Raubkopieren, GEMA, Urheberrecht und blabla…

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Als ich meine erste 7inch veröffentlichte googelte ich naiv nach Besprechungen. Und so fand ich in einem Forum die Bitte, dass jemand das kleine Vinyl doch rippen solle, weil man selbst keinen Plattenspieler besäße.
Das Gefühl “bestohlen” zu werden wurde schnell davon übertüncht, dass hier jemand wirklich meine Musik hören wollte. Doch das sehen andere anders. Nicht zu Unrecht beschwert sich nun Sven Regener von Element Of Crime. Ihm ist dabei klar, dass er mit diesem Thema schnell als “uncool” gelten könne. Die derzeitigen Reaktionen im Netz zeigen, dass er damit Recht behalten sollte. Dass er dabei eine erstaunlich konservative Haltung einnimmt, ist ihm selbst wohlmöglich nicht bewusst. Der Kulturverlust, von dem Regener redet, scheint dabei auch arg überdramatisiert.

Dabei ist es nicht abzustreiten, dass großartige Indies wie L’age d’Or oder Louisivlle Records ihre Pforten schließen mussten. Die meisten dort gesignten Musiker fanden aber schnell wieder Zuflucht und machen weiterhin Platten. Sogar die scheußlichen Navel bei denen ein Kulturverlust gar nicht weh getan hätte. Junge Musiker gewöhnen sich daran Musik als Nebenverdienst zu sehen und schaffen dennoch tolle Musik. (Sorry für diesen eitlen Link ;))

Was diese Debatte allerdings mal wieder zeigt ist, dass ein komplexes Thema von allen Seiten zu kurz gefasst wird. Und vor allem wie verhärtet die Fronten mittlerweile sind. So wird die Raubkopie von Opinionleadern und Aktivisten gerne mit der Privatkopie verwechselt. Da wird dann in unnötigem Blabla erklärt warum Raubkopieren okay sein soll ohne es wirklich auf den Punkt zu bringen, sondern lediglich Werbung für Zukunfstmodelle zu machen. Headline galore! Godwin galore! Opinionleader sind halt auch nur Führer.

Der eigentlich von mir sehr geschätzte Verein der Musikpiraten, der übrigens wenig mit der Piratenpartei zu tun hat, stellt eine Studie mit methodischen Schwächen vor um nachzuweisen, dass Künstler in Deutschland immer mehr verdienen. Kritik hagelte es sofort von der VUT, dem Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V, und dem Composers Club, der schrieb:

“Der Urheber hat nichts von kostenlosen Nutzungen im Netz. Er partizipiert auch nicht an den Gagen der Künstler oder deren Werbeverträge. Er schreibt die Musik und ist auf die Tantieme angewiesen.
Um diesen feinen aber in seiner Wirkung dramatischen Unterschied geht es hier. Diskussionen über das Urheberrecht sollten also auf dem richtigen Spielfeld mit den richtigen Mannschaften stattfinden.”

Dass die Nutzer ebenfalls zu den Mannschaften gehören sollten wird hier wieder vergessen. Dass der Composers Club scheinbar ausschließlich auf Fälle anspielt in denen Urheber und Interpreten unterschiedlich sind ist auch auffallend. Es ist nicht so als ob ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte, aber für jeden sollte es mittlerweile offensichtlich sein, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Die GEMA ist selbstverständlich nicht so böse wie es viele darzustellen versuchten. Tantiemen für den Einsatz in Werbung, TV oder Filmen bringt vermutlich vielen Künstlern die einzig nennenswerten Einnahmequellen. Ohne GEMA wären diese kaum möglich. Sieht man von aternativen Modellen wie dem von Freibank mal ab. Ich war bewusst nie GEMA-Mitglied und hatte als Labelbetreiber erst diese Woche eine unerfreuliche Episode wo die GEMA mir durch einen Abrechnungsfehler mehr als 100 Euro berechnen wollte.

Ein gleichnamiger Titel eines gemapflichtigen Interpreten wurde statt des gleichnamigens freigestellten Titels berechnet. Zeit und somit Geld kostet die Richtigstellung. Böswillige Menschen würden Schikane rufen und Absicht unterstellen. Was vor allem am Auftreten der Verwertungsgesellschaft und undurchsichtigen Schlüsseln liegt sowie unsinnigen Verfahren wie der GEMA-Vermutung.
Dennoch sollte man verstehen, dass eine Industrie die derart in der Kritik steht wie diese, sich eben auch aggressiver wehrt. Für den Laien bleibt es dennoch unverständlich. Wieso zahle ich 36 Euro für mein Smartphone an die Verwertungsgesellschaften, wenn Songs und Streamingangebote doch auch was kosten? Wie kommt dieses Geld den Künstlern zu Gute?

Und vor allem, wenn ich auf meinem Smartphone nur Pavement höre, warum kriegt dann vermutlich Westernhagen was von der Kohle?! Wie wird das Geld der unzähligen Uni-Radios ausgeschüttet? Nur wenige, auch wenige der Kritiker, wollen das Urheberrecht abschaffen. Oder die GEMA. Vielen geht es um eine Novellierung von Beidem die bitter notwendig ist. Der Sysiphos-Kampf der Musikindustrie wirkt rückständig und kindisch, ist aber in Anbetracht der Gegner nachvollziehbar. Denn diese greifen oft genug auch zu dreckigen Tricks. Man nehme nur folgende Grafik, die Raubkopien zu rechtfertigen versucht. Ganz nach der Logik, dass im Großkonzern klauen weniger schlimm ist als beim Tante Emma laden. Nur wird hier nicht zwischen Tante Emma und Großkonzern differenziert.

RaubkopieSowas geht natürlich nur auf, wenn die dargestellte Infrastruktur überhaupt existiert. Empirisch gesehen könnte ich eine ganz andere Grafik erstellen. Als Künstler der seine Platten selbst auf seinem eigenen Label veröffentlichte sieht das ganz anders aus. Die Gewinnspannen für andere Acts auf meinem Label ebenfalls. Wenn man da überhaupt von “Gewinn” sprechen darf. Und so ist es bei vielen kleinen Labels. Hier wird eine Struktur übertragen und vermeintlich bloßgestellt, die wahrscheinlich nur auf die Größten der Größten zutreffen dürfte. In Zeiten in denen immer mehr Künstler ihr eigenes Label gründen verdient eine solche Grafik zunehmend das Prädikat “Bullshit”!

Genau solcher Bullshit ist aber auch, dass alle Gegner des Urheberrechts dieses komplett abschaffen wollen und, so Regener, den Urhebern ins Gesicht pinkeln. Rock’n’Roll ist auch heute keine Frage mehr der identitätsstiftenden Band, sondern eine der richtigen Gadgets. Sorry Sven, finde ich auch nicht schön. Ist aber so.

Ich konnte von meiner Musik nie leben und wollte es nie, aber ich verstehe dass Leute das gerne wollen. Für diese haben sich die Zeiten unweigerlich geändert. Es ist fraglich, ob sie die Uhr zurückdrehen oder anhalten können. So leid es mir tut. Das Zeitalter der Verwertungsgesellschaften, das gerade mal etwas mehr als 100 Jahre bestand, wird zu Ende gehen. Die Frage ist lediglich wie schnell oder langsam. Da beide Seiten sich wie verbohrte Kindsköpfe aufführen dürfte es noch lange dauern.



    22 Kommentare:

  • Marc Wahlert via Facebook schreibt am 22. März 2012 um 13:07

    unfassbar..

  • Joerg Nawra via Facebook schreibt am 22. März 2012 um 13:10

    “Opinionleader sind halt auch nur Führer.” Ganz groß! :-)

  • LeDouche Suresh via Facebook schreibt am 22. März 2012 um 13:26

    Also das dümmste Argument pro Kopie ist “der Eigentümer verfügt danach ja immer noch über das Original”.

    Es geht nicht darum ob dem Eigentümer was fehlt, sondern darum, dass du dir etwas gegen den Willen des Eigentümers angeeignet hast.

  • pell schreibt am 22. März 2012 um 13:29

    1999 war auf Yahoo “mp3” das häufigste Suchwort (sogar “Sex” wurde damit übertrumpft). Die Labels haben bis ungefähr Mitte der 2000er nichts damit angefangen. Aber davon abgesehen, kenne ich eben auch sehr viele Musiker die einfach Musik machen, die Auftritte geben und Dank des Internets sehr viel mehr Menschen erreicht haben als sie früher möglicherweise gekonnt hätten. Die Gruppe jener Leute, die reich werden, ist eben geschrumpft. Das tut mir Leid, bedeutet aber einfach nicht viel. Niemals werden Musiker aufhören, Musik zu machen und selbst wenn die Plattenfirmen aufhören, davon zu profitieren. Ich glaube sogar daran, dass früher oder später wieder “große” Bands existieren werden, die wirklich “die Massen” begeistern. Spätestens dann, wenn es nicht mehr uncool ist, wenn die eigene Band die kleine Szene verlässt.

  • Tobias schreibt am 22. März 2012 um 13:39

    Guter Artikel. Sehe ich ähnlich.

  • mischa schreibt am 22. März 2012 um 15:18

    Fast-sehr-guter Artikel. Neben dem lobenswerten “kühlen Kopf” hat mich aber eine Sache gestört:

    Auch Du übernimmst die Behauptung, die GEMA bekäme alles von den berüchtigten 36,-€. Das ist falsch!

    Die _gesamte_ Urheberrechtsabgabe auf ein Gerät X beträgt 36,-€.

    Diese 36,-€ gehen an die “Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ)”

    Die ZPÜ teilt diese Summe auf die verschiedenen
    Verwertergesellschaften (GEMA, VG-Wort, VG-Bild-Kunst) auf.

    Die GEMA erhält von dieser Abgabe also maximal ein drittel, in diesem Fall also max. 12,-€.

    “Die GEMA ist selbstverständlich nicht so böse wie es viele darzustellen versuchten.”

    ;)

    Interessant in diesem Fall sind die einzelnen Pauschalbeträge der Geräte, hier nachzulesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe

    Ansonsten bin ich aber kein Freund von denen… :P

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 22. März 2012 um 15:20

    Danke, korrigiere ich!

  • mischa schreibt am 22. März 2012 um 18:16

    ich muss meine lautstarken Behauptungen zurücknehmen bzw. korrigieren:

    Die ZPÜ ist ein Zusammenschluss von mehr als den genanten drei Verwertungsgesellschaften.

    Wikipedia sagt (http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralstelle_f%C3%BCr_private_%C3%9Cberspielungsrechte):

    Die Gesellschafter der ZPÜ sind (Stand: 2011):
    *GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte)
    *VG Wort (Verwertungsgesellschaft Wort)
    *VG Bild-Kunst (Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst)
    *VFF (Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH)
    *GWFF (Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten mbH)
    *VGF (Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken mbH)
    *GÜFA (Gesellschaft zur Übernahme und Wahrung von Filmaufführungsrechten mbH)
    *GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH)

    Weiterhin steht meine vorher geöffnete Rechnung auch auf wackeligen Beinen. Selbst wenn ich nur drei Gesellschafter zugrunde lege bedeutete das ja nicht, dass die zu gleichen Teilen bedient werden…
    kann ja trotzdem sein, dass die GEMA von den 36,-€ 20,-€ einsackt… sorry für meine Falschkorrektur.

    Ich versuche jetzt mal einen Verteilungsschlüssel heraus zu finden

  • Philipp schreibt am 22. März 2012 um 19:28

    Ich glaube Comment-Debatten bringen relativ wenig, aber ein paar Punkte möchte ich gerne hinzusteuern.

    Daniel,

    (1) Ich verstehe nicht warum du so ein endgültiges Statement abgeben musst zum Urheberrecht. Das ist auch etwas paradox, denn auf einen Seite sagst du die GEMA muss/soll nicht abgeschafft werden, aber auf der anderen Seite sind Urheber “fucked”. Deutschland ist durch sinnvolles Wissensmanagement, Urheberrecht und Patente zu dem geworden was es ist. Stichwort: Innovationskraft und Innovation als Wachstumsfaktor. Muss es ein endgültiger Sieg von einer der beiden Seiten sein? Musikpiraten vs. GEMA/Urheber/Künstler/GVL etc pp.? Ist eine Annährung beider Seiten nicht viel sinnvoller? Und würde das dem Gesamtsystem nicht viel mehr bringen?

    (2) Wachstum nicht immer gut, aber in diesem Fall geht es gar nicht mehr um Wachstum, sondern um die Vermeidung des Schlimmsten: Kunst nicht zu einem wertlosesen Allgemeingut zu dekradieren. Es ist ja schön das du nicht von deiner Musik leben musst, aber mal ehrlich…ich lese deinen Blog gerne…aber deine Musik würde ich mir auch nicht anhören. Was soll das für ein Argument sein?! Du hast gar kein Recht (!) aus Sicht eines professionellen Musikers und/oder Urhebers zu argumentieren weil du offensichtlich keiner bist. Klingt jetzt irgendwie böse aber machen wir doch einfach mal Butter bei de Fische.

    (3) Du sagst die Konsumenten sind auch Mitspieler? Seit wann? Es sind die Zuschauer im Stadion. Das ist überall so. Warum soll das in der Musik anders sein? Woraus begründet sich denn bitte dieses Mitspracherecht?

    (4) Natürlich kriegen Record Labels den Löwenanteil. Schließlich machen sie auch das Investment. Aber eins ist klar: Wer sich als Newcomer an ein Major “verkauft” und von seiner Ausrichtung und Zielen nicht dazu passt (absoluter Mainstream Pop der nur durch Massenmedien funktioniert) der ist halt auch einfach selbst Schuld.

    Bam. Das wars. Schönen Abend

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 22. März 2012 um 19:35

    Danke, dass du als Künstler deine Meinung hier mal dargestellt hast. Es gibt bei dem Thema wirklich viele Facetten. Ich selbst sehe es nicht ein, dass ich diesen Großkonzernen Geld in den Rachen schmeiße, aber ich will auf keinen Fall einen Künstler schädigen, der das Talent hat und sich die Arbeit macht. Ich hätte gerne ein “fair trade”-Siegel, das mir zusagt, dass mein Geld dem Künstler zukommt. Und zur GEMA: zumindest beim Thema YT sehe ich das anders. YT hat es in allen oder fast allen Ländern geschafft sich zu einigen, nur in Deutschland nicht. Und das liegt an der GEMA.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 23. März 2012 um 08:45

    @Philipp
    Danke für den langen Kommentar, habe lange überlegt ob ich darauf überhaupt antworte, weil ich nicht wusste welchen Text Du gelesen hast. Aber wer sich so viel Mühe macht seine Kritik zu verfassen verdient eine Antwort. Ich wünschte beim Lesen hättest Du Dir genau so viel Mühe gegeben.

    1 Ja, es mag Paradox erscheinen, was dem “endgültigen” Statement widerspricht, oder? Du hast richtig erkannt: Ich persönlich bin für eine Novellierung des Urheberrechts und eindeutig Pro-Urheber, aber wenn man die Historie des Kampfes Urheber vs. Technologie betrachtet ist der Schluss dass die Urheber, so wie Du es sagst, “fucked” sind logisch. Letzten Endes plädiert dieser Post gegen einen endgültigen Sieg und eine Annäherung. Liegt aber den Schluss nahe, dass dies nicht möglich ist. Wo Du das Gegenteil liest ist fraglich.

    2 Ich weiß nicht wie Du darauf kommst, dass ich mich hier versuche als Profi darzustellen, geschweige denn der Meinung bin, dass meine Blogleser meine Musik hören müssten. Der ganze Absatz ist frech bis großer Bullshit.
    Vor allem weil der letzte Absatz den Unterschied zwischen mir und Profis nochmal unterstreicht:
    “Ich konnte von meiner Musik nie leben und wollte es nie, aber ich verstehe dass Leute das gerne wollen.”

    Ein klarer Unterschied zwischen mir und denen die von Musik leben, nicht?! Der persönliche Ansatz dient dazu dem Leser klar zu machen, dass ich keineswegs reiner Konsument bin. Und natürlich habe ich absolut das Recht als Urheber hier zu schreiben. Als professioneller Musiker, so wie Du es irgendwo rauslesen willst, sicherlich nicht.

    3 Vielleicht mag die Mannschafts-Metapher hinken. Angebot, Nachfrage, etc. Natürlich spielt der Konsument mit. Und wenn wir beim Stadion bleiben, versuch mal Sitzplätze zu erzwingen oder die Preise zu erhöhen und sag dann nochmal, dass der Konsument nur zuschaue… (oder dann eben auch nimmer)

    4 Schau Dir bitte die Grafik an auf die ich mich beziehe. Ich sag auch gar nicht, dass alle Plattenlabels arme Schweine seien. Natürlich gibt es auch viele die den Löwenanteil verdienen. Es geht lediglich darum, dass diese Grafik pauschalisiert und im besten Falle die Majors widerspiegelt.
    Aber glaubst Du wirklich, dass Produzent, Studio und vorheriges Plattenlabel (sic!) an jeder CD mitverdienen würden?! Dein Major-Argument finde ich sehr kindisch, da gehe ich nicht drauf ein.

    Puff. Your Turn. Guten Morgen!

  • Christian schreibt am 23. März 2012 um 10:35

    Ich bin neulich bei der Dieter Nuhr-Geschichte zu einem ähnlichen Schluss gekommen. Die Copyright-Beführworter versteifen sich oft auf das “Kostenloskulur”-Argument, gerade weil es zu oft von Copyright-Gegnern verwendet wird. Zugegeben, es gibt eine Stange vernünftiger Menschen und guter Argumente da draußen, diese gehen aber zu oft in dem Meer aus schlechten Argumenten unter.

  • Philipp schreibt am 23. März 2012 um 14:56

    @ Daniel:

    Erstmal: Danke für die Antwort. Ich entschuldige mich für die vielleicht undifferenzierte Kritik an dich als Künstler. Ich komme später noch zweimal darauf zurück. Hier nochaml der Versuch das ganze richtig zu strukturieren. Vorweg – ich will eigentlich keine Diskussion starten. Es gibt eine ausreichende Kultur der Binnendiskussion zu diesem Thema so das ich denke, dass mehr davon eher einen negativen Effekt auf die Lösungsfindung hat – als es ein gebündeltes Zusammenkommen der unterschiedlichen Systembeteiligten bzw. derjenigen die den Anspruch erheben sich am System beteiligen vermögen könnte.

    Und damit bringe ich auch schon einige elementare Schlagwörter in diesen Kommentar mit rein (denn um nichts anderes handelt es sich hier), nämlich die Begriffe ‘Zusammenkommen’, ‘Systembeteiligte’ (und ein systemischer Begriff an sich), ‘Kultur der Binnendiskussion’ und ‘Ansprüche’.

    Die Diskussion um das Urhberrecht und die Vergütung der Schöpfer von Werken mit künstlerischer Tiefe hat – meiner Meinung nach – ein Stammtischniveau erreicht, dass eine derart negative Tendenz und Verachtung künstlerischer Leistungen erreicht hat, dass ich das Gefühl habe ein Gros der Menschen erkennt die Ursprünge und das Weiterentwicklungspotenzial der Menschlichen (westlichen) Kultur wie wir sie heute kennen gar nicht mehr als ein Produkt der ökonomisch basierenden Kreativität an.

    Die Digitalisierung der Gesellschaft hat sicherlich eine Theorie der neuen Gesellschaft initiiert. Es ist jedoch fraglich ob diese Theorie sich in ihrer Konsequenz bereits so in der Mitte der Gesellschaft etablieren konnte, dass sie den Anspruch erheben darf (und damit komme ich auf meine Kritik zurück, dass du dir anmaßt aus semi-künstlerischer Perspektive heraus zu argumentieren), die traditionelle Wertschöpfung in einer derartigen Form anzugreifen. Denn es muss festgehalten werden, dass es hier nicht mehr um eine Diskussion auf Augenhöhe geht, sondern um den (bereits teilweise erfolgreichen Versuch) an der Wertschöpfung selbst teilzunehmen. Die Argumentation, dass Musik-Labels (und Majors im Speziellen) und nicht die Künstler profitieren (oder Musiker) ist (1) ein ganz anderes Themengebiet und (2) genauso komplex, da hier mehr Institutionen beteiligt sind als nur die GEMA (bspw. GVL, Verlage, Labels, Producer, Studio-Musiker, Auftretende Künstler/Performer, Verbände, Vertriebe etc.). Es ist also eine Verwässerung der Tatsachen und Ernsthaftigkeit der Diskussion diese beide Themengebiete miteinander zu vermischen, denn auch wenn es zunächst sehr verzahnt wirkt (und in der Tat starke Interdependenzen wirken) keine gegenseitige Einflussnahme der einzelnen Akteure vorherrscht.

    Im Folgenden will auf dieses Statement eingehen “Ein klarer Unterschied zwischen mir und denen die von Musik leben, nicht?! Der persönliche Ansatz dient dazu dem Leser klar zu machen, dass ich keineswegs reiner Konsument bin. Und natürlich habe ich absolut das Recht als Urheber hier zu schreiben. Als professioneller Musiker, so wie Du es irgendwo rauslesen willst, sicherlich nicht.”

    Erstmal ja. Dann aber wieder auch nicht. Beispielhaft ist der Kommentar von “Jessica Ey”. Der normale Konsument hat das Urheberrecht noch niemals in der Hand gehabt. Warum auch. Ich lese ja auch nicht das Aktiengesetzbuch bevor ich über Shareholdervalue orientiere Ausbeuter schimpfe. Es ist aber die Laienhafte, halb-informierte Diskussion die so schädlich ist. Und zwar nicht nur von der Seite der Konsumenten – nein auch von seiten der Label-Mitarbeiter und Künstler. Die meisten haben nämlich selbst keine Ahnung wie das Urheberwahrnehmungsgesetz funktioniert. Umso sinnloser wird die Diskussion für diejenigen die versuchen ein produktives Niveau zu erreichen. Dieser Einwand klingt sicherlich arrogant, aber jeder der Spezialist auf einem Gebiet ist und sich der plötzlichen Diskussion mit (angriffslustigen) Laien auseinander gesetzt sieht wird mich hierin verstehen.

    Dieser Faktor (als einer von Vielen) erschwert das Entgegenkommen der unterschiedlichen Systemvorstellungen und die Kompromissfindung erheblich. Hierbei sind wir uns – glaube ich zumindest – einig.

    Die künstliche Simplifizierung der Gesamtsituation durch pseudowissenschaftliche Studien wie die von Christian Hufgard oder Blog-Posts von eigentlich Unbeteilgten erschwert ein Zusammenkommen. Jeder darf mitreden. Natürlich. Keine Frage. Aber – bitte nur wenn man auch mal die Gesetzestexte gelesen hat und zusätzlich den Inhalt einiger relevanter Papers, Studien und Publikationen zum dem Thema (mit unterschiedlichen Perspektiven) kennt. Alles andere – und da schließe ich deinen Blog-Post mit ein – sind kontraproduktiv. Denn diese Binnendiskussionen in zahlreichen Kommentaren und Posts können zwar Einzelnen etwas bringen, nicht aber dem Gesamtsystem. Das als eindeutiges Statement zum Schluss.

    In diesem Sinne Danke und falls du die Notwendigkeit siehst – bis bald.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 23. März 2012 um 15:24

    @Philipp Ich weiß ehrlich nicht warum Du Kritik an diesem Post äußerst, denn er ist Deiner Meinung nicht unähnlich. Die Diskussion ist auf beiden Seiten polemisch bis dreckig. Ich weiß nicht was hier irgendwie nicht bei Dir ankommt. Dir ist klar, dass ich die Simplifizierung der Grafik und die Studie von Christian stark kritisiere? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das nicht ankommt.

    Ich bitte eigentlich alles in meinem Blog als Kommentar zu verstehen und stehe da drauf, dass Leute Ihre eigene Meinung haben. Dennoch hab ich das Gefühl, dass Du alles andere als diesen Post kritisierst, der ziemlich auf Deiner Seite ist. Auch verstehe ich nicht, warum ich als Urheber (wie gesagt nicht als professioneller Musiker!) nicht meinen Senf dazu geben solle? Eben weil ich dem “normalen Konsumenten” klar zu machen versuche, dass die Diskussion vielschichtig ist und das “GEMA = Böse”-Getue ziemlich kurz gedacht ist. Der Ausschluss des Laiens ist tatsächlich arrogant. Und die Unterstellung es wäre “kontraproduktiv” ist tja, wie soll man es sagen, elitär? Dumm? Natürlich dürfen Kritiken auch nur von Literaten und Rezensionen von Musikprofessoren geschrieben werden. Alles andere wäre kontraproduktiv.

    Aber selbst da gebe ich Dir recht, denn so schreibe ich im Post:
    “Dennoch sollte man verstehen, dass eine Industrie die derart in der Kritik steht wie diese, sich eben auch aggressiver wehrt.”
    Eben weil sogar ein Jan Delay mal daher galoppelt, Raubkopien voll toll findet und dann erfährt, dass er an den Klagen der Majors verdient…

    Ich hab immernoch keine Ahnung, welchen Text Du gelesen haben willst. Vielleicht muss ich einfach auch elitär sein und solche semitrolligen Kommentare ignorieren. Wäre bestimmt in Deinem Sinne. Ich kann mir ja irgendwas zu Recht legen, dass die Debatte aus mangelnder Fähigkeit zu Lesen und zu Differenzieren kontrproduktiv ist. Aber irgendwie mag ich keinen so scheiße behandeln.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 23. März 2012 um 16:16

    @Philipp Ah, jetzt hab ich’s auch wenn ein Laie Deiner Meinung ist hat er die Fresse zu halten, weil er kein Experte ist.

  • Philipp schreibt am 23. März 2012 um 21:46

    Nein. Du hast es einfach verwässert formuliert.

  • Philipp schreibt am 23. März 2012 um 21:48

    Oder um es mit deinen Worten auszudrücken: Du hast den Scheiß einfach nicht auf den verfickten Punkt gebracht.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 24. März 2012 um 06:19

    Haha okay. Nächstes mal male ich ein Bild.

  • Gar Nix schreibt am 24. März 2012 um 18:38

    Das Thema wird immer viel zu beschränkt bearbeitet. Nicht nur bei Künstlern wird durch neue Technik und diverse politische Weichenstellungen das Einkommen in Frage gestellt, auch viele andere Menschen können durch ihr Einkommen hierzulande nicht mehr (die bekommen dann Hartz 4 Zuzahlungen macht in der Zwischenzeit Rund 1/3 von Hartz 4 ca. 10 Mrd. Euro aus).

    http://ueberhauptgarnix.blogspot.de/2012/01/armut-und-misswirtschaft-2012.html

  • Jenny schreibt am 26. März 2012 um 20:07

    Bin ich blind, oder steht nirgendwo ne Quelle zu der Grafik? Oder sind das deine persönlichen Studienergebnisse? ;-) Würde die nämlich gern weiterzitieren!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 26. März 2012 um 20:58

    Die Grafik ging durch soup und tumblr und ist, wie im Text steht, bullshit!

  • Jenny schreibt am 28. März 2012 um 20:02

    Gut, dann ist es noch lustiger, es gleich ohne Quelle zu zitieren ;)

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