Mutbürger in Uniform

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Ebenso verwerflich wie eine ganze “Berufsgruppe” auf Kosten anderer hochzuloben – denn nichts anderes ist Gaucks Anspielung auf die sogenannten “Wutbürger” – ist es einen ganzen Berufsstand wegen einzelner zu diffamieren. Aus Gründen der Gerechtigkeit in der aktuellen Medienberichterstattung erlaube ich mir ein paar besonders Mutige vorzustellen. Einfach um klarzustellen, dass das Bild von der Bundeswehr ja nicht von ungefähr kommt, so unfair es auch sein mag. Das hat auch nichts mit Glückssucht zu tun!

Viel mehr noch ist einfach nichts mutig daran einen Beruf auszuüben. Zwar betonte Gauck auch dass er diesen Mut bei sozialen Berufen anträfe. Aber grundsätzlich ist nichts daran mutig in gegebenen Strukturen zu agieren. Ich finde es bewundernswert, wenn Leute in Pflegeberufen sich den Arsch für andere aufreißen. Sehr sogar! Ich könnte auch sagen, dass ich das mutig fände. Nur würde die Aussage lediglich beweisen, dass mir dieser Willen fehlt. Ich diese Tätigkeit nicht könnte. Mut bleibt demnach ein rein subjektives Urteil.

Was alles in der Bundeswehr schief geht kann man u.a. hier lesen:

11.02.2011 – Hauptfeldwebel soll Untergebenen vergewaltigt haben: Das Opfer schwieg lange aus Angst vor Schikanen
25.01.2011 – Spindsaufen, Schweineleber, Stromschläge: Über Rituale in der Bundeswehr
09.02.2010 – Missbrauchsvorwürfe bei den Gebirgsjägern: Zwang bis zum Erbrechen Alkohol zu trinken und rohe Schweineleber sowie Rollmöpse mit Hefe zu essen
Oktober 2006 – Deutsche Soldaten lassen sich mit Totenköpfen in Afghanistan ablichten
Sommer 2004 – Misshandlungsvorwürfe in Coesfeld
Schon neun Monate Bundeswehr schaden der Charakterbildung – Noch Jahre später hinken ehemalige Soldaten ihren Altersgenossen in Sachen persönlicher Reife hinterher

Mut verbinde ich irgendwie mit anderen Sachen. Den gibt es bestimmt auch zu Hauf in der Bundeswehr. Eben wenn sich Soldaten gegen Rituale und (falsche) Befehle wehren.
Aber es ist bestimmt nicht mutig, dass man in der Bundeswehr dient. Da gehört mehr zu!

Und wenn Du mit mir hier nicht überein stimmst. Was Dein gutes Recht ist! Dann frag Dich, ob Du mutig von jemanden genannt werden willst der Thilo Sarrazin mutig nennt.



    11 Kommentare:

  • daMax schreibt am 15. Juni 2012 um 17:33

    Hahaha! Endlich sprichts mal einer aus. Danke! Das kommt aber bei mir erst morgen in die Links, heute sinds eh schon zuviele.

  • WEALLSCREAMFORICECREAM schreibt am 15. Juni 2012 um 23:34

    Olle Gauck ist ein Rhetoriker, der es schafft, allen unterschiedlichsten Standpunkten, das Gefühl zu geben, sie wären ja mitgemeint. Dass ein Bundespräsident hinter der Bundeswehr stehen muss, ist klar, aber Wertevermittlung gehört eben auch zu seinen Aufgaben und die nimmt er leider auch in dieser Rede wahr.
    Und was er mit ‘Mut’ in dem Zusammenhang meint, sagt er auch recht deutlich:
    “Und vergessen dabei allzu gern, dass eine funktionierende Demokratie auch Einsatz erfordert, Aufmerksamkeit, Mut, und manchmal auch das Äußerste, was ein Mensch geben kann: das Leben, das eigene Leben.”
    Und das passt überhaupt nicht zu seinem Vergleich mit den “sozialen Berufen” (das Militär durch einen solchen Verglecih überhaupt in die Nähe eines sozialen Berufs zu stellen, ist schon bezeichnend…). Denn wenn man sagt “Ich gebe mein Leben für die soziale Arbeit” bedeutet das nicht “Ich sterbe für meinen Beruf”.

  • Richtfunktruppführer schreibt am 17. Juni 2012 um 04:20

    Was bist Du denn für ein Spacken?! Einen ganzen Berufsstand wegen einzelner zu diffamieren? Auf Kosten anderer loben? “Schatz, findes Du mich in dem Kleid nicht zu dick?” Antwort:”Nein, in dem Kleid siehst Du sehr schlank aus.” Weißt Du wie die hysterishe Dame antwortet?

    Denk mal nach, bevor Du polemisierst.

    Mut ist zu unterschreiben, mit der Waffe in der Hand am Hindukusch zu sterben, wenn es das Schicksal will und das ist verdammt kein “Beruf”, in einer Gefechtssituation zu entscheiden, ob man auf die Menschen feuert, oder sie mit Kanistern herankommen lässt…

    Du hast keine Ahnung vom Krieg und von unserer Armee!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 17. Juni 2012 um 11:36

    @Richtfunktruppführer Es ist mutig zu sterben?! q.e.d. Und was ist an einem guten Entscheidungsvermögen in Stresssituationen mutig? Das hat alles nichts mit Mut zu tun. Genau so wenig wie andere in Kommentaren sofort als Spacken zu beschimpfen. Fandest Du das jetzt mutig?

  • WEALLSCREAMFORICECREAM schreibt am 17. Juni 2012 um 13:41

    @Richtfunktruppführer: Soldat ist ein Beruf und zu dem gehört u.a. dazu ‘auf Arbeit’ zu sterben und zu töten. Muss nicht, kann aber. Dieses Risiko bei der Berufswahl eingehen zu wollen, kann man als mutig bezeichnen. Aber das sind einfach mal die Anforderungen, die dieser Job an einen stellt, nech.

  • Flo schreibt am 17. Juni 2012 um 14:00

    Als Krankenpfleger danke ich Dir natürlich, dass Du mir Mut attestierst, aber ich würde es eher Berufung nennen. Kranken gegenüber zu stehen erfordert keinen Mut, sondern ne gehörige Portion Empathie.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 17. Juni 2012 um 14:09

    Hi Flo, ich attestier Dir auch keinen Mut, ich attestiere mir eher fehlenden. Ich wollte damit sagen, dass Mut kein Objektives Urteil sein kann.

  • Alreech schreibt am 17. Juni 2012 um 20:11

    Manche Jobs sind nun mal lebensgefährlich.

    Der Beruf des Soldaten zählt eben so dazu wie der Beruf des Polizisten.
    Wenn die Bullen aufkreuzen, wenn sich Besoffene vor der Kneipe prügeln, dazwischen gehen und damit rechnen müssen ein Messer oder eine abgebrochene Flasche zwischen die Rippen zu bekommen dann erfordert das keinen Mut, weil die Bullen in gegebenen Strukturen agieren ?

    Wenn ein Feuerwehrmann in eine brennendes Haus geht, um nach Vermissten zu suchen erfordert das keinen Mut, weil er in gegebenen Strukturen agiert ?

    Wenn deutsche Soldaten in Afghanistan Zielscheibe sind weil auf einer Konferenz afghanischer Politiker im deutschen Bonn eine Internationale Schutztruppe für Afghanistan beschlossen wurde dann erfordert das von den Soldaten keinen Mut, weil sie in gegebenen Strukturen agieren ?

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 17. Juni 2012 um 20:42

    @Alreech Das liegt im Auge des Betrachters. Chirugen können auch mutig sein und sie begeben sich selbst nicht in Lebensgefahr. Vielleicht finden viele auch Börsenmakler oder andere Leute die mit hohen Summen hantieren mutig, die begeben sich auch nicht in Lebensgefahr. Ich finde jeder Mensch kann mutig sein. Überall. Dafür muss man sich nicht in Lebensgefahr begeben.

  • Alreech schreibt am 19. Juni 2012 um 00:36

    Mut liegt eben nicht im Auge des Betrachters, sondern in den Entscheidungen die man trifft wenn es darauf ankommt. ;-)

    Mutig kann es sein in der U-Bahn aufzustehen wenn jemand blöd angemacht wird. Auch wenn man Angst hat dafür was auf’s Maul zu bekommen. Gerade wenn man Angst und trotzdem aufsteht ist das Mut.
    In den Augen des Betrachters kann das Dummheit sein oder der Wunsch sich aufzuspielen.

    Wann ist ein Chirurg eigentlich mutig ? Wenn er etwas ausprobiert das den Patienten ins Grab und ihn in den Knast bringen kann ? ;-)
    Auch bei einem Börsenmakler ist Mut zum Risiko nicht gerade eine gewünschte Charaktereigenschaft.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. Juni 2012 um 01:50

    Ich gebe Dir recht, dass das mit den Entscheidungen zusammenhängt. Warum Ärzte diese nicht machen könnten verstehe ich nicht. Nehmen wir Deine erste Annahme, dass Mut und Lebensgefahr miteinander zu tun hätten. In Operationen müssen manchmal blitzschnelle Entscheidungen über Leben und Tod getroffen werden.

    Das Thema Börsenmakler lass ich mal außen vor, da stellt sich dann nämlich wirklich die Frage ob es Mut, Dummheit oder der Wunsch sich aufzuspielen ist. Nicht umsonst heißt es im Finanzwesen oft “Risiko”, ich verweise da mal auf einen älteren Post hier.

    Was ist also Mut, es liegt wie ich ja bereits sagte, scheinbar im Auge des Betrachters. Mehr sagte ich nicht. Und wie ich oben betonte, ich möchte keinem absprechend nicht mutig zu sein, weil er in der Bundeswehr ist. Aber ich glaube kaum, dass man als Soldat zum “Mut-Bürger” wird, da gehört mehr dazu. Nur das! Dass Mut doch im Auge des Betrachters liegt sieht man ja daran, dass Du ihn Ärzten absprechen willst.

    Aber vielleicht verstehe ich Dich falsch und Du meinst, dass durchaus dumme Handlungen mutig sein können?

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