Die Preziöse – Crowdgefundetes Queer-Mag

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Ich bin nicht hip...

Die Preziöse ist ein neues queeres Magazin und seit gestern an Bahnhofskiosken zu finden. Doch nicht nur die Inhalte selbst sind interessant. Auch die Finanzierung des Magazins. Dieses wurde nämlich erfolgreich crowdgefundet. Grund genug sich mit Sandy K. Artuso, der Redaktionschefin, kurz über das neue Mag zu unterhalten.

Die Preziöse ist ein neues Queer-Mag für Frauen. Preziös selbst heißt so viel wie edel oder kostbar. Wieso gerade dieser Titel?

Nun, es fängt ja schon damit an, dass wir eine Printzeitschrift sind: wir kommen mit einer gut 300 Gramm schweren Zeitschrift daher, die inhaltlich wie äußerlich liebevoll und aufwendig gestaltet wurde. Das war ja von Anfang an unser Ziel, etwas zu produzieren, was einen Mehrwert hat, was du aufheben möchtest wenn du es fertig gelesen hast. Das soll aber jetzt nicht heißen, dass nur Printmedien Mehrwert haben! Wir haben für uns festgestellt, dass wir Papier sehr schätzen, und eben für kostbar halten.

Durch den Namen wollten wir uns mit einem Augenzwinkern von den marktbeherrschenden Zeitschriften abheben, was wir ja auch in unserem Werbefilm aufgegriffen haben. Wir hatten den Wunsch einer neuen Generation, die sich von den binären „Geschlechterordnungen“ und Oberflächlichkeiten in den Medien distanziert, ein Gesicht zu geben. Es gibt einige Zeitschriften die sich seit langem gegen diesen Mainstream wehren, da wollten wir nun gewagt versuchen, an die breite Öffentlichkeit zu gelangen, um vielleicht auch bei anderen ein Umdenken in Gang zu setzen. Wir spielen aber auch gerne mit der Erwartungshaltung die einer Zeitschrift entgegengebracht wird, die sich “preziös” nennt: wer dabei an teure Uhren oder Designermode denkt, wird eine Überraschung erleben.

Die Portion Selbstironie, die in “preziös” steckt, spielt aber auch darauf an, dass wir sind uns bewusst sind, dass wir Debütantinnen auf einem harten Parkett sind. Wir haben uns in dieses Projekt gestürzt mit einer gesunden Portion Naivität, als absolute Beginner und erheben dabei auch noch hohe Ansprüche. Da kommt vielleicht der Gedanke auf, dass sich diese Mädels etwas zu ernst nehmen. Wir nehmen unser Projekt ernst, ja – uns selber halten wir aber vor allem für Idealist*innen; die Leserschaft hoffentlich auch!

Ihr wollt Euch vor allem Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt aus einem nicht heteronormativen Blickwinkel widmen. Was ist mit der Popkultur? Ist die unabsichtlich ausgespart?

Oh nein, da war wohl irgendwo die Aufzählung nicht komplett! Denn wir werden uns sehr wohl auch mit kulturellen Themen befassen: Musik, Literatur, Filme, etc… Das einerseits in Form von Rezensionen, aber auch z.B. mit Porträts, in denen wir interessante Künstler*innen vorstellen. Kultur zählt definitiv mit den oben genannten zu unseren Schwerpunkten – was auch gerade in der ersten Ausgabe zu sehen ist, bei der die Kulturrubrik sehr üppig ausgefallen ist!

Ihr habt Eure erste Ausgabe erfolgreich über Crowdfunding finanzieren können. Ich vermute Du kannst das empfehlen. Was waren damit Eure Erfahrungen, worauf sollten Leser*innen achten die ebenfalls ein Projekt crowdfunden wollen?

Die Preziöse - CoverDas Wichtigste vorab: Du brauchst eine Crowd! Ein solches Unterfangen kann wirklich nur gelingen, wenn du weißt a) an wen du dich mit deinem Projekt wenden willst und b) wie du sie erreichst. Aber meistens ergibt sich das ja schon aus der Projektarbeit heraus: du sitzt ja meisten mit mehreren Leuten an einem Projekt, du tauschst dich aus und merkst: “Oha, das was wir hier machen wollen, könnte noch mehr Menschen interessieren.” Das Internet ist dabei eine sehr praktische (und günstige!) Plattform, um dein Projekt zu bewerben – gerade soziale Medien helfen dabei sehr.
Daher ist die Kommunikation auch ein wichtiger Faktor – der Austausch mit den Leuten da draußen, die dein Projekt gut finden, ist sehr wichtig, auch für die Entwicklung des Projekts.
Das klingt nicht nur danach, da Ganze ist auch sehr zeitintensiv! Nicht nur musst du das Crowdfunding und die Kommunikation nach außen handhaben, du musst ja auch noch das eigentliche Projekt auf die Beine stellen. Das soll aber jetzt niemanden entmutigen, denn du merkst ja dann auch, ob du auf dem richtigen Weg bist, wenn dir diese ganze Arbeit Spaß macht!
Ich glaube, das ist auch noch ein wichtiger Punkt: Leidenschaft. Klingt pathetisch, aber dennoch; wenn du es schaffst, die Leidenschaft, die Energie die du in dein Projekt einbringst auf deine Crowd zu übertragen, dann wird der Funke übergreifen.

Einordnen am Kiosk ist ja auch immer so ein Thema. Es amüsiert mich immer wieder, wenn ich die Missy zwischen Brigitte, Petra und Co. liegen sehe. Neben welchen Heften würdet Ihr gerne im Handel stehen?

Oha – die armen Missys landen dort? Nun, wir würden schon gerne neben den Missys oder der Emma stehen, aber nur wenn wir alle dann auch in der Nähe von Publikationen wie die “Dummy” oder der “Neon” lägen..Also irgendwo bei den Gesellschafts- oder Kulturmagazinen… das wäre fein… ich bin gespannt wo wir landen werden.

Eine letzte Frage. Ihr schreibt, dass ihr “in Zukunft noch einige publizistische Aktionen planen” werdet. Gibt es da schon konkrete Pläne auf die wir uns freuen können?

Vorerst wollen wir uns auf die “Preziöse” konzentrieren, denn solange wir noch “Beginner” sind, und uns die Arbeitsschritte erst aneignen müssen, geht die ganze Energie da hinein.
Wir hoffen aber irgendwann die Möglichkeit zu haben, Veranstaltungen wie Lesungen oder Diskussionsabende zu organisieren. Ferner könnten wir uns vorstellen, in der Zukunft auch mal andere Publikationen, wie etwa ein Essayband oder Fotografie-Bücher herauszubringen. Das ist aber noch Zukunftsmusik!

Wenn Du Die Präziöse nicht an Deinem Kiosk findest kannst Du sie online hier bestellen.



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