Zum Tod von Achim Bergmann: Meine liebsten Platten bei Trikont

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Trikont - Our Own Voice

Vielleicht ist es das älteste existente Independentlabel. Achim Bergmann, Gründer und bis zuletzt auch Betreiber des Labels Trikont, ist tot. Er starb am 1. März. Trikont ist und war wichtig.

Auf der Frankfurter Buchmesse hatte Bergmann 2017 zu Recht und als einer der wenigen laut gegen die Präsenz rechter Verlage protestiert. Dafür wurde der 74jährige verprügelt. Seine Partnerin Eva Mair-Holmes schrieb dazu auf Facebook:

“so also diskutiert die neue rechte. auf der buchmesse.
eine lesung beim verlag junge freiheit. ein 74jähriger labelchef und verleger läuft zufällig vorbei und hört plötzlich übelste rechte rethorik. natürlich hat er dazu was zu sagen. er hat was zu rufen und das tut er. und plötzlich trifft ihn von rechts ein heftigster haken. präzise aufs kinn und mitten ins gesicht. die umstehenden smarten männer reagieren nicht. junge comiczeichner vom nachbarstand kommen zu hilfe. kurz und fassungslos nur soviel: es ist nicht der haken, es ist dieses neue rechte selbstbewusstsein, diese arroganz und diese gewissheit, dass sowas wieder möglich ist.”

Im vergangen Jahr feierten Bergmann und Holmes den 50sten Geburtstag Ihres Labels bei dem über 490 Tonträger erschienen sind. Hier sind fünf ausgewählte Platten, die in meinem Regal stehen. In Erinnerung an Achim Bergmann. Danke für die Musik! Respekt vor seiner Einstellung!

Finnischer Tango # 1 – Tule Tanssimaan & Finnischer Tango # 2 – Onko Onni Unta Vein?

Der Tango ist der Blues der Finnen. Die Texte sind traurig und sehnsüchtig. Zwei liebevolle Zusammenstellungen erschienen bei Trikont. Wobei die zweite CD keine Compilation im eigentlichen Sinne ist sondern 21 Stücke präsentiert, die von Sanna Pietiäinen und M.A. Numinnen zusammen mit dem neorustikalen Tango-Orchester aufgenommen wurden. Wer durch die erste Zusammenstellung angefixt wurde, wird auch den zweiten Teil lieben. In beiden Fällen kommen die Digipacs mit informativen und aufwändigen Booklets. Vielleicht mein liebster Release bei Trikont überhaupt.

Cow – Feeding Time

Cow - Feeding TimeCow ist für mich eine All-Star-Band. Peta Devlin kennen viele vielleicht mittlerweile durch Ihre Arbeit mit Bela B. Sie spielte aber auch bei Die Braut haut ins Auge, Oma Hans und vielen mehr. Auch mit dabei Thomas Wenzel von Die Sterne, Goldene Zitronen, Thomas Butteweg und Ecki Heins. Produziert wurde das Album dann auch noch von Christian Mevs (Slime, Angeschissen u.a.). Klingt nach Punk? Nein, “Feeding Time” ist wohl die beste Country-Platte die je in einem Wald in Deutschland aufgenommen wurde – wobei das mit dem Wald nur für einige Lieder stimmt.
Eine Platte deren Vinyl-Re-Release ich mir sehnlichst wünsche. Nur noch mehr wünsche ich mir ein weiteres Album von Cow, die neben dieser CD lediglich eine EP veröffentlichten.

Universal Gonzáles – Dto.

Auf Universal Gonzáles singt Claudia Gonzales Chansons. Manchmal aber auch übersetzte Stücke von Psychic TV, Serge Gainsbourg oder Antonio Carlos Jobim. Hier ein Stück vom zweiten, ebenfalls bei Trikont erschienenem Album:

Diverse – A Boy Named Sue – Johnny Cash Revisited

Franz Dobler, der zusammen mit Christof Meueler die Label-Biographie “Die Trikont-Story” schrieb, lässt Bands Johnny Cash covern. Mit dabei Cow, die ja schon weiter oben erwähnt wurden, aber auch Guz, Tilman Rossmy Quartett, Wiglaf Droste und das grandiose “Ein Mädchen namens Gerd” von Bernadette La Hengst.

Bernadette La Hengst – La Beat

Mit meiner letzten Empfehlung für diese Liste tat ich mich schwer. Ich dachte an “Dägä Dägä – Finnenwelten” von M.A. Numminen, an “Why Me?” von Daniel Johnston und und und… Dann muss ich aber an all die Alben von Bernadette La Hengst denken und konnte mich hier wiederum schwer entscheiden. Ausschlaggebend für “La Beat” ist dann vor allem der Song “Nie mehr vor Mittag”.

Nicht zu vergessen die ganzen Alben von Attwenger, M.A. Numminen, Hans Söllner, Rocko Schamoni, Daniel Johnston, Eric Pfeil und viele wunderbare Compilations. Danke Trikont, Danke Achim Bergmann.



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