Mit Rechten reden III – Die Medien und der politische Clickbait

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Mit Rechten reden

Das hier wird langsam zur unregelmäßig regelmäßigen Serie. Und da es mal Kritik an dem Titel gab, der bezieht sich natürlich auf das gleichnamige Buch von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn, die Ungenauigkeit ist also von dort übernommen. Nach einem alten Text von Wiglaf Droste, ging es um einen ähnlichen Schluss zu dem unabhängig voneinander Jan Böhmermann und Diedrich Diederichsen kamen.

Diesmal schauen wir also nach Österreich. Die Lage dort ist bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland. FPÖ ist etabliert und an der Regierung beteiligt. Der Wiener Rechtsextremismus-Experte Dr. Bernhard Weidinger erklärt im Interview wie es so weit kommen konnte:

“Wenn die AfD sich nicht selbst im Weg steht, kann sie sich langfristig etablieren. Jeder weitere Wahlerfolg befördert ihre Normalisierung. Wenn ihre Politiker dann auch noch in jeder zweiten Talkshow sitzen, klingt es irgendwann hohl zu sagen, mit diesen Leuten dürfe man nicht reden oder zusammenarbeiten. Ihre mediale Präsenz ist zwar einerseits logisch, weil die Partei in Parlamenten vertreten ist. Die Art und Häufigkeit dieser Präsenz hat aber wohl auch mit Eigeninteressen der Medienbranche zu tun. […] Mit den Provokationen der Rechten machen Medien Auflage und Quote.”

Das Resultat, so seine Beobachtung, könne in Österreich heute gesehen werden. In den Neunzigerjahren provozierte der damalige FPÖ-Chef Jörg Haider Titelstories mit Tabubrüchen und führte so eine Normalisierung herbei, wo Emotionalität und Verschleierung wichtiger als überzeugende Argumente wurden.

Die Mitschuld der Medien an einer solche Entwicklung ist übrigens etwas, was ich seit einiger Zeit unter dem Begriff “Politischer Clickbait” zusammenfasse. Ebenfalls eine unregelmäßig regelmäßige Serie.



    Ein Kommentar:

  • m schreibt am 17. März 2018 um 23:49

    Die AfD ist nicht verboten, ist — anders als andere Parteien –zu jeder Wahl, zu der sie antreten wollte zugelassen worden und ordentlich in fast alle Parlamente gewählt worden. Jeder, der sie verteufelt und ihr die Mitarbeit in unserer Demokratie unmöglich machen will will mehreren Millionen Wählern deren verbrieftes Recht auf Beteiligung an selbiger verweigern. Und outet sich so als Antidemokratisch.

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