nicht das Wort Anrufbeantworter
    Warum sollte dieses Wort aus dem Sprachgebrauch verschwinden? Könnte den Eindruck erwecken, Frauen hätten keine Ahnung von Technik.
    Sagen Sie statt dessen lieber…
    Anrufbeantworter(in) ”

    doppelplusungut

  • kaha schreibt am 5. Juli 2011 um 12:27

    In der Finnischen Sprache gibt es seit eh und je nur ein Wort für sie und er: HÄN. :-)
    Ich verwechsle immer noch nach 15 Jahren DE-Aufenthalt ab und zu “er” und “sie” miteinander – ich weiß genau, dass es z.B. um einen Mann geht und sage “sie”. Das macht meine finnische Bekannte auch. ;-)
    Beruf- und sonstige Bezeichnungen sind im Finnischen geschlechtsneutral – z.B. keine verräterische in-Endung. ;-)

  • Summer Wandrie schreibt am 25. November 2013 um 10:10

    Das finde ich übertrieben. Egal obe wiblich oder mänchlich lastig. Die Sprache ändert nichts an den Problemen – das können nur die Menschen !

  • Skyler schreibt am 17. März 2015 um 20:30

    Im Schwedischen gibt es schon seit einiger Zeit das geschlechtsneutrale “hen”, und wurde nicht extra für diese Vorschule “erfunden”. Es wird natürlich noch nicht von Allen benutzt (vor allem nicht von älteren Leuten) aber soweit ich gehört habe ist es zb in den Gesetzestexten verankert und ist auch sonst voll im kommen, dh wird in Schweden in Zukunft überall benutzt werden. (meine diesen Kommentar nicht als Kritik, sondern nur als kleine Anmerkung, für die dies interessiert^^) lg, eine schwedisch-lernende person :)

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