Ein deutscher Querschnitt – die wahnwitzige Zuschauerpost der ARD

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Klischees mit Klischees bedienen. Die ARD macht es möglich. Sie hat die schönsten Zuschauermails zusammengetragen und mit Playmobil-Bildchen illustriert. So bekommt man einen gesunden (?!) Einblick in deutsche Wohnzimmer. Dort wo Fluchspardosen stehen, wo Leute Drehbücher besser schreiben könnten, wenn sie nur wüssten wie es geht, wo mensch stets gut frisiert ist und man niemals mit den Händen isst. Ein Querschnitt zwischen Spießigkeit, Hybris und Wahnwitz. Mein Favorit? Der Zuschauer, der das erste deutsche Fernsehen gleich für mehrere Morde und Verbrechen verantwortlich machen will:

Zuschauermails der ARD

(via musslautsein)



    7 Kommentare:

  • Barry Langer via Facebook schreibt am 25. Juli 2012 um 15:51

    haha, fallout den wir von japan mitkriegen.

  • Emanon schreibt am 25. Juli 2012 um 18:19

    Krimis haben wohl eher keine mittelbare Auswirkung auf Verbrechen. Allerdings kann im auch Ersten beobachtet werden, wie sich wenig Gedanken über den sog. Werther-Effekt gemacht wird. Die mediale Ausschlachtung von Selbstmorden und “Amokläufen” führt zu einer sozialpsychologischen Akzeptanz solcher Verhaltensalternativen (Soziale Bewährtheit), indem Antihelden kreiert werden, deren in den Medien detailliert gezeichnetes Bild dazu beträgt sich besser mit der betroffenen Person identifizieren zu können.

    Dadurch kommt es unmittelbar nach der Berichterstattung zu einem Anstieg ähnlicher Fälle. So kann davon ausgegangen werden, dass der “Amoklauf” von Erfurt nur möglich war, weil die Berichterstattung über den Fall von Columbine über die USA hinaus so detailliert war und es deshalb als sozialadäquat erschien. Dem Fall von Columbine wiederum gingen einige kleinre “Amokläufe” voraus, über die in den USA genau berichtet wurde, hier allerdings noch nicht.

    Bei Selbstmorden ist das ein seit Jahren zu beobachtender Zusammenhang.

    Quellen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt

    Robert Cialdini, die Psychologie des Überzeugens (6.Auflage) S. 194 ff., mit weiteren Nachweisen

    Richtlinie 8.5 Presseodex des Deutschen Presserats

  • daMax schreibt am 25. Juli 2012 um 20:54

    Die ständige Dauerberieselung mit Mord und Totschlag führt wenigstens zu einer Dauerparanoia bei großen Teilen der Bevölkerung, schließlich könnte ja der Killer schon hinter der nächsten Ecke lauern. Außerdem gewöhnt uns die TV-Polizei an den ganz normalen Rechtsbruch im Polizistenalltag: Einbruch in Wohnungen ohne Durchsuchungsbeschluss, Verweigern eines Rechtsbeistands, Suggestivfragen, Falschaussage, Amtsanmaßung etc. pp. so dass immer mehr Leute denken, das “gehört halt dazu”.

    PS: hier haste noch ein [p], das kannste in die “Sießigkeit” stecken :)

  • daMax schreibt am 25. Juli 2012 um 20:59

    Die Dinger sind aber wirklich lustig :) “Wie lange kann man in einem Raum leben ohne zu lüften?” Hust.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 25. Juli 2012 um 21:08

    @daMax hab’s p gut gebrauchen können.

  • Emanon schreibt am 25. Juli 2012 um 23:04

    @daMax

    Bei der Gewöhnung an den Rechtsbruch hast du auf jeden Fall Recht, weil die Leute, die nicht wissen, wie es sich mit dem Recht wirklich verhält, diesen Teil als Wiedergabe der Realität ansehen.

    Bei der Beeinflussung der sozialen Bewährtheit durch bekannte Straftaten in fiktionalen Krimis ist aber wohl die Kausalitätskette zu lang, als dass man das wirklich ursächlich nennen könnte…ähnlich wie bei Computerspielen.

    Das wirklich Dramatische ist die theatralisch inszenierte Realität in den “Nachrichten” und Magazinen, die einen darauf aufmerksam machen will, dass es sich um die Realität handelt und dass das jedem passieren kann, weil es sich um “ganz normale Menschen” handelt.

    Hier wird mit Absicht und mit dramaturgischen Mitteln eine Nähe zum Zuschauer geschaffen, die zu erreichen in einem fiktionalen Spielfilm gar nicht Möglich ist.

  • daMax schreibt am 27. Juli 2012 um 08:07

    @Emanon: you got a point there…

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