Daniel Kulla über Kontinuitäten bei Jürgen Elsässer

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Ich hab mich immer wieder gefragt, wie Elsässer vom Anideutschen zum glühenden Rechtspublizist werden konnte. Daniel Kulla schreibt in einem längeren Post über ihn wie aus einem der “radikalsten Kritiker aller Vaterländerei” zu einem geworden, der sich lautstark freut, dass “auf der ganzen Welt … der Patriotismus und der Kampf für das eigene Volk auf dem Vormarsch” ist. Daniel will Kontinuitäten in seinem Wirken zeigen. Für alle, die Jürgen Elsässer erst als Compact-Chefredakteur kennen lernten und sich wunderen ein lesenswertes längeres Stück:

“In den Momenten des Zweifels vor etwa 10 und vor etwa 20 Jahren hatte er teilweise gute Kritik an vielen linken Strategien und Denkweisen vorzubringen – Mitte der 90er am Traditionalismus, am alten Faschismuskonzept, an der Verkennung der Rolle und Form des Nationalismus der Gegenwart; und 2005 gerade an jener Verwendung des 2. Weltkriegs als ständiger ‘Folie’, an der Hetze gegen die ‘islamische Weltverschwörung’, daran, nur noch Bombardierung als Mittel gegen Antisemitismus zu kennen; er wies darauf hin, daß Mossad-Vorwissen noch anderes bedeuten kann, daß die deutsche Dominanz Europas nicht zur Ablösung der USA geführt hatte, daß es um Klassenkampf gehen müßte. (Nachzulesen etwa in “Ausgedeutscht”)

Im nächsten Moment, als er merkte, daß er mit alldem bei den meisten Linken auf Granit stieß, fing er an, sich um die ‘Sicherheit Europas’ zu sorgen, die Slowakische Nationalpartei als ‘Kraft’ zu feiern, ‘die mit dem Neoliberalismus brechen will’, die Neocons und die Antideutschen als die neuen Nazis auszumachen.

Galten ihm selbst eben erst noch die ‘Gotteskrieger und Selbstmordattentäter’ als die ‘Sturmtruppen, die für das westliche Big Business die modernen Staaten, die im Unterhalt viel zu teuer sind, schleifen sollen’ und denen Israel anders als Jugoslawien standhielt (2001), war er schon bald nach der Zwischenstation, Muslime gegen Rassismus und Stigmatisierung in Schutz zu nehmen, 2007 hierbei angekommen: ‘Länder wie Afghanistan, Irak und demnächst Iran werden in die Steinzeit zurückgebombt, weil sie nicht das westliche Verständnis von Multikulti teilen. Auch in der Innenpolitik steht die Multikulti-Ideologie seit 9/11 für einen neuen Rassismus: Man hetzt gegen Moslems, weil die sich gegen die Pornographisierung und Amerikanisierung der Gesellschaft wehren und nicht von ihrem Gott lassen wollen.'”

Zuvor auf dem Einhorn:

Patrick Gensing über Jürgen Elsässer
Correctiv über die Medien der neuen Rechten

Jürgen Elsässer will weder rechts noch links sein

(Foto von Alexander Böhm, Wikimedia unter CC-BY-SA 4.0 Lizenz)



    3 Kommentare:

  • m schreibt am 19. Januar 2017 um 09:52

    Ich habe eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. Zwar bin ich nicht derart extrem, war nie wirklich Aktivist und bin kein Mitglied einer Gruppe. Aber auch ich finde, dass es ungesund ist, die eigene Kultur, das eigene Land fast bis zur Selbstaufgabe zu verneinen und das im-Staub-kriechen zum Kern der eigenen Identität zu machen. Auch bin ich keine 14 mehr. Da macht rebellisches „Deutschland muss sterben!!1!!“ vielleicht noch halbwegs Sinn oder Spass. Ab 25 wird das albern.

    Niemand hat Interesse sich zu integrieren in eine Gast-Kultur, die sich jeder sich bietenden Gelegenheit selbst fertig macht. Warum sollte man das tun, wenn selbst die Einheimischen so wenig von sich selbst halten?

    Ich bin ein westlicher Chauvinist. Ich denke, die westliche Zivilisation ist die bestmögliche, wir haben uns bei niemandem zu entschuldigen. Ich bin damit auch nicht allein. Warum sonst gehen die Flüchtlingsströme in unsere Richtung und nicht in eine Andere?

  • Daniel Decker
    Daniel schreibt am 19. Januar 2017 um 13:42

    @m Zwei Millionen Syrer gingen nach Saudi Arabien. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/f-a-z-exklusiv-saudi-arabien-nahm-zwei-millionen-syrer-auf-14256243.html

  • m schreibt am 19. Januar 2017 um 19:18

    @Daniel Das ist doch wunderbar.

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