Die Möglichkeit einer Utopie – Über das Selbstverständnis dieses Blogs

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“Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen”, sagte des Deutschen liebster Kettenraucher Helmut Schmidt im Wahlkampf 1980. Nun ist es so, dass das Charisma von Schmidt so stark ist, dass er wohl heute noch aus dem Stand zum Kanzler gewählt werden könnte. Etwas was sich Steinbrück zu Nutze machen will, aber dies nur Nebenbei. Hier geht es vor allem um dieses Blog.

So werden die Diskussionen in den Kommentaren zunehmend redundant. Ob es nicht Schlimmeres gäbe und wo denn der Realismus bleibe und auch das übliche “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen”, wenn ich kritisiere. Ich kritisiere gerne und viel. Und ich bin polemisch und oft auch plakativ. Daher heißt es “kotzendes” Einhorn.
Und natürlich bin ich an einer Debatte interessiert. Nur wird es langweilig, wenn es immer wieder die selbe Grundsatzdiskussion ist. Eines der häufigsten Missverständnisse ist vor allem, dass eine scharf geschriebene Polemik gleichgesetzt wird mit einem wütend stampfenden Daniel mit hochrotem Kopf. Oder gar, dass ich Irgendwas (z.B. repressives Vokabular) verbieten wollen würde.

“If you have a racist friend, now is the time, now is the time for your friendship to end.”

— Special AKA

Grundsätzlich bin ich meist gegen Verbote. Es hat wenig Sinn, Verbotenes ist oft reizvoller. Mir geht es eher darum einen Blick zu schärfen. Zu erklären, warum sich Menschen angegriffen fühlen könnten oder warum sie sich aufregen. Und das Beste ist, wenn Leute – um beim Beispiel des repressiven Vokabulars zu bleiben – selbst darauf verzichten. Aus eigenem Antrieb.

Ein anderes Beispiel: Ich besitze ein iPhone und weise auf die Produktionsbedingungen bei Foxconn hin. Ja, das ist widersprüchlich und natürlich entspricht das einer Empörungskurve die mit dem Release der neuen Generation zusammenfällt. Und ebenso ist es wahr, dass es (natürlich) andere Firmen gibt die genau so oder noch schändlicher agieren. Das sind alles Kommentare die ich sehr willkommen heiße. Auf den Geist geht mir allerdings der Zynismus, das Akzeptieren der Gegebenheiten mit der Ergänzung “Da kannste doch eh nichts machen” oder “Sollen die die Teile etwa verschenken?!”.

Ist die logische Konsequenz sich nicht zu empören oder darauf hinzuweisen? Stillschweigend seine Zustimmung zu geben. Das Gleiche lässt sich auf das berühmt-beliebte “Es gibt doch viel Schlimmeres” anwenden. Du wirst immer tragischere Themen finden. Wieso über Nazi-Insignien aufregen, wenn irgendwo auf der Welt Menschen sterben?!

Das ist natürlich wahr und abermals frage ich: Ist die logische Konsequenz sich nicht zu empören oder darauf hinzuweisen? Zudem sollte hoffentlich jedem klar sein, dass dies kein Nachrichtenportal ist, dies ist immernoch ein privates Blog. Die Themenauswahl soll kein breites Themenspektrum umfassen sondern lediglich die Themen die mich interessieren oder mir am Herzen liegen und neben all dem sogar noch unterhaltsam sein. Horrender Anspruch, ich weiß.

“Wir leben in einem Land wo Frauenversteher und Gutmensch und Pazifist Schimpfworte sind.
Haben wir echt gut hingekriegt.”

— Hagen Rether

Ich muss mich als ziemlich priviligierten Mensch bezeichnen. Mir geht es weitestgehend gut, ich gehöre keiner Minderheit an und bin, meine Schulzeit ausgenommen, wenig bis gar nicht Diskriminierung oder Repressalien ausgesetzt. Es ist daher eigentlich eine eitle (und überhebliche) Position aus der ich schreibe. Die des Stellvertreters, vielleicht gar die des Besserwissers. Und als eben solcher begehe ich auch oftmals Fehler. Keine Frage! Doch um etwas zu bewegen muss man die Stellvertreter mit einbeziehen. Sofern sie Interesse zeigen ihnen Problematiken und Fehler erklären, statt sie zu verurteilen oder anzugehen. Was natürlich ab einem gewissen Bullshit-Level nicht mehr möglich ist. Das gilt natürlich nicht nur für mich.

Wer denkt, dass sich in dieser Welt nichts optimieren lässt, ist für mich kein Diskussionspartner. Und auch wenn es sehr überheblich ist, weil ich es wohl oft genug selber tue: Wer das Wort “Denkanstoß” verwendet, kann mir auch gestohlen bleiben. Es ist ein sehr hässliches Wort, es unterstellt seinem Gegenüber, dass er eben nicht nachgedacht hätte. Dieses Wort sollte aus Diskussionen gestrichen werden.

Wer denkt, dass es falsch oder gar dumm wäre sich etwas Besseres vorzustellen ist hier definitiv nicht richtig. Wer Visionen hat, sollte nämlich Kotzendes Einhorn lesen und nicht zum Arzt gehen.



    15 Kommentare:

  • Helga Braun via Facebook schreibt am 4. Oktober 2012 um 12:53

    gut “gekotzt”herr einhorn…

  • Pixelwelten Photography via Facebook schreibt am 4. Oktober 2012 um 12:57

    jap, so isses.

  • kathrin schreibt am 4. Oktober 2012 um 12:59

    “Wer denkt, dass sich in dieser Welt nichts optimieren lässt, ist für mich kein Diskussionspartner. Und auch wenn es sehr überheblich ist, weil ich es wohl oft genug selber tue: Wer das Wort “Denkanstoß” verwendet, kann mir auch gestohlen bleiben. Es ist ein sehr hässliches Wort, es unterstellt seinem Gegenüber, dass er eben nicht nachgedacht hätte. Dieses Wort sollte aus Diskussionen gestrichen werden.”

    Danke für diese Worte!

  • Falk Schreiber via Facebook schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:02

    Danke.

  • Justin-Zane Burns schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:04

    Du bist Philanthrop. Das ist mehr Minderheit, als du glauben magst.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:05

    @Justin-Zane Burns Komisch, ich betrachte mich immer als Misanthrop ;-)

  • Justin-Zane Burns schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:11

    @Daniel Ach, ich weiss doch genau was du meinst. Vermutlich ist es auch besser so, um schlichtweg nicht dem Irrsinn anheim zu fallen.
    Aber würden wir beide ehrlich sein… :/

  • Maik schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:19

    Schöne Einschätzung, kann ich absolut so unterschreiben!

  • Ann Teegen via Facebook schreibt am 4. Oktober 2012 um 13:22

    Sehr gut. Vielen Dank außerdem für das Zitat von Hagen Rether.

  • Nilsson Karlson via Facebook schreibt am 4. Oktober 2012 um 14:47

    ich war heute beim Arzt, fand die Lektüre des Artikels aber wesentlich interessanter.

  • Dominik schreibt am 4. Oktober 2012 um 15:41

    Weißt du, so sollte es sein: http://www.youtube.com/watch?v=b1olIn2uIog

    dagegen ist es leider meist so: http://www.youtube.com/watch?v=bBYMHutfsOg

    und… ja, du hast recht.
    und… ich will die wohlstandskinder wieder ;)

    noch eins zum abschluss: http://www.youtube.com/watch?v=IFM5_J2D9Cs

    …Einfach weil ich es kann. und die videos, denke ich, passen ;)

  • janee schreibt am 4. Oktober 2012 um 17:31

    Misanthropen sind zu oft verletzte Philanthropen.

    Ich hab dein Blog abonniert, weil mir genau deine Themenmischung gefällt. Wäre das nicht der Fall, ist das doch nicht dein Problem, sondern meins.

  • n1Ls schreibt am 5. Oktober 2012 um 19:06

    Schön, einfach nur schön.
    Habe beim Lesen der Zeilen innerlich oft Nicken müssen.
    An der Stelle muss man vielleicht auch mal Danke sagen. Danke, dass du Artikel wie diese hier schreibst und mir und vielen anderen zeigst, dass es zwischen den ganzen Dummköpfen und Idioten auch noch klar denkende Menschen gibt.

  • JL schreibt am 6. Oktober 2012 um 14:43

    Volle Zustimmung, besonders zur Optimierbarkeit der Welt. Und jeder kann, darf und sollte optimieren, was immer er oder sie für optimierenswert oder gerade machbar hält. Wie oft habe ich mir anhören müssen, was, Du spendest für [irgendwas, was mir gerade wichtig ist] während gleichzeitig [Kinder verhungern / Kätzchen verenden] … oder, was, Du bist Vegetarier, aber kein Veganer … Linker, aber kein Marxist … benutzt Banken / Lederkleidung etc., kennst kein Rezept für den Weltfrieden, bist aber gegen einen Krieg / für Sozialhilfe, kannst aber keinen neuen Bundeshaushalt berechnen / hast nicht einmal BWL studiert, willst aber eine Meinung haben … da könnte ich regelmäßig kotzen.

    Deshalb mag ich Deinen Blog so.

  • Sebastian schreibt am 6. Oktober 2012 um 19:37

    Ich lese alle paar Tage mal kotzendes Einhorn und wollte mich nur mal für den tollen Blog bedanken. Gut was du da tust! Ist ja auch nicht selbstverständlich, also Danke!

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