Wetten dass?!

Wetten dass?! Transkrepieren – Die Sendung vom 9. November

-

Wetten dass?!

Ich weiß, Wetten dass?! und Lanz-Bashing ist so en vogue, dass es wieder out ist, dennoch fiel mir etwas auf, als ich gestern kurz reinzappte. Nein, nicht, dass am 9. November Volksmusik und Fragen nach Deutschland, bzw. der deutschen Sprache oder Nationalität auffällig oft im Mittelpunkt der Starinterviews standen. Es ist eher, dass der Anteil des absurden Theaters immer größer wird. Wir müssen uns Wetten dass?! als eine bis ins letzte Detail inszenierte Aufführung vorstellen. Mit vorgeschriebenen Dialogen und Handlungen.

Passend zu dieser Theorie bricht Lanz oft die vierte Wand. Mitten in Gesprächen wendet er sich von seinen Gesprächspartner*innen ab und kommentiert das Gesagte. So wusste er über Lukas Podolski z.B. zu urteilen: Auf die Frage, ob er auch die Ausgänge eines Spieles des FC Bayern München gegen den 1. FC Köln kenne, zögerte dieser. “Er weiß es nicht”, triumphierte Lanz. Dass es Podolski sehr wohl wusste, bewies er kurz später. Er hätte es ja Lanz auch vorher schlecht beweisen können, schließlich war die Nennung der Torschützen und des Ergebnisses Aufgabe des späteren Wettkönigs. Klassisch natürlich auch, wie Lanz auf die Antworten und Einwände seiner Gäste so gar nicht eingehen mag und stur sein vorgefertiges Frageprogramm abspult. Wie gesagt, wir müssen uns vorstellen, dass Autor*innen dafür vorher ein Drehbuch schreiben, und im Falle des Interviews mit Elyas M’Barek sah es vermutlich so aus. Rassistische Scheiße inbegriffen.

Markus Lanz interviewt Elya M’Barek

Lanz steht vor einer Fred Feuerstein Kulisse:
“Türkisch für Anfänger ist das Stichwort. Aus Doctor`s Diarys kennen ihn beispielsweise auch und jetzt hat er zum Beispiel einen Riesenhit im Kino. Hier ist Elyas M’Barek. Herzlich willkommen!”

Musik

“Vielen Dank Euch, Vielen Dank. Nochmal Danke, super gemacht.”

“Hallo. Hallo Halle!”

“Hallo Halle. Hallo, Markus, cooler Typ.”

“Danke, Du auch.”

“Schön, dass Du da bist. Herzlich willkommen. Ihr kennt Euch untereinander. Mit Diana hast Du gespielt.”

[…] Elyas smalltalkt mit den Gästen und setzt sich auf den Platz, der am weitesten von Lanz entfernt ist. Das lässt dieser nicht auf sich sitzen.

“Elyas, komm ruhig her. Ich find ganz schön Dich in meiner Nähe zu haben. Elyas, so, ich muss das jetzt einmal aussprechen, mach ich rein dienstlich, dein neuer Film, der unglaublich erfolgreich in den Kinos gestartet ist, trägt den schönen Titel: Willst Du selber sagen?”

“Frau Ella.” Diana Amft lacht, Elyas grinst. “Nein, der heißt Fack ju Göhte!”

“Er heißt Fack ju Göhte, gut!”

“Also ZDF-Zuschauer, ich kann es mal übersetzen, sind ja ein bisschen älter alle.”

“Hallo?!”

“Hier im Saal natürlich nicht. Ehmm, ist ne Anspielung. Auf Jugendsprache. Ist ein bisschen moderner der Film.”

“Verstehe.”

[…]

“Sag, Du bist eigentlich jemand der immer, auf diese ehm, die Rolle des ehm, sagen wir mal, orientalischen Kleinkriminellen abonniert ist. Ne?”

“Nicht wirklich. Nee.”

“Doch! Hast Du schon gemacht!”

“Das ist halt immer wichtig in Deutschland, dass wenn man anfängt und so aussieht wie ich, dann muss man erstmal mit den kriminellen Kanakenrollen anfangen…”

“Ja.”

“…und irgendwann darf man dann ins ernsthafte Fach wechseln, was ich jetzt mit Fack ju Göhte getan hab.”

Lanz kichert.

“Ist ein sehr überzeugender Schritt, ja und ist sowieso um so interessanter, als man mal sagen muss: Du bist in München geboren, hast einen österreichischen Pass…”

“Ja.”

“hast eine österreichische Mutter…”

In österreichischem Akzent:
“Ich grüße meine Landsmänner in Österreich. Sind Österreicher hier, ja, Servus, Grüß Euch! Aber ich bin eigentlich ein Münchner.”

“Ja?”

“Ja, also ich bin in München geboren.”

“Aber Deine Mama ist Österreicherin!”

“Genau!”

“Dein Papa?”

“Ist aus Tunesien.”

“Der ist Tunesier. Du bist römisch katholisch?”

“Ach ja, das sind so Dinger. Über Beziehungsfragen und solche Dinge rede ich ungern in der Öffentlichkeit.”

“Ja, aber die Beziehung zum lieben Gott kann man schonmal klären. Also Du bist römisch katholisch und sprichst kein Wort arabisch!”

Elyas M’Barek ist sichtlich irritiert über den Gesprächsverlauf, macht aber weiterhin gute Mine:
“Nee, Du auch – nicht?”

“Nein, hehe, ja, ich auch nicht. Haha.” – Lanz schüttelt sich vor Lachen. – “Aber wenn man immer wieder als Türke eingesetzt wird, ja? Wie schafft man sich das dann drauf?”

“Ach, ich hab erst einmal einen Türken gespielt eigentlich. Also nur bei Türkisch für Anfänger. Also Zeki Müller, die Figur in Fack ju Göhte, der hat gar keine Herkunft. Ich weiß bis heute nicht, woher der kommt. Der heißt ja auch Müller. Also ich hab mich nicht wirklich vorbereitet auf den Film.”

“Ich find’s gut! Also Du bist der falscheste echte Türke, den wir seit langer Zeit hier in der Sendung hatten.”

Applaus.

Markus Lanz schaltet zur Außenwette:

Lanz dreht sich zum Monitor

“Wir schauen mal ganz kurz Herr Wiegand, wir schauen mal ganz kurz auf den Marktplatz, auf diesen ehh ehh wunderbar restaurierten Marktplatz.”

Unkontrolliertes Lachen und unverständliches Gebrabbel, während ein Bild eines weißen Pavillions eingeblendet wird. Im Vordergrund steht Stephanie Stumph mit zwei Nonnen, die gelbe Ponchos tragen.

“Hallooo! Haalloo!”

“Ja, das ist ja eine Orgie in Gelb.”

Pause

“Stephanie, wie läuft’s denn bei Euch?!”

“Hier neben mir ist Schwester Beate…”

“Göttlicher Beistand.”

“… und Schwester Danjela”

Die Nonne protestiert: “DanIela”

“Genau”

“Stephanie, ihr seid sozusagen schon zu hören und zu sehen, wenn Schwester…wir haben die Namen nicht verstanden. Wenn die zwei himmlischen Schwestern…”

“Danjela und Beate”

“Danjela und Beate. Und zur..”

Die Nonne protestiert: “DanIela”

Lachen

“Ja, das erinnert mich irgendwie an Bud Spencer. Die Linke und die Rechte Hand Gottes.”

Kurzer Schnitt auf einen Platz, wo sich Menschen in gelben Leibchen in Form eines Longsleeves aufstellen.

“Okay, also ein bisschen was ist da schon…”

“Juuuhuuuuuu”

“….Stephanie, was fehlt uns noch? 1000 Menschen?”

“Du, pfff, also mit Zahlen kenne ich mich nicht so aus. Ich weiß, nur der Bauch füllt sich so langsam, der andere….”

“Hiihihihihi, ha, super!”

Alfred Jarry würde sich im Grabe umdrehen, GEZ-Zahler sich ins Grab wünschen. Daher kann ich das hier auch nicht transkribieren nennen, es heißt transkrepieren! Gebt dieser Sendung doch bitte den Gnadenschuss!



    7 Kommentare:

  • Diaet schreibt am 10. November 2013 um 21:52

    Oh my,Daniel. ich hab schon nach den ersten zwei rohrkrepierenden “Witzchen”von Lanz gedanklich abgeschaltet. wie hast Du das so lang ausgehalten

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 10. November 2013 um 21:58

    @Diaet Ich hab es aufgezeichnet und dann die Stelle in die ich tags zuvor sah rausgesucht. Eine ganze Sendung würde ich auch nicht aushalten.

  • Julia schreibt am 10. November 2013 um 21:59

    Lanz sollte lieber irgendwas machen, in dem er wenig mit echten Menschen interagieren muss. Tagesschausprecher vielleicht, da kann er mit seiner korrekten Intonation einfach ablesen und muss niemanden unterhalten.

  • Julia schreibt am 10. November 2013 um 22:00

    *bei dem
    Pardon

  • RamsayBolton schreibt am 10. November 2013 um 23:06

    Hab damals noch gewitzelt man könne ja Kurt Krömer als neuen Moderator nehmen. Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher dieser würde einen besseren Job machen als Lanz.

  • Stefan schreibt am 11. November 2013 um 10:02

    So macht Wetten Dass..? Spaß! Vielleicht sollten die einfach weg vom ZDF und hin zu Reklam. Würde die Produktion auch billiger machen …

  • Diaet schreibt am 11. November 2013 um 15:52

    @Stefan schöne Idee,Stefan. Daniel. also DanIel,hättest Du Lust,die nächste Sendung einfach zu schreiben,dann lese ich das meiner Mutter einfach vor,schiebe zwischendurch zwei Musikstücke ein,wir haben ein gemeinsames Samstagsprogramm und sparen uns den Quatsch in derGlotze

Dein Kommentar:

Kommentarfeed zu diesem Artikel via RSS abonnieren.

Hinweis: Kommentare werden moderiert. Sie können auch ohne Angaben von Gründen gelöscht werden. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht! Weitere Infos zum Datenschutz