Punk und Nazischeiße – Einmal Flohmarkt am Tag der deutschen Einheit

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Flohmarkt Ausbeute

Früh aufstehen um die besten Schnäppchen zu machen. Im Gegensatz zu Flohmärkten im Rheinland scheinen mir die in Berlin noch nicht vollkommen durchkommerzialisiert. Das sind im wahrsten Sinne des Wortes Trödelmärkte und es gibt allerlei Schätzchen zu entdecken und zu erhandeln. So konnte ich auch heute obige Ausbeute mein Eigen nennen. Besonders gut: Lynchs Eraserhead für 3,50 Euro. Superbe.

Aber auch der Rest kann sich sehen lassen:
Too Drunk To Fuck 12inch von den Dead Kennedys
The Great Rock ‘n’ Roll Swindle von den Sex Pistols
Compilation 81-87 von Slime
Wenn die Nacht am Tiefsten von Ton Steine Scherben
Ziggy Stardust von Bowie
Now & Then von den Carpenters

sowie DVDs zu Pretty in Pink (quiek!) und Das Omen als Deluxe-Edition.

Ja, ich weiß ganz schön viel Punk. Mag daran liegen, dass ich einige gesehene Sachen versuchte zu kompensieren. An Landser-Heftchen und die komplette Knopp Bibliographie über den zweiten Weltkrieg ist man als Flohmarktgänger mittlerweile leider gewöhnt. Auch, dass Du an Vinylständen obskure Onkelz Platten findest. Ich sag nur “Die Rock-O-Rama Jahre”, kotz. Ich kenne mich jetzt mit der Diskographie der Onkelz nicht gut genug aus um festzustellen, ob auf diesem Bootleg auch das indizierte Material war, ist mir auch egal. An dem Stand gab es wirklich schöne Joy Division-Vinyls. Da kaufe ich dann einfach dennoch nichts.

Das ist alles grenzwertig und schon eklig genug. Aber wie unverfroren heute Nazi-Insignien angeboten wurden ließ mich würgen. Abzeichen, Plaketten und Orden lagen offen in Vitrinen. Taffdreist klebte das Preisschild über dem Hakenkreuz. Den Vogel schoß aber ein Stand ab, der eine verwitterte Hitler-Büste offen rumstehen hatte.

Nazischeiße

Nazischeiß als Ware wie jede andere. Schien ganz normal zu sein. Meine Suche nach einer Flohmarktaufsicht war vergebens und Polizei anrufen schien mir übertrieben. Wohlmöglich ein Fehler. Rückblickend nehme ich an, dass das vereinzelte Streuen von Nazizeugs zwischen anderen Kram so unabsichtlich gar nicht geschehen mag. Und dennoch bin ich eher auf die Veranstalter wütend, die offensichtlich zu wenig Präsenz zeigten oder das gar noch duldeten. Erstmal “Nazis raus” von Slime auflegen und wieder beruhigen. Und dann eine Mail an den Veranstalter schreiben.



    18 Kommentare:

  • Maria Lindemann via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 15:30

    ich war mal auf einem polnischen flohmarkt, da waren 50% der angebotenen waren genau sowas. als wir uns laut gefragt haben, ob da wohl auch was mit hakenkreuzen dabei ist, wurden die körbe mit solchen ansteckern etc. unter dem tisch vorgezogen …

  • Nicosch schreibt am 3. Oktober 2012 um 15:42

    Die Landser-Heftchen habe ich dieses Jahr auch schon ganz offen an diversen Tankstellen zum Kauf gesehen. War echt ein einschneidendes Erlebnis. Die dürfen ganz legal verkauft werden. Schlimm das!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 3. Oktober 2012 um 15:43

    @Nicosch Meine ich ja, das Meiste ist eben legal. Wahrscheinlich auch einige der fotografierten Insignien.

  • Christoph Hering via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 15:46

    Ok, in Polen ist das geschmacklos, aber hier ist das Verkaufen solcher Dinge schlichtweg verboten. Du hättest die Polizei anrufen sollen, die kommen bei so etwas immer gerne vorbei. Auch eine Möglichkeit ist es nachträglich den Veranstalter anzuzeigen. Da wird zwar höchstwahrscheinlich nichts draus, aber er hat genug Ärger um vielleicht das nächste Mal mehr Präsenz zu zeigen, oder noch besser, solchen Verkäufern keinen Platz mehr zu geben.

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 15:48

    Christoph Hering Bis auf die Büste bin ich mir darüber nicht so im Klaren, ob das alles verboten ist. Bist Du Dir da sicher bzw. fällt das alles unter § 86a StGB? Da gibt es bei einigen Sachen ja recht spitzfindige Begründungen warum die doch verkauft werden dürfen…

  • Joachim Bergmann via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:22

    “Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Absatz 3 StGB nur, wenn sie „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.“ … kann mir nicht vorstellen, dass der verkauf auf dem flohmarkt dazu gehört.

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:29

    Joachim Bergmann Ich glaube es gibt da noch Ausnahmen von “Nutzgegegenständen”. Beispiel Briefmarken, die ja auch mit allerlei Symbolik zu haben sind. Da ist der Handel ja aucht nicht verboten. Wo also der historische Wert als Nutzgegenstand (oder Massenware) den der Propaganda aushebelt… Und dann gibt es noch den Trick, dass der Käufer unterschreibt, dass er den Gegenstand aus den in § 86 genannten Gründen kauft. Also zur Forschung, etc. …

  • C schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:37

    Soweit mir bekannt, ist der Verkauf und Erwerb von Nazi-Memorabilia keineswegs verboten, sofern man es nicht öffentlich herumzeigt und/oder Nazischeiße damit anstellt, und solange die verfassungsfeindlichen Symbole ordnungsgemäß überklebt sind. Ein hiesiger Flohmarktstand (Nazikram wie auch allgemeine Militaria machen hier sicher 20% des Angebots aus) klebte mal launige gelbe Smileys über alle Hakenkreuze.
    Eine Hitlerbüste gab es hier auch mal. Allerdings erkannte ich die zuerst nicht, denn der Verkäufer tarnte sie mit einem grünen Stirnband.
    A little bit of “Deer Hunter”, isn’t it? ^^

  • laura schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:43

    ostbahnhof?

  • Christoph Hering via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:48

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die das auf einem Flohmarkt nicht verkaufen dürfen. Es gibt zwar Ausnahmen von Nutzungsgegenständen, die müssen dann aber nach meinem Wissen einen historischen Wert haben und/oder nachweislich einer Sache nach § 86 Absatz 3 StGB dienen, was auf die Büste und vor allem die Aufnäher garantiert nicht zutrifft. Die werden meist billig in Asien produziert.
    Auch der Handel mit Gegenständen die Verfassungswidrige Symbolik darstellen, bedarf meines Wissens einer gesonderten Genehmigung, die bestimmt nicht einem Flohmarkthändler erteilt wird.

  • Olle VanderWingen via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 16:59

    quieeek. pretty in pink hab ich mir auch vor zwei jahren zum schnäppchenpreis bei saturn gekauft. klassiker!!!

  • Kotzendes Einhorn via Facebook schreibt am 3. Oktober 2012 um 17:18

    Christoph Hering Vielen Dank für die Aufklärung!

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 3. Oktober 2012 um 20:45

    @laura ja

  • sascha restgrau schreibt am 3. Oktober 2012 um 21:50

    bin ich von berliner flohmärkten eigentlich gar nicht gewohnt, die massen an abgeklebten (oder auch nicht) hakenkreuzen, aber heute wurde ich am ostbahnhof eines besseren -oder eher schlechteren- belehrt…
    (und ich muss gerade an einen flohmarkthändler in mailand denken, der uns vor fünf jahren freundlich angegrinst hatte, während wir uns auf deutsch über neue (!) mussolini&hitler-fanartikel an seinem stand unterhielten.)

    hatte mal einen flohmarkthändler gesehen, der ein schild aufgestellt hatte, dass er das zeug nur an “historisch interessierte” verkaufen würde, aber nicht an neonazis. sicher doch, kann man immer sofort zweifelsfrei feststellen…

  • sascha restgrau schreibt am 3. Oktober 2012 um 21:57

    übrigens hatten wir letztes jahr selbst einen stand dort. die miete mussten wir im vorraus überweisen und wir bekamen dann unsere standnummer zugewiesen. es kam nicht mal einer vorbei, der kontrollierte, ob wir überhaupt die leute zu diesem stand waren.
    am mauerpark hingegen kamen irgendwann im laufe des tages zwei leute vorbei, die kassierten. (und dabei wohl auch in der lage waren, zu sehen, was auf ihrem markt so abgeht. keine ahnung ob das den unterschied macht, oder ob sich beim mauerparkklientel geier mit was abgeklebtem schlicht nicht lohnen würden…)

  • ortz schreibt am 3. Oktober 2012 um 22:29

    das bisschen hakenkreuzgedöns auf nem trödelmarkt macht den kohl dann auch nicht mehr fett. herr guido knopp und die ausstrahlenden tv-sender tun ja alles um die geschichte möglichst interessant und cool aussehen zu lassen. es lohnt sich nicht, sich darüber zu echauffieren.

  • karinna schreibt am 7. Oktober 2012 um 12:12

    Wir warn heuer im sommer in lignano und da gibts in den läden hitler wein, hitler bier, hitler schoko… Das is sogar in den schaufenstern ausgestellt! Das ist einfach nur pervers und echt zum kotzen!

  • carl marks schreibt am 3. November 2014 um 18:01

    ja, kaum zu glauben, im ausland gelten keine deutschen gesetze, da kauft und verkauft man einfach was man will.
    und, kaum zu glauben: niemand muss das kaufen!

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