Das Schwert von Galgano – Inspiration für Artus-Sage?!

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Das wusste ich auch nicht. Jeder kennt die Legende. Merlin triebt das Schwert Caliburn durch einen Stein und es hieß, dass nur der wahre künftige Herrscher es dort rausziehen könne. Daher auch der verbreiterte Name Excalibur, der sich aus ex (aus), cai (Stein) und libur (frei) zusammensetzt. So weit, so bekannt. Aber dass es tatsächlich ein Schwert gibt, dass in einem Stein festsitzt, dass war mir bisher unbekannt.

In der Toskane existiert die Ruine einer alten Abtei, San Galgano, die 1224 gegründet und 1783 aufgegeben wurde. In der nahegelegenen Einsiedlerei von Montesiepi gibt es aber eine außergwöhnliche Sehenswürdigkeit. Ein Schwert, welches in einem Stein feststeckt. Interessant dabei sind natürlich viele Fragen, steckt da wirklich ein ganzes Schwert im Stein, oder lediglich der Griff?! Und wie lange steckt es schon dort?!

Das Schwert von Galgano

Sicher ist auf jeden Fall, dass bisher es niemand rausziehen konnte. Versuche wurden oft unternommen und das Schwert dabei beschädigt, weshalb es mittlerweile durch Plexiglas geschützt wird. Im Jahr 2001 stellten Spezialisten der Universität Padua mit Hilfe eines Boden-Radars fest, dass tatsächlich ein ganzes Schwert in dem Stein steckt. Und zwar ohne dass kleine Zwischenräume vorhanden wären. Metallurgische Tests deuten zudem darauf hin, dass das Schwert aus dem Jahre 1180 stamme.

Allerdings hat das Schwert von Galgono eine eigene Legende:

“San Galgano war ein unzüchtiger Ritter, der in Chiusdino in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebte. Der Erzengel Michael erschien ihm eines Tages, überzeugte ihn Buße zu tun und wies ihm den Weg der Erlösung. […]

Der Ritter hörte eine engelhafte Stimme, der er unmöglich widerstehen konnte und die ihn nach Monte Siepi, einem schroffen Hügel nahe Chiusdinos, führte. Die Stimme führte Galgano zur Spitze des Hügels und hieß ihn, sein sündiges Leben aufzugeben. Der Ritter zögerte jedoch und antwortete gewitzt, dass, selbst wenn er wirklich glauben würde, dass er sein Leben ändern solle, sich zu ändern ebenso schwierig werden würde, wie einen Felsen mit einem Schwert zu zerschlagen. Indemer dies sagte, zog er seine Waffe und schlug einen Stein, in voller Erwartung, dass die Schneide brechen würde. Jedoch zu seiner großen Überraschung, teilte das Schwert den Stein und verschwand bis zum Heft im Felsen.”

Nun sind die frühesten Artus-Überlieferungen schon viel früher zu datieren, allerdings sind die frühesten Quellen Abschriften des 12. Jahrhunderts. Erst in der Historia Regum Britanniae von Geoffrey Monmouth aus dem Jahre 1136 finden sich die bekannten Elemente der Sage mit Merlin und Excalibur. Überhaupt scheint es sich bei dem Schwert aus dem Stein ulkigerweise um einen Übersetzungsfehler zu handeln. Frühmittelalterliche Schreiber ließen oft Nasale aus, die stattdessen mit einem Querstrich über dem Vokal angedeutet wurden. Daher könnte statt Stein (ex Saxo) auch ein Sachse (ex Saxone) gemeint sein. Was sich mit einer jütischen Sage deckt, nach der ein sächsischer Krieger sein Wunderschwert an einen britischen König verlor.

(Bild Wikicommons, von Adrian Michael unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Lizenz)



    Ein Kommentar:

  • Iris schreibt am 15. Oktober 2014 um 15:56

    TV-Tipp: Die dritte Folge der TV-Dokumentationsserie „Menschen, Mythen und Legenden“ versucht das Geheimnis der Artus-Sage zu entschlüsseln. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen wird geklärt, warum und vor allem wie das Schwert in San Galgano im Felsen versenkt wurde.

    Sendetermin:
    Das Schwert im Felsen
    Freitag, 17.10.2014 um 20.15 bei ServusTV

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