Monika und die Orsons – Wer A sagt, muss nicht B sagen

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Szene aus dem Video der Orsons

Eigentlich hatte ich vor Monika selbst zu der Strafanzeige gegen die Orsons zu Wort kommen lassen. Ihr ein Forum zu bieten ohne sie vorzuführen. Einfach um jeden klar zu machen wo die Probleme in dem Song der Orsons liegen. Doch schon das Vorgespräch stimmte mich nachdenklich. Es ist ein Widerspruch der an Monika zerrt. Sie ist keine öffentliche Person und doch machen Medien und der Song sie zu einer. Nun kann man drüber streiten, ob die Kandidatur 2011 für die Linke sie zu einer machte, aber das Wichtigste ist vor allem: Sie will keine sein!

Ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich sie mit diesem Text ebenfalls wieder zum Gegenstand der Diskussion mache. Sie und ihre Geschichte, die ob des Novelty-Faktors von Süddeutsche und Bild aufgegriffen wurde. Auch ich spüre diesen Widerspruch und frage mich, ob ich hier jemandem ein Forum biete, der unbedingt gehört werden sollte oder auch nur wieder vorführe, Teil eines modernen Panoptikums werde. Anderen die Möglichkeit gebe ihre Zitate aus einem Zusammenhang zu reißen und neu zu verwenden.

Dabei war es ursprünglich die NPD, die Ihre Geschichte damals öffentlich machte. Um sie und die LINKE zu diffamieren. Um, wie sie es sagt, zu zeigen “was für Freaks” in der Linken sind.
Und es sollte jedem klar sein, dass ihr politischer Wandel mit ihrer Geschlechtsangleichung gar nichts zu tun hat. Ein Prozess, der nicht mit “Schneid’ ich ihn einfach ab” zu lösen ist. Ein schwerer Eingriff. “Ich hab sehr viel Blut dabei verloren, ich hätte sterben können”, sagt Monika und erzählt anschließend von den starken Medikamenten die sie nehmen muss. Hier geht es dann auch nicht mehr um das Einzelschicksal von Monika, sondern um die alltäglichen Probleme die sich transsexuellen Menschen stellen.

Ich sah das Lied der Orsons nie zynisch. Freute mich, dass so ein Thema in einem Popsong behandelt wird und insbesondere in einem oftmals homophoben und sexistischem Genre wie HipHop. Transsexuellen wird egal sein ob das fortschrittlich für ein solches Genre ist. Homophobie, Transphobie und Sexismus sind stets zu verurteilen.

Und vor allem ist es Monikas Geschichte die dort besungen wird. Die Orsons begeben sich auf das dünne Eis als Stellvertreter zu sprechen. Für Transsexuelle. Ohne mit dem Thema vertraut zu sein, oder recherchiert zu haben. Das ist etwas was ich auch regelmäßig tue, was ich gerade in diesem Text wieder tue. Nur sollte man sich dem bewusst werden. Den Orsons, wie auch mir zuvor, dürfte nicht bewusst gewesen sein, dass das Transexuellengesetz vorsieht, dass der vorherige Name geheim gehalten wird um die Person vor Übergriffen zu schützen. Es dürfte auch nicht klar gewesen sein, dass jede Bezeichnung als Mann einen Trigger für eine transsexuelle Frau darstellt, da sie sich selbst nie als Mann sah.

Monika erzählt, dass Brecht einmal sagte: “Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.” – Und als großer Fan der Orsons muss ich sagen, dass es wohl tatsächlich das Beste wäre das Lied zurückzuziehen.

Ich weiß, dass es gut gemeint war und definitiv nichts Böses damit beabsichtigt war, doch Du musst nur einmal mit der Person reden die es betrifft um zu erkennen, das A ein Fehler war.

Pressemitteilung von ATME zur Strafanzeige gegen die Orsons



    7 Kommentare:

  • Julia Schmidt via Facebook schreibt am 26. September 2012 um 16:01

    !

  • Pixelwelten Photography via Facebook schreibt am 26. September 2012 um 16:03

    wer a sagt, muss gar nichts!

  • miss_leelah schreibt am 26. September 2012 um 16:47

    Auch ich bin ein wirklich großer Fan der Orsons und hatte schon als ich von dem Titel hörte einen dicken Klos im Hals, und als ich ihn dann endlich hörte: Ja Mist, das haben die wohl guten Willens vollkommen verkackt.
    Ich habe lange darüber nachgedacht, und als dann ein Statement von ihnen kam, dass das alles andere als transfeindlich, sondern eben im gegenteil positiv gemeint ist, überlegt ihnen oder Chimperator eine Mail zu schreiben um mein Unbehagen zu erklären und nochmal nachzufragen in wie weit Monika damit einverstanden ist etc. Ich hatte überlegt, eventuell Transpersonen mit ins Boot zu nehmen, um zu verdeutlichen, was daran einfach großer, schmerzhafter Mist ist.
    Ich hab es nicht getan, wie ich vieles nicht tue, weil ich so viel im Kopf habe, aber es hat mich sehr beschäftigt.
    Am Ende habe ich den Song – im Gegensatz zu fast allem anderen, was die Jungs machen – einfach gar nicht kommentiert und verbreitet. Bloß keine zusätzliche Aufmerksamkeit.

    Es tut mir leid, dass Monika jetzt unter dem Scheiß leiden muss, und so wahrscheinlich noch mehr Öffentlichkeit abkriegt. Ich hoffe, dass das für sie ein gutes Ende nimmt. Und ich hoffe ganz egoistisch für mein kleines Fangirlherz, dass die Orsons angemessen reagieren und es nicht einfach abtun. Ich hoffe es sehr.

  • Till schreibt am 26. September 2012 um 22:06

    Zunächst mal möchte ich mich auch als Transmann dafür bedanken, dass ein Fan der Gruppe so einen differenzierten und niveauvollen Beitrag verfasst hat, sowie die Kommentatorin über mir, deren Kommentar ähnlich klingt.

    Ich selbst kannte die Gruppe vor dem Lied gar nicht und habe sie nun natürlich als unsensible und damit typische Vertreter privilegierter, weißer vermutlich heterosexueller Macker-Männer eingestuft. Es ist schließlich sehr leicht, sich als Angehöriger einer sozial privilegierten Gruppe über andere lustig zu machen, die nicht so angesehen sind.

    Für mich klingen die Aussagen, man habe das Lied positiv gemeint, eher zynisch. Bildsprache des Videos und Liedtext lassen ehrlich gesagt sehr stark die Interpretation zu, dass die Band die Glaubwürdigkeit von Monikas Politik- und Geschlechtswechsel in Zweifel zieht. Im Gesamtpaket habe ich großes Verständnis dafür, dass die Besungene klage eingereicht hat. Ich hoffe, dass es den Gerichtsentscheid nicht braucht und die orsons das Lied zurückziehen oder Pro Sieben die Gruppe kurzfristig aus dem Programm nimmt. ich finde, da hätten die Veranstalter des Wettbewerbs auch mal genauer drauf achten können, wem und was sie da eine Bühne geben wollen.Nur mit einer öffentlichen Entschuldigung könnte die Gruppe meinen Respekt bekommen.

  • vee schreibt am 27. September 2012 um 15:09

    Erinnert mich ein bisschen an “Walter Carlos”, einem Lied von Momus über Wendy Carlos. War auch gut gemeint, strotzt aber nur so vor heteronormativen Klischees und Ignoranz.

  • Monika Strub schreibt am 30. September 2012 um 12:47

    Die Klage Lüft noch, unter anderem noch wegen Volksverhetzung und Beleidigung und natürlich wegen des Verstoßes gegen das Grundgesetz.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 30. September 2012 um 13:05

    @Monika Danke für die Info!

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