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#Olympicfail – Metronaut über die Abmahnungen zur Olympia-Satire

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Das Blog Metronaut ist für seine Satire auf die Berliner Olympia-Kampagne gleich doppelt abgemahnt worden. Ob gut oder schlecht, Satire darf kritisiert werden, aber verboten?! Dachten sich auch die Metronauten und nehmen die beanstandeten satirischen Olympia-Motive wieder online.

Der Fall beschäftigt mittlerweile nicht nur internationale Medien, sondern auch das Berliner Abgeordnetenhaus. Nicht nur die Fraktion der Piraten befasst sich mit dem Fall sondern auch die LINKE.

Wenn es tatsächlich zu einem Rechtsstreit kommt, sind die Kosten für Metronaut empfindlich, weswegen das Blog sich über Spenden freuen würde.

John F. Nebel im Interview zu den Abmahnungen, NS-Vergleichen und dem Streisand-Effekt.

Ihr habt Remixe von alten Plakaten der olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin genommen und mit den Logos der aktuellen Werbeaktion der Stadt Berlin als Olympia-Standort versehen. Prompt gab es zwei Abmahnungen. Wieso gleich zwei?

Wir wurden einmal von einer Einzelperson aus der Olympia-Bewerbung und einmal von Land & Senat Berlin abgemahnt.

Worum geht es da bei der Abmahnung? Wird hier das Urheberrecht (auf das Logo) angewandt?

Verkürzt gesagt geht es um zwei Punkte: einmal um die im satirischen Artikel getätigten Fake-Aussagen der Olympia-Kampagne und zum anderen, dass Plakate gezeigt wurden, die keine echten Olympia-Bewerbungsplakate sind. Von Urheberrecht war bislang nicht die Rede.

Allerdings waren die Artikel als Satire gekennzeichnet. Euer Rechtsbeistand geht davon aus, dass dies nicht zu übersehen gewesen sei. Wird hier gleich juristisch reagiert um Erinnerungen an die international öffentlichkeitswirksame Nazi-Propagandashow von 1936 in der selben Stadt zu vermeiden?

Der Artikel war als Satire gekennzeichnet, das ist auch im mitgesandten Screenshot der Abmahnschreiben deutlich zu sehen. Und mal im Ernst: Wer glaubt denn bitte schön, dass die offizielle Olympia-Kampagne mit Hitlerjungen, Wehrmachtssoldaten und lupenreiner Nazi-Ästhetik wirbt? es ist schon eher amüsant, dass die Olympia-Kampagne da quasi denkt “Hey, das trauen uns die Leute zu, da müssen wir was gegen tun!” Darüber hinaus will man wohl die nationalsozialistische Vergangenheit von Olympia in Berlin jetzt nicht mit der “Wir wollen die Spiele”-Kampagne vermengt sehen. Bislang war wenig Kritisches vom Senat zu hören zu diesem Thema. Das Vorgehen jetzt gegen unsere Satire ist dann auch ein Ausdruck von Nervosität, denn so richtige Jubelstimmung will ja nicht aufkommen für die Austragung des Großevents.

Neben Solidaritätsbekundigungen findet sich bei Euch in den Kommentaren aber auch Kritik. Der Nazi-Vergleich als Provokation beinhaltet auch stets die Gefahr der Verharmlosung. Wie steht ihr zu solcher Kritik? Ihr habt ja die Debatte sozusagen gleich bei Godwin begonnen.

Das war bestimmt keine feinfühlige Satire, bei der man zwischen den Zeilen die Pointe finden muss. Das war schon eher Holzhammer. Es ging ja nicht darum, die Olympia-Bewerbung von heute mit 1936 zu vergleichen, sondern in der Wunde zu bohren, dass überhaupt mal darüber geredet wird, dass es da noch ein anderes Olympia gab, das als Propaganda-Event von den Nazis genutzt wurde. Von daher verfängt die Kritik da nicht.

Und wie steht ihr zu Solidaritätsbekundigungen a la “Je suis Metronaut”? Für mich besteht zwischen ermordeten Satirikern und abgemahnten Satirikern ein Unterschied, der mich erschaudern lässt, wenn ich sowas lese…

Wir haben zwei Abmahnungen bekommen, die wurden ermordet. Das lässt sich absolut nicht vergleichen und ist deswegen nicht passend. Auf der anderen Seite konterkariert der Umgang des Berliner Senats mit Satire natürlich die ganzen Bekundungen der letzten Wochen. Deswegen kam das vereinzelt auf. Dennoch ist diese riesige Solidaritätswelle, die da durchs Netz rollt, großartig. Sie macht dir als Blogger, der sich auf einmal mit juristischen und finanziellen Bedrohungen auseinandersetzen muss, Hoffnung dass alles doch gutgehen wird.

Ist angesichts des gerade einsetzenden Streisand-Effekts die Satire gerade durch die Abmahnung besonders gelungen? Glaubst Du, dass eine ernsthafte Diskussion abseits von Solidarität, Interviews wie wir sie führen und News-Berichten bei Fox-News oder Fefe entstehen kann? Oder wird sich das in Diskussionen über “Was darf Satire”, “Zensur”, “Abmahnungen” und “NS-Vergleichen” auflösen?

Die Welle, die der Senat durch sein Vorgehen jetzt bis in mexikanische Zeitungen losgetreten hat, lässt sich nicht mehr einfangen. Das Thema “Olympiavergangenheit” ist jetzt definitiv präsenter, wie lange das anhält kann ich nicht abschätzen.

Danke für das Interview



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