Traurig und Deprimiert?

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Feeling Sad and Depressed?

Findest Du weit hergeholt? Ulkigerweise haben Psychiater und Psychologen gerade in Wirtschaftskrisen großen Zulauf. Versagens- und Zukunftsängste sind eng mit dem gewinn- und erfolgsorientierten Kapitalismus verbunden.

(via buzzhunt)



    5 Kommentare:

  • Yvonne Steffen via Facebook schreibt am 4. Januar 2013 um 11:48

    das wissen wir doch spätestens seit DMD KIU LIDT von Ja, Panik

  • janee schreibt am 4. Januar 2013 um 12:01

    klingt jetzt erstmal komisch und der Zusammenhang erschließt sich auf den ersten Blick auch nicht, aber mir hat dagegen das Buch von Karen Kingston geholfen – “Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags”. Kingston stellt die Theorie auf, dass der Besitz von zu vielen Sachen, die den Alltag vermüllen, einen träge, schlapp und – ja – auch depressiv machen. Dabei betrachtet sie das Ganze dem Titel entsprechend eher von der esoterischen und nicht von der kapitalistischen Seite (ich hab’s eigentlich nicht so mit Esoterik).

    Kingston stellt den Besitz (zu vieler) materieller Güter in Frage, bewegt einen dazu, nachzudenken, warum man etwas besitzt, obwohl es einem nichts bringt, ja sogar oft, obwohl man es nicht mag. Die Gründe sind ebenso vielfältig wie unsinnig: Weil man vor anderen Menschen wohlhabend dastehen will (wobei eine zugerammelte Bude eher abschreckend wirkt), um sich selbst interessanter zu machen (wobei man sich dann oft plötzlich nur noch durch den Besitz von Elefanten oder Salamandern definiert, und z.B. nichts anderes mehr geschenkt bekommt), um Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen, die einem etwas geschenkt haben, das man nicht mag (obwohl es doch jedem lieber wäre, man denkt mit guten Gefühlen an den Schenker, wenn man ein geliebtes Buch von ihm im Regal sieht, als jedesmal mit Grausen erfüllt an ihn zu denken, wenn der Blick auf die scheußliche Barockkerze fällt), weil man denkt, dass man dadurch Kosten spart (obwohl man durch die höheren Mietkosten für mehr Platz fürs Gerümpel jeden Monat Miese macht) und so weiter.

    In Extremfällen mutieren gewöhnliche Menschen zu Messies. Mein Vater war ein solcher, nur dass man das Wort damals noch gar nicht kannte. Auch im übrigen Umfeld habe ich viele Menschen, die nichts wegschmeißen können. Doch sind das nicht die verstörten Zausel, die man im TV sieht, sondern auf den ersten Blick ganz normale Menschen, die ungeheure Massen von Gegenständen um sich anhäufen, ohne dies jemals als “Messietum” zu betrachten. Vermüllte Garagen, vollgestopfte Keller und Dachböden, ausgeuferte Bierdeckel-, Aludosen-, Enten- oder Tupperdosensammlungen; das Anhäufen solcher Massen unnützer Gegenstände interpretiere ich heute auch als Anzeichen von über die Stränge geschlagener kapitalistischer Gehirnmanipulation. Das geht schon im Kinderzimmer los, überall werden kleine Dudley Dursleys herangezüchtet, die zu dem Spielzeug kaum noch einen Bezug haben, es zerstören, und dann das nächste wollen – und damit perfekt in die kapitalistische Gesellschaft, die nur fortbestehen kann, wenn immer weiter konsumiert wird – weit mehr, als wir brauchen, und uns dabei nicht immer glücklicher, sondern immer unglücklicher macht.

    Mir hat das Buch wirklich geholfen. Ich hatte Depressionen bis hin zu permanenten Selbstmordgedanken, und die Aufgabe von Gerümpel hat einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet, mich davon zu kurieren. Ich kann es nicht so recht erklären, aber hunderte begeisterte Rezensionen bei Amazon berichten den immer gleichen Effekt: Die ungeheure Erleichterung, ja, Euphorie, die man sich verschafft, wenn man sich von Gerümpel trennt, die Energie, die dieser Prozess freisetzt, das haben unzählige Menschen erlebt.

    Die Beschreibung, nicht für die harte kapitalistische Welt geschaffen zu sein, trifft zwar heute noch zu, aber ich bin dabei nicht mehr unglücklich. Ich versuche nicht mehr ständig, Teil davon zu sein, sondern halte mich so gut es geht fern davon, meiner geistigen Gesundheit zuliebe.

    LG

  • Erich Zimmermann via Facebook schreibt am 4. Januar 2013 um 12:20

    Falsch: “Manipuliert ! Ein Mensch ohne Geld ist nichts wert ? Kommt euch das bekannt vor ?

  • Tinka schreibt am 4. Januar 2013 um 15:51

    Kapitalismuskritik beruht mMn auf unterschiedlichen Vorstellungen von Fairness bezüglich der Allokation von Ressourcen im weitesten Sinne.
    Deswegen empfinde ich die bloße Kritik immer als etwas oberflächlich. Mal ganz davon abgesehen, dass viele der Symptome auch auf andere Gesellschaftsordnungen zutreffen.
    Ich weiß, es stimmt etwas nicht mit dem Kapitalismus und ich weiß, dass man – will man darauf aufmerksam machen und die Menschen zum Nachdenken bringen – solche Bilder braucht. Und das ist auch gut so.
    Aber ich habe oft das Gefühl, dass es danach nicht weiter in die Tiefe geht. So viele dieser Kritiker sitzen kerngesund in ihrem warmen zu Hause, regen sich über den Kapitalismus auf, lassen sich dabei Bier und Wein schmecken und am Ende des Abends gehen sie in ihr weiches Bettchen und haben das Gefühl, sehr gerecht, weitsinnig und reflektiert zu sein. Da krieg ich das Kotzen, liebes Einhorn.
    Ich fände es so schön, zur Abwechslung mal Alternativen zu diskutieren und auf diese hinzuweisen oder das System Kapitalismus in seine Einzelteile zu zerlegen und jedes für sich analysieren, statt alles zu verteufeln. Ich sage nicht, dass Du das nicht tust. Ich habe diese Diskussion auch noch nicht mit Dir geführt und ich kenne Dich nicht. Wie gesagt, schätze ich, dass Du erst einmal auf das Problemfeld an sich hinweisen möchtest. Haste geschafft ;)

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 4. Januar 2013 um 16:40

    @Tinka Ich gebe Dir vollkommen recht, auch wenn ich mich nicht anschließen kann, dass ich Theorie alleine zum Kotzen finde.

    Selbstgefälligkeit dagegen schon. Vereinfachte Darstellung komplexer Problematiken birgen diverse Gefahren in sich. Insbesondere wenn es um Kapitalismus geht.

    Und ja, mir geht es vorerst um das Erkennen der Problematik und die Fragestellung ob die sogenannte “Luxuskrankheit” und “Volkskrankheit” Depression etwas mit kapitalistischen Grundwerten zu tun hat. Zu dieser These gibt es leider wenig Informationen.

    Ich erwarte von meinen LeserInnen stets, dass sie wenn sie ein Thema interessant finden selbst in die Tiefe gehen. Vorkauen gehört selten zu meinem Konzept. Leider weiß ich, dass ich es mir damit a) ziemlich einfach mache b) Gefahr laufe Vollspaten anzuziehen oder c) manche LeserInnen überschätze.

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