Sick Sad World: Burschenschaften und der Rassismus

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Eat Schland

Der Spiegel berichtet, dass die Deutschen Burschenschaften bei ihrem Treffen in Eisenach doch tatsächlich wieder über eine Art “Ariernachweis” diskutieren. Bereits 2011 wurde über die Einführung eines solchen Nachweises gesprochen. Walter Tributsch, Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft, streitet selbstverständlich Rassismusvorwürfe ab und gibt zu Protokoll: “Wir sind leider nicht so rassistisch ausgerichtet wie zum Beispiel jüdische Organisationen.” Was natürlich auch nicht antisemitisch zu verstehen sei.

Dabei ist Rassismus und die Nähe zu den Rechten kein neues Problem bei Burschenschaften. Erst vor Kurzem wurde der Berliner Staatssekretär Michael Büge aus dem Amt geschmissen, da er Mitglied der studentischen Burschenschaft Gothia war. Die eng mit rechtem Gedankengut verknüpfte Verbindung duldete auch NPD-Politiker als Verbandsbrüder und interviewte diese. Bereits vorher rechtfertigte der Chefredakteur der Verbandszeitung “Burschenschaftliche Blätter” die Hinrichtung des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Er wurde allerdings abgewählt. Kritische Stimmen sind bei der Tümelei unerwünscht. Christian Becker, der selbst Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczecks zu Bonn war, gründete die Initiative Burschenschaftler gegen Neonazis und bloggt über rechte Strömungen innerhalb der Verbände. Dies gefiel seinen Brüdern allerdings gar nicht. Mit großer Mehrheit wurde er 2012 aus seiner Studentenverbindung rausgewählt und als “Hetzblog-Betreiber” beschimpft.

(Screenshot vom 24. Mai)

Auch die Franconia Burschenschaft in Münster scheute nicht die Nähe zur NPD. Im Jahr 2004 zog JN- und NPD-Mitglied Oliver W. in das Verbindungshaus ein. Erst nach zahlreichen öffentlichen Skandalisierungen und Protesten musste er das Verbindungshaus verlassen. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit “spielt” auch die Junge Union Münster mit der Rechtsnähe der Burschenschaftler und lies sich mehrmals vor der Bruderschaftsflagge, die der Reichsflagge natürlich nur zufällig ähnelt, in den Räumlichkeiten des VDSt Münster ablichten.

Dass die Burschenschaftler weit Rechts auf Mitgliederfang gehen ist also keineswegs neu. Mit Schülerverbindungen wird gegen die Veralterung der Verbindung angekämpft, dennoch oder gerade deswegen treten gerade wegen rassistischer Debatten immer mehr Mitglieder aus. Archaische Rituale, völkische Ideologie und Maskulinismus. “Die Geister die ich rief” eben. Traurige kranke Welt.

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Claire)



    4 Kommentare:

  • iseesoberpeople schreibt am 25. Mai 2013 um 13:22

    naja is ja auch ne auszeichnung bei den burschis rauszufliegen.
    die denke is da halt immanent, und wer nich reinpasst fliegt…

    burschis gegen nazis is wie freiwild gegen rechts

    lass ich mal so hingestellt

  • iseesoberpeople schreibt am 25. Mai 2013 um 13:27

    oder auch:
    hallo arschloch mit dem schmiss im gesicht,
    mit faschisten red ich nich
    -graue zellen

  • Steve schreibt am 19. September 2013 um 21:06

    Einerseits Toleranz predigen, andererseits sind dann alle Burschis Faschisten. Ist das nicht ziemlich inkonsequent und unlogisch?
    Schon mal dran gedacht, dass es überall schwarze Schafe gibt. Gibt es nicht Fußballvereine, Schützenvereine oder irgendwelche anderen Vereine bei denen es ebenfalls rechte Tendenzen gibt? Sind dann alle Fußballvereine rechts?
    “Ariernachweis” und Dietrich Bonhoeffers Hinrichtung gutheißen sind natürlich absolute No-Gos, aber die Idioten der Deutschen Burschenschaft werden doch eh immer weniger und repräsentieren nicht den Großteil der Studentenverbindungen.

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 20. September 2013 um 08:55

    @Steve Sofern Du nicht von den Kommentaren sprichst, steht hier nicht, dass “alle Burschis Faschisten” seien. Oben im Artikel werden auch die Bemühungen von Christian Becker erwähnt und der war ja auch in einer Burschenschaft.

    Ich glaube nicht, dass Fußball und Schützenvereine zu vergleichen sind. Schließlich pflegen letztere einen traditionellen Militarismus (sofern Du Schützenbrüderschaften meinst, wovon ich jetzt mal ausgehe), das würde ich Fußballvereinen keineswegs unterstellen.

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