Warum ich gegen Homophobie kämpfe – Blechschmidt, D., Desperados und Co.

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Homophobie

Es ist ja wirklich offensichtlich, dass das Thema mir am Herzen liegt. Nur ist es oft so, dass ich Homophobie in anderen Ländern deutlicher kritisiere als die hierzulande. Da muss ich ganz ehrlich sein, das hat auch ein wenig mit Sensationsgier zu tun. Was derzeit in Russland unter dem Vorwand der “homosexuellen Propaganda” durchgeführt wird ist halt enorm verachtungswürdig und über Mordaufrufe in Uganda kann man sich eben besonders empören.

Nun ist es aber nicht so, dass hierzulande alles Pfannkuchen und Sonnenschein bedeutet. Das macht alleine schon klar, wenn die Verursacher von Homophoben Plakaten bei einem Spiel von Borussia Dortmund sich “entschuldigen”. “Lieber ne Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick” und “Gutmensch, Schwuchtel & Alerta-Aktivist, wir haben Dir mit 20 vs. 100 gezeigt, was Fußball ist. Ihr Fotzen!” war bei einem Spiel gegen Bremen zu lesen. Resultat: 20.000 Euro Strafe für den BVB. Ein ordentlicher Schaden für den Verein, den die Desperados da als “Fans” angerichtet haben. Die Verursacher selbst bekamen 3 Jahre Stadionverbot. Strafe schützt vor Torheit nicht, in einem offiziellen Statement heißt es:

“[…] mit diesen relativ stumpfen Bannern wollten wir uns einfach über die sich ständig wiederholenden Vorwürfe aus Bremen lustig machen, die in unseren Augen ebenfalls stumpf waren. […] Wir möchten nochmals festhalten, dass die daraus entstandene Hysterie für uns nicht vorhersehbar und stellenweise auch nur schwer verständlich war.”

Achso, ein einfaches Humormissverständnis. Wo der Witz war würde ich gerne mal erklärt haben. Nun gut, das sind anonyme Fußballfans würden manche sagen, das kann man jetzt nicht pauschalisieren. Zum Glück nicht, aber Homophobie kann sich auch grober äußern. So wie z.B. in Niedersachsen wo Gläubige verhinderten, dass eine Grundschule einen schwulen Schulleiter bekam. Die Stelle in Rechterfeld war bereits sicher. Doch über das katholische Dorfpfarramt wurden Proteste organisiert. Der potentielle Schulleiter wollte sich dem Mobbing nicht aussetzen und verzichtete auf die Stelle.

Es ist nicht immer ein gesichtsloser Mob, der gegen Minderheiten hetzt. Auch Einzelpersonen trauen sich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit ihre Abscheu in die Welt posaunen. So ließ es sich Cora D. (Name geändert) sich nicht nehmen eine Hass-Mail an den offen homosexuellen Grünen-Politiker Volker Beck zu schreiben. Als Ihre Prophezeihungen in Bezug auf Russland kann man durchaus als Drohung verstehen. So schrieb sie:

“Sie sollten sich in Zukunft überlegen, ob sie nach Russland fahren und auch in Deutschland dürfte Ihr Leben schwerer werden im (noch nicht) von Muslimen komplett dominierten Berlin (dann werden Sie auch ein schweres Leben haben). […] Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht.”

Natürlich stellte sich raus, dass Frau D. seit 2010 kein Parteimitglied mehr ist und sich fälschlicherweise als FDP-Ratsfrau ausgab. Sehr seltsam, schließlich könne man sich bessere Parteien für Homophobie aussuchen als ausgerechnet eine, deren langjähriger Parteivorsitzender selbst schwul ist.

Besonders akut ist der Fall des (tatsächlichen!) CDU-Mitglieds Dieter Blechschmidt. Blechschmidt ist stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender, Pressesprecher der CDU-Stadtratsfraktion und Plauener Stadtrat. In einem Leserbrief an die Freie Presse kritisierte er am 25.04. die Entscheidung der sächsischen Landessynode, dass homosexuelle Pfarrer im Pfarrhaus leben dürfen. So schrieb er:

“Niemand spricht ihnen ab, Christen und Kirchenmitglied zu sein – nur bitte nicht ausgerechnet Pfarrer, der nun mal eben kein Beruf wie jeder andere ist.”

Als ein Nutzer den Beitrag auf Facebook veröffentlichte und kritisierte schaltete sich Blechschmidt wieder ein. Erst ließ er es sich nicht nehmen seinen eigenen Beitrag zu loben (sic!) und schob dann folgenden Zusatz nach:

Facebook Kommentar von Dieter Blechschmidt

Homosexualität als Krankheit? Wow, da ist jemand weit in den 70ern steckengeblieben. Wobei die Theorie der Krankheit sogar ins 19te Jahrhundert zurückreicht. Blechschmidt bezeichnet seine auf der Bibel basierenden Schlußfolgerungen als “gesunden Menschenverstand”. Ich bin mir sicher, dass sein gesunder Menschenverstand für ihn den Parteiausschluss und die Niederlegung seiner Ämter als Kommunalpolitiker bedeuten wird. Die SPD Plauen fordert bereits den Rücktritt.

Wie Du siehst ist Homophobie immer und überall zu entdecken. Also packen wir’s an!



    7 Kommentare:

  • Djcrap Hamburg via Facebook schreibt am 28. April 2012 um 15:45

    Sehr gut!

  • Jens Kretschmer schreibt am 28. April 2012 um 18:54

    Vielen Dank für diesen Artikel. Bei diesem Blechschaden.aehm Blechschmidt wird mir schlecht.

  • Jan schreibt am 29. April 2012 um 09:13

    Interessant ist auch, dass die gute Ratsfrau gleich noch die Islamophobe Nummer hinterherschiebt. Das ist eindeutig ein Sarrazin-Bezug, dass man denken könnte es wäre ein fake.
    Die Argumentation wird dadurch noch perfider, denn die Homophobie wird damit gerechtfertigt, dass man Angst vor den Muslimen haben muss, die unser schönes Abendland (christlich-jüdisch!!!) mit ihrer Kopftuchschwemme unbedingt erobern wollen…

  • Jessica Ey via Facebook schreibt am 29. April 2012 um 12:05

    Das Gesetz in Russland ist eine Schande und natürlich blökt die (nachweislich bezahlte) Kirche volle Unterstützung. Aber die Kommentare, die ich dazu von vielen Deutschen gelesen habe, waren umso erschreckender. Die Menschen scheinen sich wirklich wieder zurück zu entwickeln.

  • koz schreibt am 29. April 2012 um 22:32

    Blechschmidt…

    Wow – I just puked a litte into my mouth…

    Besonderst absurd ist es wen Leute von “Naturgesetzen” in dem Zusammenhang schwadronieren – die Mehrzahl aller in sozialen Gruppen organisierenten Säugetiere praktizieren homosexualität.
    Aber Fact-Checking kann man ja von Bibeltreuen eh nicht erwarten…

  • Boundary schreibt am 30. April 2012 um 07:10

    @koz: nicht nur unter Säugetieren, auch unter Invertebrata von Würmern bis Käfern findet man dies. Nur ist es da aufgrund der äußeren Differenzierbarkeit nicht auf Anhieb zu entdecken.

    @Topic: die CDU-geführten Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt fallen wegen den Äußerungen und Blockadehaltungen in der Thematik in regelmäßigen Abständen negativ auf. Sobald ich da eine Meldung aus den Ländern sehe weis ich sofort um was es geht. Und die Meldungen sind in der Härte oftmals wesentlich abstruser und härter als die hiesigen Exemplare.

    Wer sich für aktuelle Meldungen etc. für den habe ich ein paar Linktips.
    http://www.allout.org/en – eine internationale Petitionsseite für queere Angelegenheiten
    http://www.towleroad.com/ – guter amerikanischer Blog zwar mit Schwerpunkt USA, aber auch internationalen Meldungen. Meist aktueller und schneller als queer.de

  • KMBonn schreibt am 2. Mai 2012 um 15:38

    Was der Plauener CDU-Stadtrat da von sich gibt, das ist unsäglich. Da ist sogar die CSU in Bayern weiter. Aber Sachsen ist in vielen Bereichen dabei, das konservative Bayern abzuhängen.

    Ich hätte zwar nie gedacht, mal Guido Westerwelle in Schutz zu nehmen, aber ich tu es trotzdem. Was kommt als nächstes von diesem CDU-Stadtrat? Die Forderung nach Umerziehungslagern? Wenigstens distanziert sich die sächsische CDU von diesen Äußerungen, aber ich finde es befremdlich, daß von der Plauener Fraktion nichts zu hören ist.

    http://bundesbienen.info/2012/05/02/bibelstunde-mit-dem-plauener-cdu-stadtrat-dieter-blechschmidt/

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