Leseprobe aus “Du bist es vielleicht” von Felix Scharlau

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Nach “Fünfhunderteins: Ein DJ auf Autopilot” ist “Du bist es vielleicht” der zweite Roman von Felix Scharlau. Exklusiv beim Kotzenden Einhorn gibt es diese Leseprobe. Timo Tripke, eigentlich Lehrer, wird über Nacht berühmt und findet sich nach einigen Irrungen & Wirrungen in dieser Medien-Satire in einer bekannten Reality-TV-Show im Dschungel wieder.

Timo Tripke und Wiebke mühten sich wieder den kleinen Hang hinauf und liefen zurück zur Lichtung, die alle Welt als «Das Camp« kannte. Ein paar Feldbetten mit dünnen Schlafsäcken, eine Feuerstelle. Töpfe, Teller, eine wasserdichte Lebensmittelbox. Baumstämme statt richtiger Stühle. Ein im Fernsehen bestimmt nicht sichtbares Regendach in circa acht Metern Höhe, das bei Bedarf ausgeklappt werden konnte. Darüber eine Kranwinde, mit der manchmal Sachen heruntergelassen wurden, als hätten die Bewohner Lepra.

Das war sie, die Grüne Hölle.

Ex-Castingshow-Teilnehmer Spencer Schneider und Ex-Volksschauspielerin Agathe Leimann, die einst unter Fassbinder gearbeitet hatte, wie sie nicht müde wurde zu betonen, wirkten auf die Ankömmlinge wie Obdachlose, die auf einer Waldlichtung ausharrten.

Es war Tag 5. Und die Moral, für alle sichtbar, längst am Boden. Dolmen lag auf seinem Bett, wie eigentlich die meiste Zeit. Zum Glück schlief er. Wenn er nicht schlief, sprach er viel, zu viel, von den einflussreichen Berühmtheiten, die er zu seinen Freunden zählte. Warum keiner von ihnen Dolmen daran gehindert hatte, jetzt hier zu sein, erzählte er nicht. So ziemlich alles im Camp war unter Dolmens Würde. Sowas, palaverte er gerne, könne man mit so einem wie ihm nicht machen. Doch, offensichtlich schon.

Am unangenehmsten war, wenn Dolmen über Frauen sprach, was er vornehmlich dann tat, wenn er mit Tripke alleine war. Als Folge seines überbordenden Egos schien er eine virile Verbindung zwischen ihnen beiden zu spüren. Deren Abwesenheit hielt ihn nicht davon ab, sie sich einzureden.

Es waren schlimme Minuten für Tripke, wenn Dolmen den Mund aufmachte. Denn alles, was er sagte, wurde aufgezeichnet. Und Tripke stand mit im Bild.

Natürlich monologisierte Dolmen nicht nur über Frauen. Er informierte auch ungefragt über die neue Partei, die er gedenke zu gründen, wenn er wieder in Deutschland war. »Die bürgerliche Alternative«. Wenn der Name nicht schon vergeben sei, er müsse noch mal gucken. Für dieses Vorhaben suche er Mitstreiter und Geld. Deshalb mache er hier mit. Nur deshalb. Wegen politischer PR. Der Trip nach Australien gleiche für ihn einer Bürgersprechstunde.

Jeder der Kandidaten streute eine eigene Legende, weshalb er oder sie wirklich hier war. Ins Camp ging niemand, weil er musste. Nicht weil PTL die einzigen gewesen wären, die angerufen hatten außer den Gläubigern. Nicht weil man so war, wie die anderen verzweifelten Seelen, die sonst ins »Camp Grüne Hölle« gingen. Nein, dieses Jahr war es anders. Das hätten die vorherigen Teilnehmer zwar auch immer behauptet, aber diesmal stimmte es wirklich! Im Camp waren sie wegen der außergewöhnlichen Erfahrung. Der Lust auf etwas anderes. Weil sie »gerade zwischen zwei Jobs« stünden. Oder natürlich, weil sie sich im betreuten Wohnen des Privatfernsehens entspannt über »etwas Wichtiges Gedanken machen« müssten. Und Dolmen, der war eben hier, weil der Sender ihm die Möglichkeit geboten hatte, für seine neue Partei vor einem Millionenpublikum zu werben. Gratis! 14 Tage Zeit für seine Inhalte, und niemand widersprach. Der Traum jedes Politikers. Auch das wiederholte er alle paar Stunden. Möglicherweise glaubte er es bald selbst. Im Camp gab es keine Sicherheit, keine Wahrheit. Alles hier schien zwei Seiten zu haben, war grundsätzlich infrage zu stellen. Die viele Zeit, die weitestgehend ereignislos verging, ließ die Wahrnehmungen gären. Emotionen wucherten.

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Disclaimer: Ich kenne Felix schon aus meiner Zeit beim intro-Magazin und bin auch mit dem Ventil-Verlag verbandelt…

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Norsk – Kurzgeschichte aus Dør anhören

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Dør von Daniel Decker

Am 9.12. erscheint im Ach-Je-Verlag mein literarisches Debüt. Eine kleine Kurzgeschichtensammlung, die sich zu einem großen Ganzen fügt, für Fans von Lovecraft und Poe. Eine der Geschichten habe ich eingelesen, hier könnt Ihr sie hören:

Gerne rebloggen und sharen, den Sharing is caring.

“Tekeli-li! Tekeli-li!” – Ein schrecklich-grauenhafter ewiger Schrei ist nur der Beginn eine Reise in unbekannte blasphemische Gefilde deren Wahnsinn an H.P. Lovecraft und Edgar Allen Poe gemahnt. Was mit dem Verschwinden einer guten Freundin beginnt deckt im Verlauf ein uraltes Geheimnis auf. “Die letzte Bewegung ist ein Klang, geschaffen aus Körpern, so wie der Tanz aus Körpern geschaffen wurde. Und sie eröffnen eine neue Welt.”

Und natürlich könnt Ihr das Buch bereits vorbestellen:

Beim Verlag: https://ach.je/produkt/daniel-decker-dor/
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Extrem Unbrauchbar – Über Gleichsetzungen von Links und Rechts

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Nicht erst seit den Wahlen in Thüringen fliegen die Hufeisen wieder tief. Die Gleichsetzung von Links und Rechts ist mal wieder in aller Munde. Grund genug sich abermals der Extremismustheorie zu widmen. Zum einen macht die Theorie den Diskurs enorm einfach. Es gibt extreme Ränder und die “gute Mitte”. Die Extremismustheorie verhindert also die Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen Einstellungen in der sogenannten Mitte der Gesellschaft.
Nicht nur die Mitte-Studien zeigen seit Jahren, dass es dort aber ebenso Ansatzpunkte gibt.

Es gibt also tausend gute Gründe mal in “Extrem unbrauchbar: Über Gleichsetzungen von links und rechts” (amazon-Partnerlink) reinzuschauen. Dort schreiben u.a. Paula Irmschler, Leo Fischer, Maximilian Pichl und Lillemor Kuht über das Thema. Hier der Klappentext:

Rechtspopulistische Strömungen finden auf ihrem Feldzug gegen die Demokratie ein mächtiges begriffliches Mittel vor: die Extremismustheorie. Gewonnen aus einer spezifischen Lesart totalitarismuskritischer Arbeiten, etwa von Hannah Arendt, hat sich im Sprechen über die Gesellschaft ein Hufeisenmodell durchgesetzt: Eine Mitte der Gesellschaft werde von ihren Rändern bedroht. Islamismus, Rechtsextremismus und Linksextremismus arbeiten daran, die Demokratie zu zerstören. Doch besonders die Gleichsetzung von Rechtsextremismus und Linksextremismus führt oft dazu, ersteres auf Kosten von letzterem zu verharmlosen. Zudem ist die Konstruktion einer gesellschaftlichen Mitte selbst problematisch. Was gehört zu dieser Mitte, was nicht? Gerade die aktuellen Erscheinungsformen rechter Ideologien zielen darauf ab, gerade noch anschlussfähig zum gesellschaftlichen Diskurs zu bleiben und ihn durch kalkulierte Grenzverletzungen nach rechts zu verschieben – mit einigem Erfolg, Stichworte: »Flüchtlingswelle«, »Genderismus« oder »political correctness«. Doch wenn selbst der positive Bezug auf das Grundgesetz teilweise als linksradikal diskutiert wird, desavouiert sich dieses Hufeisenmodell endgültig.

Quelle: Verbrecher Verlag


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Testcard #26 – “Utopien”

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Ich weiß noch, dass ich irgendwann 2001 damit anfing die Testcard zu lesen. Die Preise waren für mich Studenten (der kaum zur Uni ging) happig und als jemand mit einem Sammeltick begann ich mit Ausgabe 1: “Pop und Destruktion”, dem Folgte demnach die 2 “Inland” und danach wählte ich eher nach Themen aus. Wie es der Zufall so will durfte ich nun für die letzte Ausgabe über “Utopien” ein paar Platten beschreiben. Auch wenn mein Beitrag ziemlich klein ist, ist das Ganze für mich immernoch ein bisschen so wie…
Ich weiß es gar nicht. Vielleicht einmal bei seiner Lieblingsband bei einem Song mitspielen? Es fühlt sich auf jeden Fall gut an. Einfach weil die Bücher des Ventil-Verlags für mich als (wirklich schlimmen) Indie-Schnuffel eine Bereicherung waren.

Testcard 26 beim Verlag bestellen!

Testcard 26 - Utopien
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